Einspruch

Muslime in der Verantwortung

Maram Stern Foto: Marco Limberg

Einspruch

Muslime in der Verantwortung

Maram Stern fordert von islamischen Staaten, der Radikalisierung Einhalt zu gebieten

von Maram Stern  24.02.2015 10:28 Uhr

Die von selbst ernannten Gotteskriegern im Namen des Islam verübten Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen haben zu einer tiefen Verunsicherung in Europa geführt. Alle fragen sich: Was muss getan werden, damit das aufhört? Nur nach mehr Polizei und härteren Gesetzen zu rufen, greift zu kurz. Und mit dem Finger auf alle Muslime zu zeigen, ist unangebracht, ja verletzend.

Wer das Fehlverhalten einer verschwindend kleinen Minderheit kollektiv allen zur Last legt, beleidigt sie und macht die Lage noch gefährlicher. Die Muslime in Europa, die islamische Welt oder gar »der Islam« als Religion tragen keine Kollektivschuld. Und es gab gute und wichtige Zeichen, darunter die Solidaritätsadressen islamischer Verbände oder der »Schutzring« rund um die Synagoge in Oslo vergangene Woche. Leider hat das keine großen Wellen geschlagen.

islamophobie Was fehlt, ist eine gemeinsame Anstrengung der Führer der einflussreichen islamischen Länder. Saudi-Arabien, Ägypten und die Türkei könnten mehr tun. Anstatt abzuwiegeln oder reflexhaft auf eine wachsende Islamophobie zu verweisen, wenn antisemitische Straftaten begangen werden, sollte man sich dort vielleicht einmal fragen, was getan werden kann, um der zunehmenden Radikalisierung Einhalt zu gebieten. Sich Hasspredigern entgegenzustellen und stattdessen eine positive Vision des Islam zu propagieren, ist wichtig, um zu verhindern, dass sich immer mehr junge Leute den Gotteskriegern anschließen.

Im Kampf gegen Terror braucht es den Staat, der verfolgt und bestraft. Aber eine wirksame Prävention ist ebenso wichtig. Sie wird nur gelingen, wenn die islamischen Führer ihrer Verantwortung gerecht werden und den Stier bei den Hörnern packen.

Papst Franziskus hat jüngst Mafiosi mit Exkommunikation belegt. Diejenigen, die das Böse anbeten und das Gemeinwesen verachten, seien automatisch exkommuniziert, sagte er. Das sollte nicht nur für katholische Mafiosi, sondern auch für Fanatiker anderer Religionszugehörigkeit gelten.

Der Autor ist Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses.

Ina Czyborra

Berlin

Kein Antisemitismusbeauftragter vor der Abgeordnetenhauswahl

Das Auswahlverfahren für eine Ansprechperson an Hochschulen der Bundeshauptstadt ist vorerst gescheitert

 28.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Interim

Christoph de Vries übernimmt zeitweise Amt von Felix Klein

Der langjährige Antisemitismusbeauftragte Felix Klein wechselt als deutscher Vertreter zur OECD nach Paris. Bis seine Nachfolge geklärt ist, übernimmt der Parlamentarische Staatssekretär seine Aufgaben

von Anna Mertens  28.08.2026

Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Das historische Verfahren zwischen Tech-Gigant Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA. Doch es könnte auch globale Auswirkungen haben

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

Diplomatie

Iran-Konferenz in Istanbul wird verschoben

Außenminister Wadephul wollte am Sonntag mit Kollegen unter anderem aus der Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten und Pakistan über die Lage in der Straße von Hormus reden. Daraus wird vorerst nichts

 28.08.2026

Golfregion

Irans Außenminister: »Druck funktioniert nicht«

Regionale Staaten haben eine neue Runde diplomatischer Bemühungen im Iran-Krieg begonnen. Teheran richtet eine Botschaft an die USA

 28.08.2026

Professor Lars Rensmann von der Universität Passau

Wissenschaft

Ist die AfD das »freundliche Gesicht« des Antisemitismus?

Das American Jewish Committee thematisiert in einer am Dienstag veröffentlichten Analyse den Antisemitismus in der Alternative für Deutschland

 28.08.2026

Den Haag

Kriegsverbrecher Ratko Mladic gestorben

Er galt als ruchloser Kriegsverbrecher, der Zehntausende unschuldige Zivilisten auf dem Gewissen hatte. Jetzt ist Ratko Mladic tot, gestorben in einem Gefängniskrankenhaus

von Markus Schönherr  28.08.2026