USA

Terrorfahrt in New Orleans

Der Horror nach der Party: Ein weißer Pickup ist in New Orleans‘ Ausgehviertel in eine Menschenmenge gerast Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Das neue Jahr hat in einem der beliebtesten Ausgehviertel der US-Südstaaten mit einer extremen Gewalttat begonnen. Nur wenige Stunden nach Mitternacht ist ein Mann mit seinem Pickup-Truck durch die feiernden Passanten im French Quarter von New Orleans gerast und hat aus seinem Fahrzeug geschossen. Schnell bestätigt die Polizei zehn Tote und 35 Verletzte. Der Täter soll auch auf zwei Polizisten gezielt haben.

Wie israelische Medien berichten, sollen zudem zwei Israelis verletzt worden sein, die gerammt und angeschossen wurden. Das Außenministerium und das israelische Generalkonsulat in Houston stünden in Kontakt mit dem Krankenhaus und den Familien der Opfer.

Augenzeugen berichteten im US-Fernsehen am Neujahrsmorgen von Leichenteilen auf Straßen und Bürgersteigen. Viele Menschen seien schreiend geflohen. Videoaufnahmen zeigten Blutspuren auf dem Asphalt und eilig Helfende. Behörden melden schnell, dass der Fahrer tot sei und die Tat als Terrorakt untersucht werde.

»Sehr absichtliches Verhalten«

Zuvor hatte die Polizei sein Handeln in einer ersten Pressekonferenz als »sehr absichtliches Verhalten« bezeichnet. »Er versuchte, so viele Menschen zu überfahren wie möglich«, sagte New Orleans‘ Polizeichefin Anne Kirkpatrick. Der Mann sei mit sehr hoher Geschwindigkeit gefahren und es habe sich nicht um eine Trunkenheitsfahrt gehandelt, sagte Kirkpatrick.

Zwei Ermittler bestätigten am Mittwochabend dem Sender CNN, dass der Täter eine Flagge der Terrororganisation IS bei sich gehabt habe. Außerdem habe man in einer Kühlbox auf der Ladefläche des Pickups mehrere selbstgebaute möglicherweise explosive Objekte gefunden. Die lokale Nachrichtenseite »New Orleans Advocate« sprach ebenfalls unter Berufung auf Ermittlerkreise von einem 42-Jährigen in Militärkleidung als Täter.

Lesen Sie auch

Der Vorfall ereignete sich laut Polizei um 3.15 Uhr am Morgen in einem Teil der Stadt, den bei vielen Events Zehntausende besuchen. Im French Quarter feiern die Menschen im März auf Balkonen und in den Straßen den berühmten Karneval Mardi Gras, auch ein Jazz-Festival im späten Frühling zieht dort die Massen an.

Der Tatort, die beiden Hauptstraßen Canal und Bourbon Street, ist an Neujahr auch weit nach Mitternacht noch sehr belebt. Mehr als 300 Einsatzkräfte seien zu Silvester in dem Viertel gewesen, berichteten US-Medien. Am Abend des 1. Januar richtet New Orleans zudem traditionell den »Sugar Bowl« aus, ein Football-Spiel mit College-Mannschaften, das ebenfalls Zehntausende Menschen aus dem ganzen Land anzieht.

Ähnlicher Vorfall 2017

Schon 2017 hatte es im French Quarter einen ähnlichen Vorfall gegeben. Ein Autofahrer war beim Karneval in die Zuschauermenge eines Umzugs gerast. Er sei »stark alkoholisiert« gewesen und habe zwei Autos gerammt, bevor er in die Menge gefahren sei, hatte damals Polizeichef Michael Harrison vor Journalisten gesagt. 28 Menschen waren verletzt worden, 5 von ihnen schwer.

Zum Motiv der aktuellen Tat gab es noch keine Aussagen. Die Bürgermeisterin der Stadt, LaToya Cantrell, hatte in einer ersten Reaktion schnell von einem »Terrorangriff« gesprochen. Die US-Bundespolizei hatte dieser Einschätzung zum Tathintergrund zunächst nicht übernommen. »Das ist kein terroristisches Ereignis«, hatte FBI-Agentin Alethea Duncan vor der Presse gesagt. Sie sagte auch, dass mehrere »Objekte« untersucht würden, die möglicherweise hätten gezündet werden sollen.

Laut Augenzeugen in US-Medien ist der Fahrer in einem größeren Pick-up-Truck und mit hoher Geschwindigkeit auf der Bourbon Street in die Menge gefahren. Anschließend soll der Fahrer ausgestiegen und mit einer Waffe geschossen haben, worauf die Polizei mit Schüssen reagiert haben. Die beiden getroffenen Beamten seien im Krankenhaus und in »stabilem Zustand«, sagte Polizeichefin Kirkpatrick.

US-Behörden hatten nach Magdeburg vor Angriffen gewarnt

Louisianas Gouverneur Jeff Landry nannte das Geschehen beim Nachrichtendienst X eine »fürchterliche Gewalttat«. »Bitte beten Sie gemeinsam mit Sharon und mir für alle Opfer und Ersthelfer vor Ort«, schrieb er mit Blick auf seine Ehefrau Sharon - und rief dazu auf, den Bereich der Tat zu meiden. Die Generalstaatsanwältin des Bundesstaats, Liz Murrill, wählte bei X harsche Worte und schrieb vom »brutalen, absichtlichen Abschlachten unschuldiger Menschen.«

Rettungskräfte waren mit einem massiven Aufgebot vor Ort. Laut einem Reporter des Senders WWLTV ließ die Polizei Restaurants und Bars auf der Bourbon Street räumen und sperrte die Straße weiträumig ab.

US-Medien berichteten, dass in mehreren US-Städten Bundesermittler im alten Jahr die lokalen Behörden vor Angriffen mit Fahrzeugen gewarnt hätten. Solche Taten seien generell möglich und es gelte, sich darauf vorzubereiten. Dabei sollen die Behörden auch über den deutschen Angriff auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg mit fünf Toten und mehr als 200 Verletzten gesprochen haben. dpa/ja

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

Berlin

Söder warnt SPD und Grüne vor Koalition mit Linkspartei

Nach der Wahl in Berlin mit dem Sieg der Linkspartei ist noch immer unklar, wer künftig regieren wird. Der CSU-Chef hat eine klare Erwartung für den Umgang mit dem Wahlsieger

 25.09.2026

Kassel/Heidenau

Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten

Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Initiator der Gedenksteine, Gunter Demnig, warnt vor Unsichtbarkeit der NS-Opfer und will weitermachen

 25.09.2026

Berlin

Schuster: Seit Hamas-Angriff kaum Kontakte zu muslimischen Verbänden

Er hat muslimische Freunde. Doch offizielle Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und muslimischen Verbänden gibt es kaum noch. Der Zentralratspräsident kritisiert dies und hofft auf Besserung

 25.09.2026

USA

Rennpferd muss wegen Hitler-Bezug umbenannt werden

Der Jockey Club erhält eine formale Beschwerde, woraufhin der Name des Tieres verboten wird. Wie hieß das Pferd? Und wie heißt es jetzt?

 25.09.2026

New York

Susan Sarandon bei Demo gegen Israel festgenommen

Zwei Proteste gegen Israel fanden während der Rede von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UNO statt. Bei einer davon wurde zum Mord an ihm aufgerufen

 25.09.2026

New York

Netanjahu vor der UNO: »Israel hat keinen anderen Weg als zu gewinnen«

Der israelische Ministerpräsident spricht über Iran, Katar, die Türkei. Er konfrontiert Kritiker seines Landes, inklusive Bürgermeister Zohran Mamdani

 25.09.2026

Berlin

Berliner Linken-Chefin: »sehr überrascht« über Kritik

Seit der Berlin-Wahl am Sonntag wird bundesweit heftig über Antisemitismus bei der Linkspartei diskutiert. Sieht die Landesvorsitzende Kerstin Wolter ein strukturelles Problem in ihrer Partei?

 25.09.2026

Nach der Wahl

Berliner SPD will mit Linken und CDU sondieren

Die Sozialdemokraten wollen mit dem Wahlsieger Linke und der CDU über eine mögliche Regierungsbildung sprechen. Parteichef Krach nennt eine »rote Linie«

 25.09.2026