Berlin/Frankfurt am Main

Militärbundesrabbiner besorgt über Spaltung in der Gesellschaft

Rabbiner Zsolt Balla, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz (ORD). Foto: imago images/epd

Militärbundesrabbiner Zsolt Balla blickt mit Sorge auf die im Herbst anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland. Dies habe nicht nur mit der AfD zu tun, sagte Balla der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (Freitag).

»Ich beobachte eine Radikalisierung und Dämonisierung von mehreren Seiten und fürchte eine Spaltung der Gesellschaft«, so der 45-jährige jüdische Geistliche, der auch sächsischer Landesrabbiner ist. In Sachsen sehe er eine erhebliche Polarisierung.

»Ich weiß auch nicht, wie Antisemitismus und Rechtsradikalismus beendet werden können, wenn das in den vergangenen siebzig, achtzig Jahren nicht gelungen ist.« Der einzige Weg gegen Radikalisierung sei für ihn, »mit allen ins Gespräch zu kommen und sie kennenzulernen«.

Lesen Sie auch

Antisemitische Vorfälle

Auch in der Bundeswehr gebe es ein Problem mit Antisemitismus, sagte Balla. »Es gibt solche antisemitischen und rechtsextremen Vorfälle. Auch wenn sie nicht gemeldet wurden, wissen wir davon und kehren sie nicht unter den Teppich.« Damit unterscheide sich Deutschland erheblich von anderen Ländern, in denen solche Tendenzen in der Truppe negiert würden.

»Die sechs Rabbiner, die ihren Dienst angetreten haben, und ich werden versuchen, aufzuklären und bei solchen Vorfällen zu unterstützen, allerdings werden wir es leider nicht schaffen, sie völlig zum Verschwinden zu bringen.«

Letzte Buchstaben

Am Donnerstag wurde das Militärrabinat der Bundeswehr in Berlin offiziell eingeweiht. Im Beisein von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte ein Thora-Schreiber zuvor die letzten Buchstaben einer 40 Meter langen Thora geschrieben.

Schon seit 2021 fungiert Balla als Militärbundesrabbiner. Laut Bundesverteidigungsministerium versehen etwa 300 jüdische Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst in der Truppe. kna

Cyberkriminalität

Hacker greifen Mail-Konten der AfD an

Die AfD ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Im Netz brüsten sich Unbekannte, rund 421.000 AfD-E-Mails veröffentlicht zu haben. Ob die Dateien echt sind, ist aber noch unklar

 22.10.2026

Rom

Papst vor AJC-Delegation: »Kirche duldet keinen Antisemitismus«  

Erstmals empfing Leo XIV. im Vatikan eine Delegation des American Jewish Committee - und betonte in seiner Ansprache, dass der interreligiöse Dialog zum Weltfrieden beitrage

 22.10.2026

Straßburg

Europäisches Parlament ehrt Internationalen Strafgerichtshof mit Sacharow-Preis

Das Haager Gericht ist umstritten: Zuletzt wurde es von den USA mit Sanktionen belegt. Doch am Donnerstag bekam der IStGH die Rückendeckung der Europaabgeordneten

 22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Hessen

Partnerschaftsverein vermutet politisches Motiv hinter Demontage von Netanya-Schildern

Die Städtepartnerschaft zwischen Gießen und Netanya hat eine große historische Bedeutung

 22.10.2026

Washington D.C./Jerusalem/Teheran

USA und Israel bereiten offenbar neue Angriffe auf Iran vor

Die Streitkräfte beider Länder an konkreten Plänen für eine neue Angriffswelle, die nach den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November beginnen könnte. Wie könnte ein solcher Einsatz aussehen?

 22.10.2026

Washington D.C.

AIPAC beendet direkte Wahlempfehlungen und Wahlkampfspenden

Wie sollen pro-israelische Politiker in den Vereinigten Staaten von nun an unterstützt werden?

 22.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor rot-grün-roter Koalition

Schuster: »Im Kampf gegen Judenhass ist dieses Schauspiel ein echter Offenbarungseid«

 22.10.2026

Hannover

Anklage gegen Niedersachsens AfD-Chef erhoben

Ihm werden Verstöße gegen das Parteiengesetz vorgeworfen, wie die Behörde mitteilte

 21.10.2026