Berlin

Merz: Jüdische Schüler werden weiter beschimpft

CDU Chef Friedrich Merz im Jüdischen Gymansium Berlin (Archivfoto) Foto: Gregor Zielke

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hat beklagt, dass auch fünf Monate nach dem islamistischen Terroranschlag der Hamas auf Israel jüdische Schüler in Deutschland Angst hätten. »Das Grundgefühl, dass man als jüdischer Schüler in Deutschland nicht sicher lebt, daran hat sich leider nicht viel geändert«, sagte Merz am Mittwoch bei einem Besuch des Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn in Berlin-Mitte. »Nach wie vor haben viele Schülerinnen und Schüler Angst und Sorge«, sagte Merz nach einem längeren Gespräch mit etwa 40 jüdischen und nicht-jüdischen Oberstufen-Schülern. »Sie werden angepöbelt, sie werden im Netz beschimpft, sie werden identifiziert, sie tragen die Kippa nicht, sie tragen den Davidstern nicht, sie haben Angst in der U-Bahn, sie haben Angst im Supermarkt. Und das ist ein bedrückender Zustand.«

Merz betonte, Deutschland müsse dazu eine klare Haltung einnehmen. »Und diejenigen, die nicht bereit sind, das zu tun, die bis hin zur Gewalttätigkeit gegen jüdische Mitbürger gehen, die müssen hier auch hart bestraft werden, und wenn sie die deutsche Staatsangehörigkeit nicht haben, auch ausgewiesen werden. (...) Ich bin nicht bereit, das zu akzeptieren.« Merz gab auch zu, er habe das Problem »in den letzten Jahren unterschätzt«. Es gebe tausend Moscheen in Deutschland und keine müsse geschützt werden, was auch sehr gut sei. Zugleich gebe es hundert Synagogen und alle müssten geschützt werden. »Das ist ein Armutszeugnis für unser Land.« Kurz nach dem Angriff am 7. Oktober hatte Merz die Schule bereits einmal besucht.

Merz kritisierte aber auch Israels Regierung und Armee wegen des Kriegs im Gaza-Streifen. »Das Land ist schon in einem sehr nervösen Zustand. Die Armee geht mit großer Härte vor und das ist mit erheblichem Schaden für die Zivilbevölkerung verbunden.« Vor allem im Süden Gazas gehe es um eine humanitäre Katastrophe. Bei seinem Besuch kürzlich in Israel habe er Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gesagt, dass Israel aufpassen müsse, nicht seine besten Freunde zu verlieren. Er könne Israel zwar verstehen, aber man müsse auch an die Zukunft denken.

Besuch des Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn in Berlin-Mitte

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Gideon Joffe, sagte, das Gymnasium sei »leider mehr und mehr zu einer Zufluchtsstätte von bedrängten und verfolgten jüdischen Schülern geworden«. Und die Nachfrage sei seit Oktober weiter gestiegen. Inzwischen komme ein Drittel der Schüler von anderen Schulen, wo sie gemobbt würden. »Noch nicht ein einziges Mal habe ich gehört, dass ein muslimischer Schüler irgendwo in der Bundesrepublik die Schule verlassen musste, weil er als Muslim verfolgt wird. Das ist ein sehr gutes Zeichen, dass Muslime keine Angst haben müssen (...). Das müssen wir aber definitiv für die Juden schaffen.« Man bekomme langsam französische Verhältnisse. In Frankreich könnten jüdische Kinder kaum noch öffentliche Schulen besuchen.

Im Gespräch mit Merz hatten Schüler neben allgemeinen politischen Themen auch die Situation von Juden in Deutschland angesprochen. Eine Schülerin sagte, der 7. Oktober habe offenbart, welche Probleme es schon zuvor für Juden gegeben habe. »Schon vorher war klar, dass ich nur ohne den Stern rausgehe und in der Bahn nicht Hebräisch spreche. Aber am 7. Oktober wurde klar, wie tief die Probleme sitzen.« Eine Schülerin berichtete mit zitternder Stimme, dass sie Angst habe, mit einer Kette mit Davidstern aus dem Haus zu gehen. Hingegen sehe sie oft arabischstämmige Schüler mit dem Symbol eines Palästinas ohne den Staat Israel. »Und das wird toleriert hier.« Ein Schüler erzählte, ihm sei klar, würde er in Neukölln offen für Israel sprechen, würde er mit Gewalt konfrontiert.

Am Mittwoch war ein antisemitischer Vorfall an einer Grundschule in Friedrichshain bekannt geworden. In einer »Woche der Familiensprachen« hatten Kinder Figuren zu ihrer Herkunft oder der Muttersprache der Familie gebastelt. Die Schulleitung schrieb an die Eltern: »Zu unserer großen Enttäuschung wurden Figuren mit israelischen Fahnen und Symbolen gezielt beschädigt.« Und weiter: »Vor diesem Hintergrund haben wir uns im Team heute dazu verabredet, mit unseren Schülern aller Klassen den Krieg im Gazastreifen, Gewalt und Hass in den nächsten Tagen zu besprechen. Wir werden Toleranz, gegenseitiges Verständnis und die Suche nach Kompromissen als Ausweg aufzeigen.« dpa

Berlin

Igor Levit kritisiert Merz: Weiter-so in hübscher Verpackung

Merz’ Art der Kommunikation des CDU-Politikers wirke »losgelöst«, so der Pianist

 22.09.2026

Kanada

Schüsse vor Synagoge: Polizist und mutmaßlicher Angreifer schwer verletzt

Der Vorfall ereignete sich am Sonntagabend, während sich rund 25 Menschen in der Sons of Jacob Synagogue zum Jom Kippur versammelt hatten

 22.09.2026

Berlin

Auschwitz Komitee: Linke soll zu »Fehlentwicklungen« stehen

Nach dem Wahlsieg der Linken: Die Präsidentin des Auschwitz-Komitees kritisiert die Haltung der Partei zum Antisemitismus. Sie müsse sich »von allen Antisemiten in ihren Reihen« trennen

 22.09.2026

Abgeordnetenhauswahl

Außenminister: Berlins Regierung muss Juden zur Seite stehen

Nach dem Erfolg der Linken bei der Berlin-Wahl ruft Außenminister Johann Wadephul dazu auf, jüdisches Leben in der Hauptstadt und in Deutschland entschieden zu schützen

 22.09.2026

Sicherheit

Innenminister besorgt nach Linken-Wahlsieg in Berlin

Brandenburgs Innenminister Redmann: »Dass in Berlin Clanchefs und Islamisten den Wahlsieg der Linken feiern, macht, glaube ich, nicht nur mir große Sorgen«

 22.09.2026

Kommentar

Schwesigs Erfolg: Wie man die AfD im Zaum halten kann

Manuela Schwesig hat gezeigt, wie man dem Populismus der Rechtsextremen begegnen kann. Das ist nicht nur eine gute Nachricht für die SPD, sondern für alle Demokraten

von Michael Thaidigsmann  22.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Frauen weggeschickt

Mitten am Tag soll ein 37-jähriger Afghane einen Brandsatz an der Bergischen Synagoge gezündet und sich danach antisemitisch geäußert haben. Vorher soll er zwei Passantinnen weggeschickt haben

 22.09.2026

Bad Staffelstein

Dobrindt: Berliner Linke duldet Antisemiten in ihrem Umfeld

Die Linke hat die Wahl in Berlin gewonnen. Die Partei stehen aber wegen zahlreichen Antisemitismus-Vorfällen in der Kritik. Der Bundesinnenminister wendet sich an potenzielle Koalitionspartner

 22.09.2026

Deutschland

»Existenzgefahr für Berlins Juden«

Die Linke macht immer wieder mit Judenhass und Forderungen nach der Auslöschung Israels von sich reden. Der Wahlsieg der Partei veranlasst nun den israelischen Botschafter zu einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme

 22.09.2026