Regierungskonsultationen

Merkel und Netanjahu loben Zusammenarbeit

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Bundeskanzlerin Angela Merkel waren sich darin einig, dass Deutschland, Europa und Israel »die gleichen Herausforderungen« zu bewältigen haben. Foto: dpa

Forschung, Digitalisierung, Elektromobilität und Klimaschutz – die Liste der vereinbarten Kooperationen zum Abschluss der sechsten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen ist lang und detailliert. Die wichtigsten Themen in den bilateralen Regierungsgesprächen waren jedoch Fragen der Sicherheit, der Nahost-Friedensprozess, der Syrien-Konflikt und seine Auswirkungen sowie das Atom-Abkommen mit dem Iran.

So bekräftigte Bundeskanzlerin Merkel am Dienstag zum Abschluss der Kabinettsgespräche, dass es keine »normalen, freundschaftlichen Beziehungen« zum Iran geben könne, solange dieser das Existenzrecht Israels nicht anerkenne. Israel fühlt sich durch den Iran massiv bedroht und sieht die Annäherung des Westens an Teheran nach der Einigung im Atom-Streit skeptisch.

terrorismus Ebenso erkannte sie die »Bedrohungen durch den Terrorismus, die Israel auszuhalten habe«, an. Sie habe dem israelischen Regierungschef andererseits aber auch klargemacht, dass man »im Prozess friedlichen Zusammenlebens vorankommen« müsse. Dieser Prozess baue nach Meinung Deutschlands auf einer Zweistaatenlösung auf. Die Minister hätten darüber gesprochen, was diesbezüglich »die nächsten Schritte sein können«, so Merkel.

Es sei »sicherlich nicht der richtige Zeitpunkt für umfassenden Fortschritt«, stellte Merkel klar. Bei den Gesprächen sei aber zur Sprache gekommen, wie Verbesserungen zu erzielen seien. So habe man etwa verabredet, dass Deutschland beispielsweise in Fragen der »wirtschaftlichen Entwicklung« helfen werde.

Man müsse »immer im Gespräch bleiben«, hob Merkel hervor. Das gelte auch für den Dialog zwischen Israel und der Europäischen Union (EU). Daher freue sie sich sehr, dass Deutschland eine Gesprächs-Initiative mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini angeregt habe, auch was die Kennzeichnungspflicht israelischer Produkte betrifft.

herausforderungen Ansonsten waren sich beide Regierungschefs darin einig, dass Deutschland, Europa und Israel »die gleichen Herausforderungen« zu bewältigen haben – ebenso bei der Bekämpfung des IS wie bei der Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen. So warb Netanjahu dafür, Israel im Kampf des Westens gegen den Islamismus zu unterstützen. Indem Israel sich schütze, verteidige es auch »die gemeinsamen westlichen Werte«, sagte der israelische Premierminister. Durch seine bloße Existenz verhindere das Land »die Tragödie, dass bis zu 100 Millionen Menschen zusätzlich in die Hände eines militanten Islam fallen« könnten, so Netanjahu.

Merkel betonte, dass in einer Zeit, in der Europäer »die Auswirkungen des Bürgerkrieges in Syrien hautnah durch die Flüchtlinge zu spüren bekommen«, »geografische Distanzen schwinden«. Israel als Demokratie in einer instabilen Region trage daher zu »unserer Sicherheit« bei. Damit seien Fragen der Sicherheit und Zusammenarbeit auf diesem Gebiet »von allergrößter Bedeutung«.

Lesen Sie mehr in unserer nächsten Printausgabe.

Washington

Trump widerspricht Iran: Straße von Hormus ist offen

Trotz gegenseitigen Angriffen erklärt der US-Präsident die Meerenge für offen. Die iranische Seite sieht das anders

 12.07.2026

Leipzig

Wie der MDR auf die Ankündigungen der AfD reagiert

Der MDR stellt sich auf juristische Auseinandersetzungen im Fall eines Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt ein

von Katharina Rögner  12.07.2026

Washington

Trump-Freund und Israel-Unterstützer: Senator Lindsey Graham ist tot

Gerade hatte der US-Republikaner Graham noch Kiew besucht, im November wollte er sich erneut zur Wahl stellen. Nun ist der langjährige Senator überraschend gestorben

 12.07.2026

Meinung

Wenn die Brandmauer bröckelt

Immer öfter erlebt unser Autor, dass die rechtsextreme AfD selbst in der gesellschaftlichen Mitte verharmlost wird. Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus Düsseldorf

von Jacques Abramowicz  12.07.2026

Interview

Karin Prien: »Würde mit Davidstern-Kette nicht in bestimmte Stadtviertel«

Die Bundesfamilienministerin (CDU) über Einsparungen in ihrem Ressort, das Programm »Demokratie leben« und ihre persönliche Betroffenheit vom wachsenden Antisemitismus in Deutschland

von Alexander Riedel, Birgit Wilke  12.07.2026

Magdeburg

Die AfD und ihr Plan für Sachsen-Anhalt

Jubel für Ulrich Siegmund, Vorwürfe gegen die CDU und ein 100-Tage-Plan mit radikalen Forderungen – was die AfD in Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl vorhat

von Christopher Kissmann  12.07.2026

Teheran

Iranische Tageszeitung fordert Rache – auch gegen Merz

Die iranische Zeitung »Hamshahri« ruft in einer Online-Grafik zu Vergeltung gegen westliche Politiker auf. Darunter sind auch europäische Regierungschefs abgebildet

 12.07.2026

Maskat

Oman meldet Drohnenangriffe nahe Straße von Hormus

Der Oman hat sich im Iran-Krieg um eine möglichst neutrale Haltung bemüht, wurde aber auch selbst zum Ziel von Angriffen. Jetzt meldet das Land neue Drohnenangriffe

 12.07.2026

Meinung

Reformprogramm der Bundesregierung: Auf schmalem Grat

Ein Sozialstaat, der Sicherheit verspricht und Misstrauen praktiziert, ist ein Signal für jene Kräfte, die von Angst und Spaltung leben

von Günter Jek  12.07.2026