Einspruch

Menschliche Projektile

Der Terror hört nicht auf. Viereinhalb Jahre nach der Veröffentlichung seiner Karikatur, die den Propheten Mohammed mit einem Bombenturban zeigt, trachten Islamisten dem dänischen Künstler Kurt Westergaard nach dem Leben. Achteinhalb Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 versuchen Terroristen immer noch, Passagierflugzeuge in die Luft zu sprengen. Die gescheiterten Attentate von Detroit und Arhus, die Gewalt im Irak, in Pakistan und Afghanistan – all diese erschreckenden Einzelphänomene zerstören gemeinsam die Mythen über den Terror.

So ist der Traum so manches Innenpolitikers geplatzt, man könne mit der endlosen Einschränkung von Bürgerrechten jede Gefahr ausschalten. Ebenso wenig ist es möglich, durch eine Entscheidungsschlacht am Hindukusch mit Al Qaida ein für alle Mal aufzuräumen. Das Terrornetz ist keine zentrale Anschlags-Steuerungseinheit. Es ist eine Chiffre, ein weltweit verstreuter Überbau, der keine »Terrorzellen« mehr benötigt. Verirrte Einzeltäter, menschliche Projektile, tun es auch – irgendwann, irgendwo wird eines treffen. Darauf gibt es nur eine Antwort, die unsere Lebensweise nicht beschädigt: Ruhe bewahren.

Aber das darf keinesfalls Nichtstun bedeuten. Der Terror wird sich nicht von selbst erledigen, wenn er von uns ignoriert wird. Denn der Hass, der ihn anfacht, scheint unerschöpflich. Dagegen muss der Westen mit und in der islamischen Welt kämpfen – von dort stammt er, aus gescheiterten Staaten wie dem Jemen oder Somalia. Internationale Vernetzung ist im Anti-Terror-Kampf nötiger
denn je.

Damit ist auch ein weiterer Mythos hinfällig. Es geht nicht ohne polizeiliche und militärische Gewalt. Nach wie vor gilt das Credo des israelischen Anti-Terror-Helden Muki Betser: Man muss Terroristen damit beschäftigen, sich in Sicherheit zu bringen. Dann bleibt ihnen für Anschlagspläne keine Zeit.

Der Autor ist stellvertretender Leiter von www.ksta.de,
dem Internetauftritt des Kölner Stadtanzeigers.

Deutschland

Schoa-Überlebende und Antisemitismusbeauftragte rechnen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Maha El Hissy ab

Die Hintergründe

 09.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Zweite Anklage wegen Mordversuchs am Holocaust-Mahnmal

Khalaf A. habe mit dem bereits im März wegen des Mordversuchs verurteilten Wassim Al M. in Kontakt gestanden und diesen ermutigt, sein Vorhaben umzusetzen, hieß es

 09.09.2026

Verteidigung

Nach Deal über VW-Werk: Israelische Rüstungsunternehmen wollen noch mehr in Deutschland investieren

Rafael und Elbit wollen die deutsch-israelische Zusammenarbeit bei der Produktion von Abwehrraketen und anderem Militärgerät erheblich ausweiten. Covenant will in Sachsen Marschflugkörper produzieren

 09.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Iran

Kamran Hekmati in Teheran aus dem Gefängnis entlassen

Der 71-jährige iranisch-amerikanische Jude kommt nach einjähriger Haft wegen einer Reise nach Israel frei, darf das Land aber weiterhin nicht verlassen

 09.09.2026

Bundestag

Merz wirft AfD Pläne für »ethnische Säuberungen« vor

Wenige Tage nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt gibt sich Bundeskanzler Merz kämpferisch gegenüber der Partei. Bei der Generaldebatte im Bundestag wirft er ihr vor, mit ihren migrationspolitischen Positionen das Land zu spalten

 09.09.2026

Fußball

»Für Juden spielen wir nicht«

Beim Oberliga-Verein Tennis Borussia Berlin soll es zu antisemitischen Anfeindungen gegen den jüdischen Vorstandsvorsitzenden Ariel Gala gekommen sein – aus der eigenen Jugendabteilung

 09.09.2026

Max Privorozki

»Ich werde Halle nicht verlassen, solange wir in einer freien Gesellschaft leben«

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk spricht der Gemeindevorsitzende über Wahlergebnisse, Prognosen und die Aufgabe der Gesellschaft

 09.09.2026