Bayern

»Mein Kampf« wird erscheinen

Ludwig Spaenle (l.) und Horst Seehofer Foto: dpa

Der Freistaat Bayern wird nichts dagegen unternehmen, dass das renommierte Institut für Zeitgeschichte in München (IfZ) eine kritische Edition der Propagandaschrift Mein Kampf von Adolf Hitler vorbereitet. Gleichwohl lehnt es die Staatsregierung ab, eine solche Edition finanziell zu unterstützen und bleibt damit bei ihrem im Dezember 2013 mitgeteilten Beschluss, keine weiteren Gelder in das IfZ-Projekt zu stecken. Das hat Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch vor dem Hochschulausschuss des bayerischen Landtags klargestellt.

Im Dezember hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verkündet, der Freistaat könne »nicht einen NPD-Verbotsantrag stellen, und anschließend geben wir sogar noch unser Staatswappen her für die Verbreitung von Mein Kampf«. In einer Erklärung hatte die Staatsregierung angefügt: »Die Staatsregierung wird darauf hinwirken, dass Strafverfolgungsbehörden bei etwaigen Veröffentlichungen von Mein Kampf in Deutschland tätig werden und Strafverfahren einleiten.« Nun teilte Spaenle mit, dass dies nicht für die kritische Edition des IfZ gelte.

irritation Diese Ankündigung sorgte für Irritation. »Uns hat niemand mit einer Strafanzeige gedroht«, sagt Simone Paulmichl, die Sprecherin des IfZ, der Jüdischen Allgemeinen. Und sogar Horst Seehofer hatte im Dezember verkündet, dass »eine wissenschaftliche und historische Auseinandersetzung mit Mein Kampf« nicht unter den Begriff »Volksverhetzung« falle.

Entsprechend hatte das IfZ auch an seinen Plänen festgehalten, »in eigener Verantwortung« und »fristgerecht zum Ablauf der urheberrechtlichen Sperrfrist Ende 2015« eine wissenschaftlich-kritische Edition von Hitlers Schrift zu veröffentlichen. Dieses Projekt hatte das IfZ bereits im Jahr 2009 gestartet, erst 2012 beteiligte sich der Freistaat als Partner mit einer Summe von 500.000 Euro. Als der Freistaat Bayern Ende 2013 wieder ausstieg, wurde das Geld nicht zurückgefordert.

israel Was sich nach Spaenles Worten vom Mittwoch geändert hat, ist die Begründung für die Haltung der Staatsregierung. Hatte Seehofer bislang mit Blick auf das NPD-Verbotsverfahren argumentiert, sagte Spaenle nun, Seehofer sei im Jahr 2012 bei einer Israel-Reise von vielen Gesprächspartnern, darunter auch der israelische Staatspräsident Schimon Peres, darauf angesprochen worden, dass ein Verbot der Schrift nicht aufgehoben werden dürfe.

Daher verfolgt der Freistaat, dem die Urheberrechte an Mein Kampf gehören, die Linie, dass auch nach 2015, wenn die Rechte 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers frei werden, eine unbeschränkte Publikation in Deutschland verhindert wird. Theoretisch könnte sich zu diesem Zeitpunkt jeder Verlag des Manuskripts bemächtigen und es auf den Markt werfen. Bayern möchte dagegen aber juristisch vorgehen, weil es den Tatbestand der »Volksverhetzung« erfüllt.

Meinung

Endlich kehrt Ehrlichkeit in die Debatte über die UNRWA ein!

Der CDU-Antrag Antrag bringt auf den Punkt, was seit Jahren verdrängt wurde: Palästinensische Gewalt darf natürlich nicht als politisches Instrument akzeptiert werden

von Daniel Neumann  21.02.2026

Parteitag

»Die UNRWA ist nicht reformierbar«: CDU will Zahlungsstopp

Einmütig haben die Delegierten des CDU-Bundesparteitags in Stuttgart beschlossen, dass es künftig striktere Auflagen für deutsche Zuschüsse an die Palästinenser geben soll

von Michael Thaidigsmann  21.02.2026

Militär

Bundeswehr und IDF wollen enger zusammenarbeiten

Bei einem Besuch in Israel vereinbaren Vertreter der Bundeswehr eine engere Kooperation mit Israels Armee. Deutschland will dabei auch etwas über die Integration von Frauen ins Militär lernen

 20.02.2026

Stuttgart

Merz schließt AfD als Option kategorisch aus

In Teilen der CDU liebäugeln manche damit, ob nicht doch auch die AfD ein Partner werden könnte. Der Parteichef zieht eine deutliche rote Linie

 20.02.2026

Berlin

Auswärtiges Amt: Deutsche sollen Iran verlassen

Die Bundesregierung warnt Deutsche im Iran erneut vor einer möglichen Eskalation. Noch gebe es Ausreisemöglichkeiten zu Lande und mit Flugzeugen

 20.02.2026

Düsseldorf

Jetzt auch Wirbel um Jobs bei AfD-Abgeordneten in NRW

Minijobs für eine 85-Jährige und die Frau eines Lokalpolitikers: Jetzt geraten auch AfD-Abgeordnete in NRW in die Vetternwirtschafts-Debatte

 20.02.2026

»Mit eigener Stimme«

Braunschweig zeigt Ausstellung zum 75. Jubiläum des Zentralrates der Juden

1950 in Frankfurt gegründet, steht die jüdische Dachorganisation seit mehr als 75 Jahren für jüdisches Leben in Deutschland. Das Städtische Museum widmet ihm nun eine bundesweit einzigartige Schau

 20.02.2026

London

Starmer verweigert US-Zugriff auf britische Stützpunkte für möglichen Iran-Angriff

Die Nutzung des strategisch wichtigen Stützpunkts Diego Garcia ist Teil der US-Pläne für einen möglichen Angriff. Dieser darf jedoch nur mit Zustimmung der britischen Regierung genutzt werden

 20.02.2026

Kampala

50 Jahre nach Operation in Entebbe: Uganda baut Statue für Joni Netanjahu

Der ungandische Verteidungsminister Muhoozi Kainerugaba kündigt das Vorhaben an. Der Bruder des heutigen Ministerpräsidenten Netanjahu fiel bei der »Operation Thunderbolt« 1976 in Entebbe

von Imanuel Marcus  20.02.2026