Berlin

Mehrjährige Haftstrafen für Hamas-Mitglieder

Einer der Angeklagten im Kammergericht Foto: picture alliance/dpa/Reuters Pool

Das Kammergericht Berlin hat vier Männer als Mitglieder der islamistischen Hamas zu Haftstrafen von viereinhalb bis sechs Jahren verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts waren die 36- bis 58-Jährigen als sogenannte Auslandsoperateure für Waffendepots der Terrororganisation in mehreren europäischen Staaten zuständig, die für Anschläge genutzt werden sollten. Die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft hätten sich »zur vollen Überzeugung des Senats« bestätigt, sagte die Vorsitzende Richterin Doris Husch.

Als erstes Oberlandesgericht in Deutschland sei der Berliner Staatsschutzsenat mit der Frage befasst, ob es sich bei der Hamas um eine terroristische Vereinigung handelt, erklärte Husch. Mehr als ein Jahr nach Prozessbeginn zeigte das Gericht keine Zweifel daran, dass dies so ist. Es sprach die im Libanon gebürtigen Männer der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung für schuldig.

Damit haben sich aus Sicht des Gerichts die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft im Wesentlichen bestätigt. Die oberste Anklagebehörde Deutschlands hatte Haftstrafen zwischen fünf und sieben Jahren beantragt.

Polen, Bulgarien und Dänemark

Nach dem Urteil sollen die Männer für die Schaffung oder auch Auflösung von Waffendepots in Polen, Bulgarien und Dänemark zuständig gewesen sein. Die Hamas habe Vorbereitungen getroffen, um Anschläge auf israelische und jüdische Einrichtungen zu begehen, so Richterin Husch bei der Urteilsbegründung. Dafür habe die Terrororganisation bereits vor längerer Zeit Waffendepots in Europa angelegt

Die Bundesanwaltschaft sprach zu Prozessbeginn im Februar 2025 von einem Pilot-Verfahren. Erstmals in Deutschland seien Personen dem Anklagevorwurf ausgesetzt, sich als Mitglieder der ausländischen, terroristischen Vereinigung Hamas beteiligt zu haben, erklärte Bundesanwalt Jochen Weingarten.

Lesen Sie auch

Die Angeklagten bestreiten, Mitglieder der Hamas zu sein. Die Verteidiger dreier Männer plädierten jeweils auf Freispruch. Der Hauptangeklagte räumte im Prozess ein, das Waffenlager in Bulgarien aufgesucht zu haben. Nach seiner Schilderung ging es allerdings um »privaten Waffenhandel«.

Weitere Verdächtige in U-Haft

Das sei ein Fehler gewesen, so der 43-Jährige in seinem Schlusswort vor Gericht. Er bestritt jedoch vehement, als Mitglied der Hamas gehandelt zu haben. Sein Anwalt plädierte auf einen Schuldspruch wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und auf eine Strafe, die nicht über die Zeit hinausgeht, die sich sein Mandant bislang in Untersuchungshaft befand. Die Angeklagten wurden im Dezember 2023 festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Nach eigenen Angaben hatte die Bundesanwaltschaft kurze Zeit nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel vom Bundesamt für Verfassungsschutz einen Hinweis erhalten zu einer »konspirativen waffenbezogenen Operation der Hamas in Deutschland«. Daraufhin seien verdeckte Ermittlungen aufgenommen worden. Diese führten schließlich dazu, dass die vier im Libanon gebürtigen Beschuldigten festgenommen wurden.

In den vergangenen Monaten hat die Bundesanwaltschaft acht weitere Verdächtige im Zusammenhang mit mutmaßlicher Waffenbeschaffung für die Hamas festnehmen lassen. Die Waffen sollten nach Einschätzung der Ermittler für Mordanschläge auf israelische oder jüdische Einrichtungen in Deutschland und Europa dienen.

So hatte die Karlsruher Behörde Anfang Oktober 2025 drei mutmaßliche Hamas-Mitglieder in Berlin festnehmen lassen. Bis Ende des Jahres folgte eine Festnahme in London, eine an der deutsch-tschechischen und eine an der deutsch-dänischen Grenze. Im Januar war zuletzt ein Verdächtiger am Berliner Flughafen bei seiner Einreise aus Beirut festgenommen worden. dpa

TikTok

Antisemitismus per Algorithmus

Antisemitische Inhalte auf der Social-Media-Plattform treten häufig codiert auf. Reichweitenstarke Beiträge sind oft uneindeutig und werden erst im Kontext als antisemitisch erkannt

 13.05.2026

Meinung

Was Sachsen-Anhalt im Herbst droht

Nach den aktuellen Umfragen ist eine Alleinregierung für die AfD zum Greifen nah. Was das allein für die Erinnerungspolitik bedeuten würde, konnte man zuletzt an der Reaktion der Landespartei auf den 8. Mai beobachten

von Mascha Malburg  13.05.2026

Berlin

Ulf Poschardt gibt Herausgeber-Position bei »Welt« auf

Vom Herausgeber zum Autor: Der Journalist Ulf Poschardt wechselt seine Position beim Medien-Unternehmen Axel Springer

 13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

London

Sie »fischten« mit Geld nach Juden: Zwei Männer verurteilt

»Fishing for Jews« mit einer Angel, an der ein Geldschein hängt: Im Stadtteil Stamford Hill, in dem viele Charedim wohnen, werden die Verdächtigen von den Shomrim gestellt und später festgenommen

 13.05.2026

Teheran

Weitere Hinrichtung im Iran nach Spionagevorwürfen

Die iranische Justiz hat in den vergangenen Wochen viele Männer exekutieren lassen. Nun wird wieder ein Todesurteil vollstreckt

 13.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  13.05.2026

New York

Jüdische Gruppen planen Demonstration gegen »New York Times«

Die Organisatoren sprechen von »antizionistischen Verleumdungen«, für die das Blatt verantwortlich sei

 13.05.2026

Washington D.C./New York

Bericht: Iran hat weiterhin erhebliche Raketenkapazitäten

Neue Einschätzungen der US-Geheimdienste zeichnen ein deutlich anderes Bild der militärischen Lage Irans, als es die US-Regierung öffentlich vermittelt

 13.05.2026