Berlin

Mehr Hilferufe wegen Diskriminierung

Schild am Gebäude der Antidiskriminierungsstelle in Berlin Foto: dpa

Berlin

Mehr Hilferufe wegen Diskriminierung

Zunehmend berichten Menschen von Benachteiligung wegen ihres Aussehens, Geschlechts und der Religion

 09.06.2020 08:19 Uhr

Die Zahl der Menschen, die sich wegen rassistischer Diskriminierung an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gewandt haben, ist erneut gestiegen. Dem Jahresbericht der Stelle für 2019 zufolge gab es im vergangenen Jahr einen Anstieg von 1070 auf 1176 Fälle, in denen Betroffene von entsprechenden Diskriminierungserfahrungen berichteten und um Hilfe baten.

Dabei geht es beispielsweise um Benachteiligung bei der Wohnungssuche oder am Arbeitsplatz. Der Bericht wird an diesem Dienstag in Berlin vorgelegt. Vorab berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) darüber.

ARBEITSPLATZ Das Beratungsteam der Antidiskriminierungsstelle unterstützte demnach 2019 in insgesamt 3580 Fällen Menschen, die von Benachteiligung bei Alltagsgeschäften oder am Arbeitsplatz wegen ihres Aussehens, Geschlechts, der Religion oder anderer Faktoren berichteten. 2018 waren es 3455 Fälle.

Rund jeder dritte Diskriminierungsfall kam im vergangenen Jahr aus dem Bereich Rassismus. Die Zahlen haben sich hier seit 2015 mehr als verdoppelt. Danach folgten Beratungsanfragen wegen Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts (29 Prozent), wegen einer Behinderung, aufgrund des Alters, der Religion, der sexuellen Identität und der Weltanschauung.

Die Mitarbeiter der Stelle beraten Betroffene auf Basis des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes bei der Durchsetzung ihrer Rechte, holen Stellungnahmen der Gegenseite ein und vermitteln auch gütliche Einigungen.

Die Verdoppelung der Fallzahlen im Bereich Rassismus seit 2015 zeige ganz eindeutig, Deutschland tue nicht genug gegen Rassismus, sagte der Leiter der Antidiskriminierungsstelle Bernhard Franke dem RND.

»RACIAL PROFILING« In der »Welt« (Dienstag) sprach er auch das sogenannte Racial Profiling an – ein gezieltes Vorgehen nach ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit, etwa Kontrollen nach Aussehen und forderte in allen Bundesländern die Einrichtung von Ombudsstellen bei der Polizei für Opfer solcher Vorgänge. Sie würden deutlich häufiger gemeldet, wenn die Betroffenen eine gezielte Anlaufstelle dafür hätten. dpa

Kommentar

Der geplatzte Testballon von Halle

Die AfD wird weiterhin versuchen, sich als ganz normale Partei zu inszenieren, wenn es um jüdisches Leben geht. Ein Angriffsziel bleibt es trotzdem. Deswegen müssen wir achtsamer werden, wenn die Angriffe subtiler werden

von Igor Matviyets  13.10.2026

Sachsen-Anhalt

CDU-Fraktion will bei Ministerpräsidenten-Wahl den Saal verlassen

Kamen Stimmen für die Wahl des AfD-Landtagspräsidenten aus den Reihen der CDU? Für die nächste wichtige Wahl im Dezember will die Fraktion vorbauen und nimmt einen ungewöhnlichen Weg

 13.10.2026

120. Geburtstag

Philosoph Bormuth: Die Gedanken von Hannah Arendt geben Orientierung

Das Werk der Philosophin Hannah Arendt bietet nach Ansicht des Oldenburger Wissenschaftlers Matthias Bormuth Orientierung in polarisierten Zeiten. Ihr Plädoyer für eigenes Denken und streitbaren Austausch sei heute hochaktuell

 13.10.2026

New York

Die US-Linke ist besessen von Palästina – nun frisst die Revolution ihre eigenen Kinder

Zohran Mamdanis Aufstieg hat in der Demokratischen Partei einen Linksruck ausgelöst. Längst ist der Bürgermeister der US-Metropole mit seiner zweifelhaften Anti-Israel-Rhetorik zur Ikone der Palästina-Bewegung in Amerika geworden. Nun wird er Teilen des eigenen Lagers zu weich

von Jan Klauth  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026

Großbritannien

Premier Burnham: Iran steckt hinter geplantem Angriff auf US-Militärbasis

Mehrere Männer werden verdächtigt, einen Anschlag auf einen Militärstützpunkt in Großbritannien geplant zu haben. Nun sagt der britische Premier: Das waren die iranischen Revolutionsgarden

 13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026