Interview

»Man stößt an Grenzen«

Dunja Hayali Foto: zdf

Interview

»Man stößt an Grenzen«

Dunja Hayali über ein Schulprogramm, Rechtsextremismus und mediale Verantwortung

von Katrin Richter  21.05.2012 18:39 Uhr

Frau Hayali, für die Initiative »Gesicht Zeigen!« sprechen Sie mit Schülern über mediale Verantwortung im Umgang mit dem Thema Rechtsextremismus. Wie nehmen die Jugendlichen dieses Angebot an?
Unterschiedlich, je nach Alter, Schule und eigenen Erfahrungen mit Rechtsextremismus. Schwierig wird es, wenn die jungen Leute keine Zeitung lesen oder sich nur Informationen aus dem Netz holen. Die Kritik an Medien in Bezug auf dieses Thema schlummert bei den meisten im Unterbewusstsein, nach ein paar Hinweisen oder Denkanstößen entsteht aber meist eine muntere, offene und erkenntnisreiche Diskussion.

Wie ist das Feedback?
Bis jetzt war es immer so, dass die jungen Leute interessiert und dankbar für einen Austausch waren. Und ich auch. Es sind Gespräche auf Augenhöhe, die das gegenseitige Verständnis ausweiten. Und die eine oder andere Geschichte aus dem Nähkästchen erhöht sicherlich das Interesse.

Welche Verantwortung haben Medien speziell bei der Berichterstattung über Rechtsextremismus?
Wie bei Linksextremismus, der Griechenland-Krise oder dem Bürgerkrieg in Syrien immer eine hohe.

Wie bewerten Sie den medialen Umgang mit dem Thema?
Ambivalent. Wenn etwas passiert, dann kommt es natürlich in den Nachrichten vor. Insgesamt muss man aber sagen, dass es nicht einfach ist, aus diesem und über dieses Milieu zu informieren. Und wenn man den Rechten eine Plattform gibt, nutzen sie sie für die Verbreitung ihrer Parolen. Der Journalist oder Moderator einer Nachrichtensendung ist aber nicht dazu da, alles geradezurücken. Manchmal stößt man da innerlich an seine Grenzen.

Sollte man Rechtsextremisten zu Diskussionsrunden ins Fernsehen einladen?
Das ist eine Gretchenfrage. In Deutschland gibt es die Meinungs- und Pressefreiheit, hohe Werte, die ich schätze und zu schützen versuche. Aber bei dem Thema liegt mir natürlich auch ein Nein auf der Zunge. Wenn es gelingen würde, in der zeitlichen Kürze von Diskussionsrunden die widerlichen Thesen und Parolen der Rechten sachlich zu widerlegen, dann ja, aber das ist schwierig.

Was nützen die unzähligen Dokus über die Zeit des Nationalsozialismus, die im Fernsehen laufen?
Es ist ein Angebot, und wen es stört, dem kann ich nur sagen: Jeder hat die Macht über seine Fernbedienung. Eines ist aber klar: Wir dürfen über der Vergangenheit nicht Gegenwart und Zukunft vergessen. In Gesprächen mit Jugendlichen höre ich immer wieder: Wir wissen, was passiert ist, aber wir müssen das nicht jedes Jahr in der Schule behandeln. Die Welt dreht sich weiter, und in der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen spielen andere Themen eine Rolle.

Mit der Fernsehjournalistin sprach Katrin Richter.

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Berlin

Diskriminierung wegen falscher Hummus-Aussprache?

Im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ein arabisches Restaurant einen israelischen Gast wegen der vermeintlich falschen Aussprache des Kichererbsengerichts nicht bedient haben. Das Lokal widerspricht dem Vorwurf

 20.08.2026

USA

Amerikas nächster Präsident?

Rahm Emanuel gilt als Hoffnungsträger der Demokraten und steht für einen Kurs der Mitte – sowohl in innenpolitischen Fragen als auch im Verhältnis zu Israel. Eine Annäherung

von Joshua Schultheis  20.08.2026

München

Knobloch in Zeiten von Judenhass: »Ich habe mich getäuscht«

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden spricht offen über ihre Enttäuschung: Warum die Reaktion auf das Hamas-Massaker ihr nicht genügt und der Judenhass sie tief erschüttert

 20.08.2026

Florida

Nach antisemitischen Angriffen: »Hebräischer Hammer« gewinnt Vorwahl

Der jüdische Abgeordnete Randy Fine, ein republikanischer Israel-Unterstützer, setzt sich gegen den Antisemiten Dan Bilzerian durch

 20.08.2026

Berlin

Medienbericht: Andreas Franck will nicht Antisemitismusbeauftragter werden

Das Bundesinnenministerium wollte die Absage Francks auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren

 20.08.2026

Mar del Plata

Argentinien entlässt Bundesrichter wegen antisemitischer Äußerungen

Der Justizrat sieht einen schweren Verstoß gegen die für Richter geltenden Anforderungen an Anstand und Unparteilichkeit

 20.08.2026

München

Brandanschlag auf jüdisches Gemeindezentrum: Hinweise auf deutschen Täter verdichten sich

56 Jahre nach dem tödlichen Anschlag in der Reichenbachstraße 27 legen die Ermittler einen neuen Erkenntnisstand vor

 20.08.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt AfD-geführte Regierung im Osten ab

Die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei kann bei den Landtagswahlen im Osten mit hohen Stimmanteilen rechnen. Die Möglichkeit, dass sie im Anschluss einen Ministerpräsidenten stellen könnte, stößt überwiegend auf Ablehnung

 20.08.2026