Kampf gegen Terror

»Man kann den IS besiegen«

Yoram Schweitzer Foto: Katharina Schmidt-Hirschfelder

Kampf gegen Terror

»Man kann den IS besiegen«

Yoram Schweitzer über islamistische Gruppen und westliche Geheimdienste

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  16.11.2015 19:37 Uhr

Herr Schweitzer, sind Sie von Zeitpunkt und Ausmaß der Pariser Attacken überrascht?
Nichts deutete darauf hin, dass diese Angriffe gerade jetzt stattfinden würden. Aber die Tatsache, dass Frankreich und andere Metropolen im Visier des IS stehen, überrascht keineswegs. Ein Terroranschlag war nahezu unvermeidlich, gewissermaßen eine »erwartbare Überraschung«. Es war lediglich eine Frage der Zeit, wann der IS hier zuschlagen würde.

Hat Präsident François Hollande recht, wenn er von einem Krieg spricht?
Es ist ein Krieg – diese Art von Terrorismus verdient keine andere Bezeichnung. Und diesen Krieg können wir nur gewinnen, wenn wir, die demokratische, freiheitsliebende Weltgemeinschaft, unsere Kräfte und Maßnahmen der Gegenseite anpassen. Es wird dabei wahrscheinlich weniger auf Panzer und Bodentruppen hinauslaufen, als vielmehr auf gezielte Operationen, gemeinsame Angriffe der Bündnispartner und eine verstärkte Zusammenarbeit mit Einheimischen in Syrien und im Irak.

Worauf kommt es darüber hinaus an?

Wichtig ist es, den IS zu infiltrieren und – das halte ich für entscheidend – bereits indoktrinierten oder gefährdeten Sympathisanten mit Gegenargumenten die Augen zu öffnen. Die zunehmende Zahl an potenziellen IS-Rekruten erfordert eine qualifizierte Überwachung – man muss also Personal aufstocken, wie es der BND bereits angekündigt hat. Derartige Schritte hätte man bereits vor zwei Jahren unternehmen sollen. Schon die ganze Zeit über gab es Informationen darüber, wie viele der radikalisierten Syrien-Rückkehrer desillusionierte junge Muslime mit britischen, französischen oder deutschen Pässen sind. Doch besser spät als nie. Paris war ein Weckruf.

Ist der Krieg zu gewinnen?
Man darf weder den Fehler machen, die Macht des IS zu überschätzen, noch die Kompetenz der europäischen Geheimdienste zu unterschätzen. Im Gegenteil: Man muss nüchtern und klar bleiben, trotz der Bedrohung. Das zeigt die Erfahrung. Nach den Anschlägen vom 11. September war die Welt dem Terror von Al Qaida ausgesetzt – doch westliche Sicherheitsbehörden haben es geschafft, diese Herausforderung zu meistern.

Wird es diesmal auch gelingen?
Die Geheimdienste können die effizienten und wertvollen Erfahrungen der vergangenen Jahre nutzen, um geplante Anschläge zu verhindern. Der Kampf gegen die islamistischen Terroristen ist unausweichlich. Es ist notwendig, den IS und seine Ideen zu besiegen. Und es ist zu schaffen. Man darf nur keine Angst schüren – das würde Rechtspopulisten wie Islamisten in die Hände spielen.

Sind jetzt jüdische Einrichtungen besonders gefährdet?
Für gewöhnlich fügen die Islamisten der Liste an Anschlagszielen jüdische Ziele hinzu, weil sie damit Zustimmung unter potenziellen Sympathisanten hervorrufen. Diese Ziele sind in ihren Augen maßgeblich legitim, aber nicht ihr Hauptaugenmerk.

Mit dem israelischen Terrorismusexperten sprach Katharina Schmidt-Hirschfelder.

Standpunkt

Die Militäroperation gegen das Mullah-Regime ist die Chance für den Nahen und Mittleren Osten

Ein Gastbeitrag von Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU) und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses

von Roderich Kiesewetter  31.03.2026

Peking

Pakistan und China stellen Forderungen für Frieden im Nahen Osten vor

Pakistan bemüht sich um Vermittlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Jetzt stellen Pakistan und China gemeinsame Forderungen vor

 31.03.2026

München

Der Grüne, das Rathaus und die jüdische Gemeinschaft

Dominik Krause wird der nächste Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt. Der 35-Jährige ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und geht entschlossen gegen Antisemitismus vor. Ein Porträt

von Chris Schinke  31.03.2026

Analyse

Ist das wirklich nicht unser Krieg?

Ein atomar bewaffneter Iran wäre nicht nur ein Albtraum für Israel, sondern auch eine reale Bedrohung für Europa

von Roman Haller  31.03.2026

Berlin

Doppelt so viele Schülerfahrten zu NS-Gedenkstätten möglich

Mehr als 80 Jahre nach dem Holocaust versuchen junge Leute, die Gräuel der deutschen Geschichte zu verstehen. Ein Besuch an authentischen Orten kann dazu beitragen. Zwei private Spender geben Geld

 31.03.2026

Weimar

Gedenkstätte Buchenwald sieht sich politisch instrumentalisiert

Warum die Gedenkstätte Buchenwald Schauplatz kontroverser Debatten ist – und wie sie damit umgeht

 31.03.2026

Kino Babylon

Ein Publikum wie eine Sekte: So war Francesca Albaneses Auftritt in Berlin

»Nazi«-Rufe, Verschwörungsglaube und Massenpsychose: Unser Gastautor ist entsetzt von dem, was er auf der Veranstaltung mit der UN-Sonderberichterstatterin für Palästina erlebt hat. Ein Erfahrungsbericht

von Wolf J. Reuter  31.03.2026

Berlin

Beschwerde gegen Deutsche Welle: Jüdischer Journalistenverband sieht Defizite in Berichterstattung

Nach Darstellung des JJJ fehlt es in mehreren Beiträgen an journalistischer Sorgfalt. Teilweise seien Tendenzen erkennbar, die als israelfeindlich oder sogar antisemitisch bewertet werden könnten

 31.03.2026

West Bloomfield

FBI: Anschlag auf Synagoge in Michigan war von Hisbollah inspiriert

Nach Angaben der Behörden hatte sich der Mann seit Anfang des Jahres zunehmend mit Pro-Hisbollah-Inhalten im Internet beschäftigt

 31.03.2026