Ghettorenten

Lücke geschlossen

Juden im Ghetto Warschau während der deutschen Besetzung Polens (1939–1945) Foto: dpa

Im neuen Warschauer Museum der Geschichte der polnischen Juden unterzeichneten am vergangenen Freitag Vertreter der Bundesregierung und der Republik Polen einen längst überfälligen Vertrag. Sein holpriger Titel lautet: »Abkommen zum Export besonderer Leistungen für berechtigte Personen, die im Hoheitsgebiet der Republik Polen wohnhaft sind«.

Wenn das Gesetz, mit dem das Abkommen umgesetzt werden soll, beschlossen ist, werden ab dem Sommer 2015 endlich auch die in Polen lebenden ehemaligen Arbeiter in nationalsozialistischen Ghettos die ihnen zustehende Rente erhalten. Der politische Wille dazu war bereits im Juni 2014 verkündet worden, die Aushandlung des Abkommens hat aber weitere Monate gedauert.

Im Jahr 2000 hatte die polnische »Vereinigung der Jüdischen Kombattanten und Geschädigten des Zweiten Weltkriegs« einen entsprechenden Antrag gestellt: Damals lebten noch 860 Berechtigte. Als das Bundessozialgericht im Jahr 2009 entschied, dass ihr Anspruch prinzipiell berechtigt ist, lebten noch 250 ehemalige Ghettoarbeiter. Wie viele im Sommer endlich das ihnen zustehende Geld erhalten werden, ist unklar, vermutlich sind es deutlich weniger.

zentralrat Entsprechend zwiespältig fallen die Reaktionen von Verbänden und Politikern aus, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt hatten. Für den Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte dessen Präsident Josef Schuster das Abkommen, da nun »die Menschen in unserem Nachbarland nicht leer ausgehen, obwohl sie gleiche Ansprüche haben«. Gleichwohl kritisierte Schuster, dass »für viel zu viele Menschen die Zahlungen leider zu spät kommen, weil der politische Wille zur Umsetzung gefehlt hatte«.

Der Zentralrat wie auch die Claims Conference hatten seit Jahren für die Interessen der ehemaligen Ghettoarbeiter gekämpft. Eine Regelung für Berechtigte, die in Deutschland und in Israel leben, war erst im Frühjahr 2014 auf Initiative von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zustande gekommen.

Gängelung Verhaltenes Lob für den Vertrag kommt auch vom Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte. »Es ist gut, dass es überhaupt so weit gekommen ist«, erklärt dessen Sprecher Jost Rebentisch. »Schlimm ist, dass es so lange gedauert hat, denn Tausende Berechtigte haben es nicht erleben dürfen.«

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne), der im März 2013 gemeinsam mit der SPD und den Linken versucht hatte, die sofortige Auszahlung zu erreichen und an der damaligen Bundestagsmehrheit von CDU/CSU und FDP gescheitert war, sagte, er sei »froh und dankbar, dass diese Lücke bei den Ghettorenten geschlossen wurde«. Nun müsste den Menschen weitere bürokratische Gängelung erspart werden. »Es wurde lange genug auf Zeit gespielt.«

Meinungsfreiheit

Wenn Juden plötzlich Nazis sein sollen

Ein Gericht erklärt die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern für zulässig. Kritiker sind irritiert

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Hamburg

Haftbefehl gegen AfD-Politiker wegen offener Böhmermann-Kosten

Maximilian Krah bezeichnete den Satiriker als »einen Widerling« und erklärte, er zahle deshalb »nur widerwillig«

 13.08.2026

Hamburg

Gericht erklärt Kritik an Claim für zulässig: Journalist darf NGO »unsaubere« Zahlen vorwerfen

Der Investigativjournalist Sascha Adamek darf der Organisation vorwerfen, bei der Erfassung antimuslimischer Vorfälle mit »unsauber« erhobenen Zahlen gearbeitet zu haben. Die Hintergründe

 13.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Los Angeles

Nick Reiner wegen Mordes an seinen Eltern angeklagt

Das Motiv für die Ermordung des bekannten Hollywood-Regisseurs Rob Reiner und dessen Frau Michele bleibt unklar. Welche Strafe kommt bei einer Verurteilung infrage?

 13.08.2026

Washington D.C.

Medien: CIA zweifelte an iranischer Bedrohung für Trump

Trump wechselt auf dem Heimweg vom Nato-Gipfel versteckt in einem Catering-Container den Flieger. Der einem Politthriller gleichende Vorgang schlägt international Wellen. Nun gibt es neue Informationen

 13.08.2026

Nahost

Geplante Gebühr für Straße von Hormus: Iran verweist auf Umweltschäden

Für den Iran ein Muss, für die USA ein rotes Tuch: Das Mullah-Regime will für die Passage der Straße von Hormus künftig eine Gebühr erheben. Zur Begründung führt es auch Umweltschäden an

 13.08.2026

Rom

»Jagd auf Juden«: Jüdische Organisationen verurteilen Doppel-Angriff auf Tourist mit Kippa

Einer von mehreren mutmaßlichen Tätern ist gefasst. Jüdische Organisationen in Italien zeigen Solidarität mit dem Opfer

 13.08.2026