USA

Liebeswerben um die Juden

Kraftvolle Rhetorik: Rick Perry Foto: dpa

Wahlkampf in Amerika: Alle potenziellen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, von Rick Perry bis Michele Bachmann, bemühen sich um jüdische Stimmen, aber auch um Spender. Fast alle: Ron Paul, der libertäre Kongressabgeordnete aus Texas, vertritt isolationistische Interessen – er will die finanzielle Hilfe für Israel einstellen.

godfather Wer bei den Republikanern das Rennen macht, entscheidet sich erst in ein paar Monaten, aber bereits jetzt überbieten sich die Kandidaten darin, Israel zu unterstützen. Am verbalradikalsten ist Herman Cain, der frühere Chef der Kette »Godfather’s Pizza« und Chairman der Federal Reserve von Kansas. »Wer sich mit Israel anlegt, legt sich mit den Vereinigten Staaten an«, versicherte der Kandidat, der auch schon nach Israel reiste, mehrmals.

Cain sagte zudem, er werde als Präsident den Bau von Moscheen verbieten und keinen Muslim anstellen – ein klarer Verstoß gegen die Verfassung. Als er dafür kritisiert wurde, ruderte er zurück: Er habe gemeint, er werde keine radikalen Islamisten einstellen; als er die umstrittenen Sätze äußerte, habe er nicht gewusst, dass es auch friedliche Muslime gebe.

Auch Michele Bachmann, die Kongressabgeordnete für Minnesota, die den religiösen Rechten zugerechnet wird, stellt sich klar hinter Israel. Die Politikerin, die in ihrer Jugend ein paar Monate in einem Kibbuz verbracht hat, kritisierte Präsident Obama, weil er von Israel fordere, es solle das besetzte Westjordanland aufgeben. Sie sagte, Amerika und Israel hätten die gemeinsame Mission, ein Licht für andere Nationen zu sein.

Rick Perry wiederum, der Gouverneur von Texas, reiste eigens zur UN-Generalversammlung im September nach New York, um sich mit dem israelischen Botschafter und anderen Offiziellen zu treffen. Wenn Mahmud Abbas einen Staat fordere, sagte Perry, solle Benjamin Netanjahu einfach das Westjordanland annektieren und zum Staatsgebiet von Israel erklären. Er will auch als Präsident die US-Botschaft nach Jerusalem umziehen lassen – bislang sind alle Botschaften in Tel Aviv.

propheten Perry hat viele Unterstützer unter evangelikalen Endzeitpropheten, die sich an die Seite Israels stellen. Sie glauben, dass der Antichrist auf die Erde zurückkehrt, dass dann auf israelischem Boden Armageddon stattfindet und dass die Gläubigen in den Himmel und die Ungläubigen, auch die Juden, zur Hölle fahren. Der wichtigste Perry-Unterstützer aus diesen Kreisen ist John Hagee, der Pastor der Cornerstone Church in San Antonio, Texas, der für Israel betet und dessen Gemeinde Geld sammelt. Evangelikale fahren auch gerne nach Israel, um dort die Heiligen Stätten zu besuchen.

Aber Obama hofft ebenfalls auf jüdische Unterstützung, und auch er hat sich bei der Debatte um einen Palästinenserstaat hinter Netanjahu gestellt. Er hat zudem seinen Vize Joe Biden beauftragt, bei jüdischen Organisationen zu werben. Biden erinnerte im »Wall Street Journal« bereits daran, dass die Obama-Verwaltung nicht nur jedes Jahr drei Milliarden Dollar nach Israel sende, sondern auch 205 Millionen Dollar für eine Raketenabwehr an der Grenze zum Gazastreifen gegeben habe.

florida Generell stimmen amerikanische Juden traditionell eher für die Demokraten als für die Republikaner. Das gilt auch für Obama, den laut einer Gallup-Umfrage fast 80 Prozent der amerikanischen Juden gewählt haben. Heute aber ist die Zustimmung für ihn nach Gallup auf 54 Prozent, nach einer Umfrage des American Jewish Committee sogar auf 45 Prozent gesunken. Das ist weniger, als jeder Demokrat seit Jimmy Carter und Woodrow Wilson hatte.

Zwar stellen Juden nur drei Prozent der Wähler, aber sie können in Staaten mit ungewissem Wahlausgang und einer hohen jüdischen Bevölkerung das Zünglein an der Waage sein, wie etwa in Florida.

Trotz aller Kritik hat auch Obama einen prominenten jüdischen Fürsprecher gefunden: Ed Koch, der frühere New Yorker Bürgermeister. Der Demokrat, der schon George W. Bush unterstützt hatte, findet seit Neuestem Gefallen an Obama – nachdem der Präsident und die First Lady ihn zu einem Empfang zu Ehren der Vereinten Nationen eingeladen haben. Koch ist sicher, dass Perry keine Chancen bei jüdischen Wählern hat. »Juden würden nie für jemanden stimmen, der nicht an Evolution glaubt.«

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