Ukraine-Krieg

Lawrow vergleicht Russlandpolitik des Westens mit dem Holocaust

Lawrow stellte bei einer Pressekonferenz in Moskau erneut abwegige Thesen auf Foto: IMAGO/ITAR-TASS

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sorgt erneut mit einem äußerst problematischen Vergleich zur NS-Zeit und zum Holocaust für Schlagzeilen: Am Mittwoch behauptete Lawrow bei einer Pressekonferenz in Moskau, der Westen verfolge gegenüber Russland eine Politik, die mit der Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts und der Hitlers im Zweiten Weltkrieg vergleichbar sei. Angeführt werde die angebliche antirussische Koalition heute von den USA.

»So wie Napoleon praktisch ganz Europa gegen das Russische Reich mobilisierte, so wie Hitler die Mehrheit der europäischen Länder mobilisierte und gefangen nahm und sie gegen die Sowjetunion schickte, so haben jetzt die Vereinigten Staaten eine Koalition organisiert.«

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Während Hitler die »Endlösung der Judenfrage« gewollt und betrieben habe, wolle der Westen sein Land nun in eine Niederlage zwingen, behauptete Lawrow. Es gehe nun um die »Endlösung der russischen Frage«.

»Stellvertretend durch die Ukraine« werde gegen Russland Krieg geführt, behauptete der 72-Jährige. Er habe nicht gesehen, dass der Westen bislang »ernsthafte Vorschläge« zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine unterbreitet hätte. Moskau sei aber bereit, auf ernsthafte Vorschläge zu reagieren.

Am 24. Februar 2022 hatten russischen Truppen eine massive Militäroperation gegen die Ukraine gestartet. Die vom Kreml damals angegebenen Kriegsgründe seien »nicht aus der Luft gegriffen« gewesen, erklärte Lawrow nun.

REAKTIONEN Scharfe Kritik an Lawrow kam vom luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn. Dass sein Amtskollege das Wort »Endlösung« verwende, das von zivilisierten Menschen im Zusammenhang mit der Schoa gesehen werde, sei »eine Schande für Russland«, erklärte Asselborn.

»In Lawrows Mund wird der Begriff zynisch und taktlos von der ‚Judenfrage‘ auf eine gar nicht existierende ‚russische Frage‘ übertragen. Dieser Lawrow ist seit 2004 russischer Außenminister. Er sitzt jetzt 19 Jahren als Vertreter eines ständigen Mitglieds des UN-Sicherheitsrats an jenem Tisch, den sich die internationale Gemeinschaft 1945 mit der UN-Charta gegeben hat, um weltweit Frieden, Sicherheit und Abrüstung – also internationale Zusammenarbeit – zu fördern. Die Worte Lawrows sind eine Schande für Russland«, sagte Asselborn gegenüber dieser Zeitung.

Auch der Europäische Jüdische Kongress (EJC) übte scharfe Kritik. »Wir sind schockiert und entsetzt über diesen beschämenden Vergleich zwischen den Aktionen einer Koalition demokratischer Länder und Hitlers Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Juden während der Schoa«, sagte EJC-Präsident Ariel Muzicant in einer Pressemitteilung. »Dies ist eine Holocaust-Verzerrung auf unterster Ebene, und wir fordern Herrn Lawrow auf, sich unmissverständlich zu entschuldigen und diese Kommentare zurückzuziehen.«

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Schon im Mai vergangenen Jahres hatte der russische Außenminister im italienischen Fernsehen behauptet, Adolf Hitler habe »jüdisches Blut« gehabt. Daher sei es auch kein Widerspruch, dass die Ukraine einen jüdischen Präsidenten habe (Wolodymyr Selenskyj) und es dort trotzdem »Nazi-Elemente« gebe. Letztere hat Moskau wiederholt als Grund für seinen Einmarsch in das Nachbarland angewandt.

Die Begründung für die russische Militärinvasion in der Ukraine – die angebliche »Entnazifizierung« des Landes – sei deshalb trotzdem glaubhaft, so Lawrow. »Einige der schlimmsten Antisemiten« seien Juden, behauptete er. Selenskyj habe die Macht, den Krieg zu beenden, wenn er »aufhöre, seinen Nazi-Truppen kriminelle Befehle zu erteilen«, so der Außenminister damals.

Damit löste Lawrow weltweit Empörung aus. Angeblich musste sich Russlands Staatschef Wladimir Putin sogar in einem Telefonat gegenüber dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett für die Aussage entschuldigen. mth

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