Der ehemalige Ministerpräsident des Saarlandes Oskar Lafontaine hat mit einem Facebook-Beitrag einen Tag vor dem Holocaust-Gedenktag heftige Kritik ausgelöst. Am Montag schrieb der Politiker, der Mitglied in dem nach seiner Ehefrau benannten »Bündnis Sahra Wagenknecht« (BSW) ist, in dem sozialen Netzwerk: »Der Russenhass ist ebenso verwerflich wie der Antisemitismus.« Der Saarländische Rundfunk (SR) berichtete zuerst darüber.
Lafontaine führte in dem Beitrag aus, dass die Nationalsozialisten nicht nur sechs Millionen Juden, sondern auch 25 Millionen Bürger der Sowjetunion umgebracht hätten. »So richtig es ist, niemals Waffen zu liefern, mit denen wieder Juden ermordet werden können, so geschichtsvergessen und skrupellos ist es, Waffen zu liefern, mit denen wieder Russen ermordet werden«, schreibt der 82-Jährige in Anspielung an deutsche Waffenlieferungen an die von Russland überfallene Ukraine.
Er fährt fort: »Der Höhepunkt der moralischen Verwahrlosung der deutschen Politik ist es, Israel Waffen zu liefern und dadurch den Völkermord an den Palästinensern zu unterstützen.« Lafontaine meint damit offenbar den Krieg in Gaza, der am 7. Oktober 2023 von der Terrororganisation Hamas mit Massakern im Süden Israels begonnen wurde. In den darauffolgenden Kämpfen wurden weite Teile Gazas zerstört. Seit Oktober 2025 herrscht ein Waffenstillstand.
Lafontaine veröffentlichte den Beitrag auch im Namen des BSW. Die Partei stellte sich auf Nachfrage des SR hinter die Aussagen ihres Mitglieds. Andere Parteien reagierten dagegen empört.
Raphael Schäfer, der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU, sagte: »Wer einen solchen Vergleich am heutigen Tag macht, der sucht nach medialer Aufmerksamkeit. Wir alle wissen, wo sozusagen das BSW sich aktuell befindet, nämlich im freien Flug nach unten. Das heißt, Herr Lafontaine missbraucht den heutigen Tag, um mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen. Und das ist in ganz scharfen Worten zurückzuweisen.«
Antisemitismusbeauftragter nennt Aussage »völlig inakzeptabel«
Ulrich Commerçon, Fraktionsvorsitzender der SPD im saarländischen Landesparlament, erklärte: »Herr Lafontaine möchte, dass an dem Tag der Befreiung von Auschwitz über ihn geredet, anstatt der Opfer gedacht wird? Das mache ich nicht mit«, so der Sozialdemokrat, dessen Partei auch Lafontaine lange angehört hatte. »Ich erlebe in Deutschland in der demokratischen Mitte keinen Russenhass, keinen Hass auf andere Völker. Ich erlebe, dass die Taten von Putin verabscheut werden.«
Der saarländische Antisemitismusbeauftragte Roland Rixecker sagte laut SR am Dienstag am Rande einer Gedenkveranstaltung, dass Lafontaines Aussage, Russenhass sei so schlimm wie Antisemitismus, »völlig inakzeptabel« sei. »Vor allem im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt am Abend vor dem Holocaust-Gedenktag ist es nur beschämend und peinlich«, so Rixecker.
Lafontaine wies gegenüber dem SR die Kritik an ihm zurück. »Es geht nicht ums Gleichsetzen, es geht darum, dass wir auf der einen Seite gegenüber Israel verpflichtet sind, weil sechs Millionen Juden ermordet worden sind. Wir sind aber auch gegenüber Russland verpflichtet, weil zwölf Millionen Russen ermordet worden sind«, sagte der BSW-Politiker. ja