Bildung

»Wir müssen gemeinsam Haltung zeigen«

Foto: imago

Der Zentralrat der Juden in Deutschland, die Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten und die Kultusministerkonferenz haben eine gemeinsame Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule verabschiedet.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

In der Videokonferenz am Donnerstag zugeschaltet waren der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und die Vorsitzenden der Bund-Länder-Kommission, Felix Klein und Samuel Salzborn, sowie der bayerische Staatsminister und Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle, der seinerzeit die Erarbeitung der Empfehlung angeregt hatte.

SCHLÜSSELROLLE »Die Schulen spielen im Kampf gegen den Antisemitismus eine Schlüsselrolle. Daher sind unsere Anforderungen und Erwartungen an die Lehrkräfte hoch. Doch wir wollen sie damit nicht alleine lassen«, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster. »Ich freue mich sehr, dass wir ihnen mit diesen gemeinsam erarbeiteten, fundierten Empfehlungen eine Leitlinie an die Hand geben können.«

»Es liegt noch ein langer Weg vor uns. Doch heute sind wir einen entscheidenden Schritt vorangekommen.«

Zentralratspräsident Josef Schuster

Lehrkräfte müssten selbst gewappnet werden gegen Antisemitismus und brauchen viel Expertise, um bei den Schülerinnen und Schülern gegen Judenhass vorgehen zu können, so Schuster weiter. »Das muss schon in der Lehrerausbildung an den Hochschulen angelegt werden. Es liegt noch ein langer Weg vor uns. Doch heute sind wir einen entscheidenden Schritt vorangekommen.«

HILFE In der Empfehlung, die der Jüdischen Allgemeinen vorliegt, sind unter anderem Hilfestellungen für Lehrkräfte enthalten. So werden Unterschiede zwischen politischem, sozialem, religiösem und rassistischem Antisemitismus erklärt. Empfohlen wird in dem Papier auch, dass neben der zwingend nötigen Thematisierung des Holocaust im Geschichtsunterricht »das Judentum im Unterricht nicht auf die Themen der Verfolgung und Schoa sowie die Opfer-Perspektive reduziert wird«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Schülerinnen und Schülern sollten demnach Begegnungen mit Jüdinnen und Juden ermöglicht werden, etwa über Austauschprogramme und Partnerschaften mit Schulen in Israel.

VERMITTLUNG In der Lehrerbildung wird zudem eine intensivere Vermittlung von Kenntnissen zu Antisemitismus, Judentum und jüdischer Geschichte und Gegenwart gefordert. Antisemitische Äußerungen und Vorfälle müssten an Schulen als solche benannt werden und dürften nicht bagatellisiert, relativiert, verschwiegen oder ignoriert werden, heißt es in der Empfehlung außerdem.

https://twitter.com/ProfSalzborn/status/1403272460502437888

Felix Klein sagte anlässlich der gemeinsamen Erklärung: »In der Schule wird häufig das Thema Judentum erst im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus vermittelt; dabei hat das Judentum in Deutschland eine 1700-jährige Geschichte. Ich würde es begrüßen, wenn diese Tatsache in der Schule eine größere Rolle spielt und neben dem Thema Holocaust auch Aspekte des jüdischen Lebens verstärkt im Unterricht vermittelt werden.«

Darüber hinaus sei es in Zeiten, in denen auf deutschen Schulhöfen ‚Du Jude‘ als Schimpfwort verwendet wird, nötiger denn je, deutlich zu machen, dass Antisemitismus in der Gesellschaft keinen Platz hat. »Ich bin zuversichtlich, dass die heute unterzeichneten Empfehlungen ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Antisemitismus darstellt«, betonte Klein.

»In Zeiten, in denen auf deutschen Schulhöfen ‚Du Jude‘ als Schimpfwort verwendet wird, ist es nötiger denn je, deutlich zu machen, dass Antisemitismus in der Gesellschaft keinen Platz hat.«

Samuel Salzborn ergänzte: »Die Schule ist und bleibt neben der Familie die zentrale Sozialisationsagentur der bundesdeutschen Gesellschaft und sie muss sich ihrer Schlüsselverantwortung für die Bekämpfung von Antisemitismus stellen. Insofern ist es enorm wichtig, sich der schulischen Verantwortung auf allen Ebenen bewusst zu werden und die schulische Arbeit gegen Antisemitismus als eine der Schlüsselherausforderungen für Schule und Gesellschaft zu begreifen.«

Auch Ludwig Spaenle betonte die Wichtigkeit, das Problemfeld Antisemitismus dringend im Unterricht zu behandeln. »Schüler werden häufig in offener und in unterschwelliger Weise mit antisemitischem Gedankengut und Handeln konfrontiert. Hier müssen wir die Lehrkräfte befähigen, frühzeitig antisemitische Vorfälle zu erkennen und mit entsprechenden Instrumenten gegenzusteuern.«

ORIENTIERUNG Die gemeinsame Empfehlung gibt eine Orientierung zum Umgang mit den verschiedenen Formen des Antisemitismus, beschreibt ihn in seiner Wirkung und zeigt Maßnahmen der Prävention und Intervention auf. »Jede und jeder Einzelne ist dabei herausgefordert, Antisemitismus zu erkennen, zu benennen und entsprechend zu reagieren. Kinder und Jugendliche brauchen ein Wertesystem, das ihnen Orientierung gibt«, heißt es in der Erklärung.»

Und weiter: «Auch die Schule ist dafür verantwortlich, dieses zu vermitteln. Die gemeinsame Empfehlung richtet sich vor allem an Lehrkräfte und pädagogisches Personal aller Schularten, Schulstufen und Fächer, an Schulleitungen, Einrichtungen der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften sowie an die zuständigen staatlichen Institutionen.»

Krieg

USA starten neue Angriffswelle gegen Iran

Die Vereinigten Staaten greifen das Mullah-Regime die zehnte Nacht in Folge an

 20.07.2026

CSD

Berlin: Antisemitismus in der queeren Szene nimmt zu

Erst nach parlamentarischen Anfragen veröffentlicht der Senat eine schon seit Monaten fertige Untersuchung zu Judenhass in der LGBTIQ-Community

von André Anchuelo  20.07.2026

Bericht

Brandenburg zählt 461 antisemitische Vorfälle im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Bedrohung und Gewalt: In Brandenburg gibt es immer wieder antisemitische Vorfälle. Laut einem neuen Jahresbericht stagnieren diese Fälle auf einem hohen Niveau - doch die Enthemmung nehme zu

von Benjamin Lassiwe  20.07.2026

Photo by Al-Aqsa TV/UPI Photo via Newscom picture alliance

Gaza

Khalil al-Hayya wird neuer Hamas-Führer

Knapp zwei Jahre nach der Tötung ihres Anführers Yahya Sinwar durch die israelische Armee hat die radikalislamistische Hamas mit Khalil al-Hayya offenbar einen neuen Chef

 20.07.2026

New York/Jerusalem

Scharfe Kritik an Mamdani nach Ankündigung, Netanjahu festnehmen zu lassen

Aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten heißt es, Mamdani solle ich lieber »auf die Behebung des Schadens konzentrieren, den seine Politik New York zugefügt hat«

 20.07.2026

Washington D.C.

Demokraten kritisieren Trump nach Tod von US-Soldaten scharf

Erstmals seit Monaten verzeichnen die USA nach eigenen Angaben wieder Tote nach iranischem Beschuss. Die US-Demokraten reagieren darauf mit Kritik an Trump, doch der verteidigt seinen Krieg

 20.07.2026

Berlin

Humboldt-Universität will weiter mit Israel kooperieren

Die Berliner Humboldt-Universität ist gegen einen Boykott israelischer Hochschulen. Das Studierendenparlament hatte zuletzt einen Abbruch der Beziehungen gefordert

 20.07.2026

Terror

Ermittlungen enthüllen Hamas-Netzwerk in Europa

Das Geflecht erstreckt sich von Griechenland und Zypern über Österreich und Skandinavien bis nach Deutschland

 20.07.2026

Budapest

Premier Peter Magyar will Schachlegende Judit Polgár als Präsidentin

»Für mich persönlich wäre es ein großes Privileg und eine enorme Ehre, wenn sie diese Bitte annehmen würde«, sagt der Regierungschef

 20.07.2026