UNESCO

»Kulturelle Intifada«

Muslimisches Welterbe? Die Mearat HaMachpela (Höhle der Patriarchen) in Hebron Foto: Flash 90

UNESCO

»Kulturelle Intifada«

Die Organisation führt Palästina jetzt als Mitglied

von Giulio Meotti  01.11.2011 09:36 Uhr

Die UNESCO, Kulturorganisation der Vereinten Nationen, hat am Montag beschlossen, Palästina die Vollmitgliedschaft zu gewähren. Der Beschluss, der gegen die Stimmen der USA, Kanadas, Israels und Deutschlands zustande gekommen war, bestärkt die Palästinenser in ihrem Bemühen, von den UN als Staat anerkannt zu werden. Für die Mitgliedschaft hatte überraschend Frankreich votiert, Italien und Großbritannien enthielten sich.

In den vergangenen Jahren ist die UNESCO zu einem Kampffeld zwischen islamischen Staaten und Israel geworden. Dies geht zurück auf den 20. November 1974, als die UNESCO unter arabischem Druck beschloss, Israel auszuschließen. Die Ächtung wurde erst 1978 aufgehoben, als die USA die Zahlung von 40 Millionen Dollar aus Protest verweigerten.

Allerdings boykottierte in den 90er-Jahren dann der damalige UNESCO-Chef Federico Mayor alle internationalen Konferenzen in Jerusalem und verweigerte sämtliche Treffen mit israelischen Offiziellen. Im Jahr 2005, als die UN ihren 50. Geburtstag feierte, weigerte sich die UNESCO sogar, in einer Resolution zum Zweiten Weltkrieg den Holocaust zu erwähnen.

tempel Nun sieht es so aus, als gewännen die Palästinenser ihre Schlacht um das »Schreiben oder Umschreiben der Geschichte«, wie Hamdan Taha, Direktor des palästinensischen Departments für Altertümer, im vergangenen Sommer ausdrückte.

Bereits im Juli 2000 hatte der damalige PLO-Chef Jassir Arafat beim Treffen mit US-Präsident Bill Clinton in Camp David darauf beharrt, dass »kein jüdischer Tempel jemals existiert hat«. Dies ist nun eine offizielle Position der Palästinensischen Autonomiebehörde. Der oberste palästinensische Geistliche, Scheich Taisser Tamimi, verkündet immer wieder, dass »Jerusalem immer nur arabisch und islamisch war«.

Das Problem der palästinensischen Seite ist es, Israel in der Welt als »Usurpator ihres Landes« darzustellen, solange die Welt glaubt, dass es eine Verbindung zwischen dem Volk der Bibel und dem Land der Bibel gibt. Das erklärt, warum die Palästinenser ausgerechnet in die UNESCO drängten. Es geht um eine »kulturelle Intifada«, wie es der israelische Archäologe Gabriel Barkai ausgedrückt hat.

Falschbehauptung Im Jahr 2009 rief die UNESCO beispielsweise Jerusalem zur »Hauptstadt der arabischen Kultur« aus: eine Falschbehauptung, die nun auch außerhalb der islamischen Welt auf fruchtbaren Boden fällt. Der frühere Erzbischof des Vatikans in Jerusalem, Michel Sabbah, unterstützte einen Appell, »die Hebraisierung Jerusalems zu stoppen«. Sein Nachfolger, der aktuelle lateinische Patriarch Fouad Twal, spricht von der »Judaisierung der Stadt«.

Der Ökumenische Rat der Kirchen, die größte Dachorganisation der Protestanten, forderte auf, »zwischen dem Israel der Bibel und dem modernen Staat Israel zu unterscheiden«, und leugnet jede Verbindung des Judentums zum Jerusalemer Tempelberg.

Jüngst hat die niederländische Regierung, vermittelt durch die UNESCO, 300.000 Euro an die Palästinensische Autonomiebehörde gespendet, damit sie Ausgrabungen außerhalb von Nablus veranlassen kann – und zwar am Josef-Grab, einer der heiligen Stätten des Judentums. Vergangenes Jahr wurde in einem UNESCO-Bericht sogar der jüdische Arzt und Theologe Maimonides in »Moussa Ben Maimoun« umbenannt.

rachels grab Als Mitglied der UNESCO will die Palästinensische Autonomiebehörde nun versuchen, Israel vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag anzuklagen, damit die Ausgrabungen in Jerusalem als »Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit« gebrandmarkt werden.

In den vergangenen Jahren wurde auch die Zusammenarbeit der UNESCO mit der ISESCO intensiviert. Die Kulturbehörde der Organisation der Islamischen Konferenz behauptet, die jüdischen Denkmäler seien alles islamische Schätze, die von den »Zionisten« gestohlen worden seien.

Der Höhepunkt der Kampagne war erreicht, als die UNESCO im Jahr 2010 beschloss, Rachels Grab und die Höhle des Patriarchen in Hebron – beides Heiligtümer des Judentums – als »Moscheen« zu führen.

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