Menschenrechtsrat

Kritik von Israels UN-Botschafter

Der UN-Menschenrechtsrat tagt im schweizerischen Genf. Foto: imago/photothek

Die Wahl Chinas, Kubas, Pakistans und Russlands in den UN-Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat scharfe Kritik hervorgerufen. Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York, Gilad Erdan, zeigte sich am Dienstag empört über das Ergebnis der Wahl und rief erneut zu einem Boykott des Gremiums auf.

VOREINGENOMMENHEIT »Seit 2006 hat der Rat 90 Resolutionen verabschiedet, die Israel verurteilen – mehr als alle Resolutionen gegen Syrien, Nordkorea und den Iran zusammengenommen. Die zwanghafte Fokussierung auf Israel in Verbindung mit der Nachsicht gegenüber unterdrückenden, diktatorischen Regimen zeigt, dass der Menschenrechtsrat die Verbrechen dieser Länder reinwaschen will«, sagte er. »Ich fordere alle Demokratien, die noch Mitglieder des Rates sind, auf, unverzüglich aus diesem schändlichen und antisemitischen Gremium auszutreten«.

Seit einigen Jahren arbeiten Israel und die Vereinigten Staaten nicht mehr mit dem Menschenrechtsrat zusammen. Die Trump-Regierung verkündete 2018 ihren Ausstieg, unter anderem mit der Begründung, die Mehrheit der Mitglieder des Rates sei gegenüber Israel »voreingenommen«.

Außenminister Mike Pompeo erklärte am Dienstag, dass sein Land die UN-Mitgliedsstaaten aufgefordert hätten, unverzüglich Maßnahmen zur Reform des Rates zu ergreifen. »Leider sind diese Aufrufe unbeachtet geblieben, und heute wählte die UNO-Generalversammlung erneut Länder mit einer abscheulichen Menschenrechtsbilanz.«

Das Gremium wurde 2006 ins Leben gerufen; seine Vorläuferorganisation, die UN-Menschrechtskommission, wurde wegen ähnlicher Vorwürfe auf Betreiben des damaligen Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Kofi Annan, aufgelöst.

CHINA In dem in Genf tagenden Rat sitzen die Vertreter von 47 Mitgliedsstaaten ein, darunter aktuell auch Deutschland. Sie werden für eine Periode von drei Jahren von der Vollversammlung bestimmt. Jedes Jahr wird rund ein Drittel der Mitglieder neu gewählt.

Die Abstimmung ist geheim, jedes UN-Mitgliedsland hat eine Stimme. Saudi Arabien schaffte den Einzug in diesem Jahr nicht und landete im regionalen Bewerberfeld für Asien hinter China, Pakistan, Usbekistan und Nepal mit nur 90 Stimmen auf dem letzten Platz. Aus Europa wurde neben Russland die Ukraine sowie Frankreich und Großbritannien gewählt.

China steht seit einiger Zeit international wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. So sind offenbar Hunderttausende Angehörige der muslimischen Minderheit der Uighuren in der Provinz Xingjian in Lager gesteckt worden und werden verfolgt. Auch gegen Anhänger der Demokratiebewegung in Hongkong geht die Regierung in Peking rigoros vor.

Twitter Am Mittwoch antwortete die chinesische Botschaft in Paris umgehend auf einen Tweet des Europaabgeordneten Raphael Glucksman, der Pekings Wahl in den Rat kritisiert hatte. »Hören Sie auf, Turbulenzen über Xinjiang-bezogene Themen zu säen, die ausschließlich Chinas innere Angelegenheiten betreffen. Kein Land oder keine Streitmacht hat das Recht, sich einzumischen, und alle solche gegen China gerichteten Versuche sind zum Scheitern verurteilt«, schrieb die Botschaft auf Twitter.

Der Menschenrechtsrat ist auch deshalb umstritten, weil er regelmäßig angebliche Vergehen Israels im Westjordanland und im Gazastreifen, aber nur selten Menschenrechtsverletzungen durch die Hamas und andere radikale Palästinensergruppen debattiert.

Anfang des Jahres wurde von den UN eine »schwarze Liste« von 112 Firmen, die in israelischen Siedlungen tätig sind, veröffentlicht. Die Veröffentlichung beruhte auf einer Resolution des Menschenrechtsrats aus dem Jahr 2016, in der eine »Datenbank für alle Unternehmen, die in spezifischen Aktivitäten im Zusammenhang mit israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten tätig sind.«

Kommentar

Sánchez’ alter, antisemitischer Trick

Wer trägt die Verantwortung für die jüngste Katastrophe in Ceuta? Ausnahmsweise wohl nicht »die Zionisten«

von Rafael Seligmann  02.08.2026

Auschwitz-Birkenau

Romani Rose: Gewalt gegen Sinti und Roma nimmt zu

Zum europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma warnt der Vorsitzende deren Dachorganisation, Mitglieder der Minderheit seien wieder mehr Anfeindung ausgesetzt

 02.08.2026

Berlin

Nach CSD-Anschlag: Union will Tempo machen für schärfere Gesetze

Der Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days in der Hauptstadt löste eine Debatte darüber aus, ob bestehende Gesetze ausreichen. Eine Umfrage ergibt: Das Sicherheitsgefühl ist bei vielen Bürgern gesunken

 02.08.2026

Brandenburg

Gedenkführungen zu NS-Verbrechen gegen Sinti und Roma

Hunderttausende Sinti und Roma wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Zwei KZ-Gedenkstätten wollen heute mit Führungen an die Opfer erinnern

 02.08.2026

Washington D.C.

Trump: Angriffe auf Iran abgesagt - »Umrisse einer Einigung«

Das US-Militär stand Berichten zufolge kurz vor einer massiven Angriffswelle auf Ziele im Iran. Nun will der US-Präsident anscheinend darauf verzichten

 02.08.2026 Aktualisiert

Nahost

Nach Berichten über US-Angriffspläne: Teheran droht Nachbarländern, greift Ziele in Kuwait an

Irans Außenminister Abbas Araghtschi droht, die schlagkräftigen Streitkräfte seines Landes würden auf jeden »Akt der Aggression« entschlossen reagieren

 02.08.2026

Interview

»Putin ist in der Sackgasse«

Lettlands Ex-Präsident Egils Levits über Russlands Krieg, einen EU-Beitritt der Ukraine und Europas Handlungsfähigkeit

von Michael Thaidigsmann  01.08.2026

Ankaras Machtfantasien

Wie die türkische Führung von der Eroberung Jerusalems träumt

von Eren Güvercin  01.08.2026

Meinung

Die Vereinten Nationen und ihre obsessive Fixierung auf den jüdischen Staat

Warum der Staatengemeinschaft ihre Heuchelei und Doppelmoral eher früher als später zum Verhängnis werden wird

von Daniel Neumann  01.08.2026