Einspruch

Krise in Kairo

Ägypten ist nackt. Die heftige Auseinandersetzung über das freizügige Foto der Bloggerin Aliaa Magda Elmahdy ist wie eine Metapher für das ganze Land. Ägypten ist bloßgestellt ohne Mubaraks Blendwerk: wirtschaftlich am Abgrund, militärisch bedeutungslos, zerrissen zwischen dem Wunsch nach Freiheit und dem Sog ins Gestern. Eine Frau, die sich nackt zeigt im Protest gegen den Muff aus Islamismus und panarabischen Träumen – und damit in Israel Solidaritätsbekundungen auslöst, während sich in der Heimat selbst Liberale distanzieren müssen. Wegen Verletzung der Moral, Beleidigung des Islam und Aufruf zur Unzucht droht ihr Haft.

Arabischer Frühling Die Rivalität zwischen Kopten und Muslimen, anti-israelische Ausschreitungen, blutige Unruhen auf dem Tahrir-Platz – Ägypten, so scheint es, ist seit Beginn des Arabischen Frühlings nicht wirklich vorangekommen. Und für Israel ist der kalte Frieden brüchig geworden, weil niemand weiß, wer in Ägypten welche Kräfte mit welchen Zielen unter Kontrolle hat – oder auch nicht.

Dennoch kann sich die einzige Demokratie im Nahen Osten nicht darauf verlassen, dass sie Ruhe vor ihren schwierigen Nachbarn hat, weil korrupte Despoten dort das Volk unterdrücken. Zumal die nach außen hin beherrschbaren Diktaturen wie jene von Kairo selbst es waren, die nach innen alles getan haben, um im Hass auf Israel für die unzufriedenen Bürger ein Ventil zu haben, das man öffnen und schließen kann. Insofern sind die Unruhen von Kairo zwar ein bitterer Rückschlag für alle, die hofften, Wohlstand und Demokratie würden nach dem Ende Mubaraks von selbst einkehren. Aber diese Hoffnungen waren ohnehin naiv.

Der Weg ist schwer, er ist riskant, aber er ist der einzig richtige. Auch aus israelischer Sicht. Denn so ganz nebenbei spüren die Ägypter in diesen Tagen erneut, dass ihr Problem nicht Israel heißt, sondern Ägypten.

Der Autor ist Chef vom Dienst beim Kölner Stadtanzeiger.

Bonn

Bundeszentrale für politische Bildung streicht Studienreisen nach Israel

 04.08.2026

Berlin

Nach antisemitischer Beschimpfung: Polizeilicher Staatsschutz ermittelt

Nach Beleidigungen gegenüber Gästen und Beschäftigten des jüdischen Kulturschiffs MS Goldberg auf dem Berliner Wannsee hat die Polizei Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen

 04.08.2026

Kommentar

Politische Pünktchensammler

Ewig bewegte Palästina-Aktivisten wie Javier Bardem und israelische Politiker nutzen den Massenansturm auf Ceuta für politisch unwürdige Spielchen

von Nils Kottmann  04.08.2026

Justiz

Israel-Kritik mit Swastika und Davidstern? Könnte durchgehen

Für das Pfälzische Oberlandesgericht ist Schmähkritik an Israel samt Verwendung von Hakenkreuzen und Holocaustvergleichen nur dann strafbar, wenn die Gegnerschaft zur NS-Ideologie nicht offensichtlich ist. Vielen geht das Urteil zu weit

von Michael Thaidigsmann  04.08.2026

Spanien

Hakenkreuz auf Maimonides-Statue in Córdoba geschmiert

Der Bürgermeister der Stadt verurteilte den Vorfall scharf und sprach von einem Hasssymbol mit einer besonders schwerwiegenden Botschaft

 04.08.2026

Magdeburg

Dieter Hallervorden, Sven Schulze und der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

Die Christdemokraten setzen bei ihrem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auf Unterstützung des anti-israelischen Komikers Dieter Hallervorden

 04.08.2026

Berlin

Mehr als 1000 Juristen sprechen sich für AfD-Verbotsverfahren aus

Die Experten haben einen offenen Brief an die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten unterzeichnet

 04.08.2026

Potsdam

Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ist tot

Der Journalist und Autor prägte als Gründer von »Gesicht Zeigen!« den Kampf gegen Rechtsextremismus. Nun ist seine Stimme verstummt

 04.08.2026

Dessau-Roßlau

Schulze: Ich habe eine andere Meinung zum Thema Völkermord

Auftritte des Kabarettisten Dieter Hallervorden bei CDU-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt hatten bei den Christdemokraten teils für große Irritationen gesorgt. Der Spitzenkandidat verteidigt das Format

 04.08.2026 Aktualisiert