Reaktionen

»Krank oder bösartig«

In der Nacht zum vergangenen Sonntag hatten Unbekannte die schmiedeeiserne Tür aus ihrer Verankerung herausgefräst. Foto: dpa

Der Diebstahl der Stahltür mit der Inschrift »Arbeit macht frei« aus der KZ-Gedenkstätte Dachau hat in Deutschland sowie weltweit Empörung hervorgerufen. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, nannte die Schändung der Gedenkstätte »grässlich und schockierend«. Der »Bild«-Zeitung sagte er: »Wer so etwas macht, ist entweder krank oder bösartig. Wahrscheinlich beides.«

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Dienstag in Berlin Vertreter des Internationalen Dachau-Komitees (CID) eine halbe Stunde lang empfangen hatte, verurteilte den Diebstahl entschieden. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte, die »Schwere des Anschlags« sei »einmalig«. Daher werde man wohl das Sicherheitskonzept überarbeiten.

videokameras Der Schoa-Überlebende und Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer, fordert in der am Donnerstag erscheinenden Jüdischen Allgemeinen, dass künftig der Eingangsbereich der Gedenkstätte mit Videokameras kontrolliert werden soll. »Im Polizeipräsidium sollte ein Monitor stehen, der den Eingangsbereich der Gedenkstätte zeigt. Binnen drei Minuten könnte die Polizei vor Ort sein.« Dachau, so Mannheimer, sei als Konzentrationslager ein besonderes Symbol: Hier seien schon im März 1933, kurz nach der NS-Machtergreifung, Menschen inhaftiert, gequält und getötet worden.

Auch Piotr Cywinski, der Leiter der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, nannte den Diebstahl von Dachau »einen Angriff auf ein Symbol, einen Angriff auf das Erinnern«. Im KZ Dachau seien die Grundlagen für die anderen KZs des NS-Systems gelegt worden.

Im KZ Dachau und seinen Außenlagern waren zwischen 1933 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert, Zehntausende wurden getötet.

rechtsextreme Von einer Verhöhnung der NS-Opfer spricht der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose. Wie die meisten Stimmen aus dem In- und Ausland vermutet auch Rose hinter dem Diebstahl eine Tat von Rechtsextremisten. »Das passt zu dem immer aggressiver werdenden Auftreten dieser Gruppen«, so Rose.

Auch die Polizei vermutet einen rechtsextremen Hintergrund, verweist aber darauf, dass der sich derzeit nicht sicher bestätigen ließe. »Es gibt den einen oder anderen möglicherweise konkreten Hinweis«, sagte ein Polizeisprecher der Jüdischen Allgemeinen. Der Staatsschutz ermittelt.

In der Nacht zum vergangenen Sonntag hatten Unbekannte - die Polizei geht von mindestens zwei Tätern aus - die schwere schmiedeeiserne Tür vermutlich mit einer Flex aus ihrer Verankerung herausgefräst. Die Tat wurde am Sonntagmorgen von Mitarbeitern einer Security-Firma entdeckt.

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Magdeburg

Was eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt ändern könnte

Von der Kündigung des Rundfunkstaatsvertrages bis hin zur Ängerungen von »Geschichte«-Lehrplänen: Was will die rechtsextremistische Partei im Falle eines Wahlsieges noch?

von Christopher Kissmann  09.07.2026

Frankfurt am Main

Becker fordert Verbot von Pro-Terror-Kundgebung, DIG initiiert Gegendemo

»Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und Gewehren«: Unter diesem Motto ruft eine Gruppierung zu einer Kundgebung auf. Auch die Grünen wollen die Versammlung untersagen

von Imanuel Marcus  09.07.2026

Antisemitismus

Chrupalla-Lob für Möllemann

DIG-Präsident Volker Beck übt heftige Kritik am Co-Chef der AfD

 09.07.2026

Humanitäre Hilfe

Israel weist Berichte über Versorgungsengpässe in Gaza zurück

Einem neuen Bericht zufolge sind seit der Waffenstillstandsvereinbarung vom Oktober 2025 1800 Millionen Tonnen an Lebensmitteln nach Gaza gelangt. Israel sagt, das sei mehr als vor dem Krieg

 09.07.2026

berlin

Strafbefehl gegen Hudhaifa Al-Mashhadani

Der Leiter einer säkularen Arabischschule in Neukölln soll einen Mordanschlag gegen sich erfunden haben

 09.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  09.07.2026

Genf

Bericht: UNESCO ehrte tote Terroristen als »Journalisten« – und korrigierte sich nie

Die UN-Unterorganisation soll die Fakten nie richtiggestellt haben, obwohl die Hamas und die Gruppe Islamischer Dschihad die Mitgliedschaften teils selbst öffentlich gemacht hatten

 09.07.2026

Freudenstadt

Waldorfschule bewarb Theaterstück »Der Geizhals« mit Hakennasen-Mann

In der Schule war niemandem aufgefallen, dass das mittlerweile entfernte Werbeposter eine antisemitische Bildsprache benutzt

 09.07.2026