Interview

»Konsequenzen werden hart sein«

Herr Adam, Palästina ist jetzt Vollmitglied der UNESCO. Welche Konsequenzen hat das für Israel?
Dass Palästina aufgenommen wurde, ist ohne jedes historische Vorbild. Der Beschluss verstößt gegen alle internationalen Regeln. Zeitgleich mit Palästina wurde der Südsudan aufgenommen, aber der ist ein Staat. Außerdem erkennt der Südsudan seine Nachbarn an, und er wird wiederum selbst anerkannt. All das trifft auf Palästina nicht zu.

Was geschieht nun, wie wird sich die israelische Regierung verhalten?
Bislang galt die Vereinbarung zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde, dass es einen palästinensischen Staat nur als Ergebnis bilateraler Verhandlungen geben kann. Diese Abmachung stammt aus dem Jahr 1993, und sie ist nun von der palästinensischen Seite gebrochen worden. Das bedeutet, dass sie nun auch für Israel nicht mehr gilt. Das Kabinett und der Premierminister werden überlegen, wie es weitergehen wird. Vermutlich werden harte Konsequenzen die Folge sein.

Hat die Palästinensische Autonomiebehörde sich selbst geschadet?
Ja, es ist nicht sehr klug, so gehandelt zu haben. Zunächst einmal haben die Palästinenser der UNESCO geschadet, die nun in einer Finanzkrise steckt. Wenn die USA kein Geld mehr überweisen, heißt das, dass sie über kurz oder lang auch nicht länger Mitglied der UNESCO sein können. Das bedeutet eine große Schwächung.

Was bedeutet der Beschluss für die Heiligen Stätten?
Wir werden abwarten. Und wir hoffen, dass Palästina nur rein muslimische Orte zur Liste des Weltkulturerbes hinzufügen möchte. Über die Orte, die sowohl für die muslimische als auch für die jüdische Religion heilig sind, gibt es Abkommen zwischen beiden Seiten. Und wir hoffen, dass daran nicht gerüttelt wird.

Frankreich hat wider Erwarten für den palästinensischen Antrag gestimmt. Waren Sie überrascht?
Sehr sogar. Frankreich hat einen großen Fehler gemacht. Es ist ja nicht nur ein normales Mitgliedsland, es ist auch Gastgeber der UNESCO, die Weltorganisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur hat ihren Sitz in Paris. Indem sich Frankreich für die Aufnahme Palästinas ausgesprochen hat, gab es auch ein Signal an andere Länder, die sich enthalten wollten, nun doch mit Ja zu stimmen. Die französische Regierung hat eine große Verantwortung, und sie hat sich dieser nicht gewachsen gezeigt.

Kann es trotz allem wieder Friedensverhandlungen geben?
Auf die israelische Haltung bezüglich Friedensgesprächen hat die UNESCO-Entscheidung keinen Einfluss: Wir sind weiter bereit dazu. Es ist die palästinensische Seite, die die Verhandlungen erst einmal einseitig abgebrochen hat.

Mit dem israelischen UNESCO-Diplomaten sprach Sarah Gabriel-Pollatschek.

Berlin

Zentralrat der Juden: »Das Mullah-Regime muss jetzt fallen«

Es braucht ein Ende der Zurückhaltung gegenüber Teheran und ein klares politisches Signal aus Deutschland, fordert Zentralratspräsident Josef Schuster

 09.01.2026

Fernsehen

Jüdische Journalisten kritisieren Verpixelung von »Bring them Home!«-Kette

Der Verband JJJ fordert: Die »unpolitische, rein humanitäre Forderung« auf der Plakette eines Kochs muss sichtbar sein

 09.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter: »Ich sehe nicht ein, mich verschrecken zu lassen«

Noch in der Tatnacht habe seine Familie ihn darin bestärkt, seine Arbeit fortzusetzen, so Andreas Büttner. »Sie haben mir gesagt, ich müsse weitermachen. Eigentlich sogar noch lauter werden«, sagt der dem »Tagesspiegel« im Interview

 09.01.2026

Brandenburg

Potsdam soll jüdische Kita bekommen

Zum jüdischen Leben gehören auch jüdische Schulen und Kitas. Eine Kindertagesstätte wird derzeit in Potsdam geplant

 09.01.2026

Jerusalem

US-Botschafter: Israel entscheidet selbst über weiteres Vorgehen gegen Iran

»Lassen Sie uns hoffen, dass dies das Jahr ist, in dem das iranische Volk sagt: ›Es reicht‹«, sagt Mike Huckabee

 09.01.2026

New York

Proteste gegen israelische Immobilienmesse an Jeschiwa

Israelfeindliche Demonstranten fordern eine »Intifada-Revolution« und rufen: »Siedler, geht nach Hause, Palästina gehört uns allein«

 09.01.2026

Alex Stolze

Ich gebe die Hoffnung für Brandenburg nicht auf

Nach dem Koalitionsbruch muss die Politik die Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen

von Alex Stolze  09.01.2026

Berlin/Kloster Seeon

Zentralrat der Juden fordert schärferes Strafrecht gegen Hass

Seit dem jüngsten Krieg im Nahen Osten ist Antisemitismus vielerorts explodiert. Zentralratspräsident Schuster sieht den deutschen Rechtsstaat dagegen schlecht aufgestellt

 09.01.2026

Teheran

Iran kappt Internet während landesweiter Proteste gegen das Regime

In zahlreichen Städten, darunter auch in der Hauptstadt, gingen erneut große Menschenmengen auf die Straße

 09.01.2026