USA

Kongressabgeordnete fordern Entlassung von UN-Berichterstatterin

Die UNO-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, stellte am 13. Januar ihren ersten Bericht vor. Foto: picture alliance / ANSA

Eine parteiübergreifende Gruppe von elf Abgeordneten des amerikanischen Repräsentantenhauses fordert in einem Brief UNO-Generalsekretär António Guterres auf, Francesca Albanese, die Sonderberichterstatterin für die Lage der Menschenrechte in den palästinensischen Gebieten, zu suspendieren.

Erst vor neun Monaten übernahm die Italienerin ihr Amt, obwohl ihr bereits damals vorgehalten wurde, Verschwörungstheorien über Israel zu verbreiten.

Voreingenommenheit Der Eindruck einer Voreingenommenheit verstärkte sich für Beobachter, als Francesca Albanese in ihrem ersten offiziellen Bericht als Berichterstatterin forderte, die UN-Mitgliedsstaaten müssten »einen Plan zur Beendigung der israelischen siedlerkolonialen Besetzung und des Apartheidregimes entwickeln«.

Weiter war in ihrem Dokument von der »Besatzung eines absichtlich besitzergreifenden, segregationistischen und repressiven Regimes« die Rede, das darauf abziele, »die Verwirklichung des Rechts des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung zu verhindern.«

Nach Ansicht des demokratischen Kongressabgeordneten Brad Sherman, seiner Parteikollegin Dina Titus und neun weiteren Abgeordneten aus beiden im US-Repräsentantenhaus vertretenen Parteien war der Bericht nur die Spitze des Eisbergs. Ihr Schreiben an António Guterres und Volker Türk, den Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, hat es in sich.

Es heißt darin, Albanese habe schon in einem offenen Brief, in dem sie während des Konfliktes zwischen der Terrororganisation Hamas und Israel im Jahr 2014 um Gelder für die Flüchtlingsorganisation UNRWA warb, »empörende, antisemitische Aussagen gemacht«.

»Genug ist genug.«

Brad Sherman

Seitenlinie Die Kongressmitglieder zitierten aus dem Schreiben der heutigen Sonderberichterstatterin: »Amerika und Europa, unterworfen in einem Fall von der jüdischen Lobby und im anderen Fall vom Schuldgefühl in Zusammenhang mit dem Holocaust, bleiben hinter der Seitenlinie und verurteilen weiterhin die Unterdrückten, nämlich die Palästinenser, die sich mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, verteidigen.«

De facto hatte die Hamas Israel angegriffen, woraufhin der Staat reagierte, um seine Bürger zu schützen. Die israelischen Streitkräfte versuchten auch damals, die Zahl der Opfer unter palästinensischen Zivilisten zu minimieren, indem sie beispielsweise Angriffe auf von Terroristen genutzte Wohngebäude im Vorfeld ankündigten.

Die Autoren des Briefes an Guterres und Türk wiesen darauf hin, dass Francesca Albanese damals bereits für zehn Jahre für die Vereinten Nationen tätig gewesen sei, darunter für UNRWA. Es sei klar, dass es sich bei ihren Aussagen nicht um ein Versehen, sondern »einen grundlegenden Teil ihrer Weltsicht« gehandelt habe.

Terroristen Albanese habe zudem unlängst gesagt, die britische BBC sei »Teil der Israel-Lobby«. In einer Rede »vor einem Terroristen-Publikum« habe sie auf einer Hamas-Konferenz erklärt, ihre Zuhörer hätten »das Recht, der Besatzung zu widerstehen.

Auch habe sie das Gedenken an den Holocaust bei diversen Gelegenheiten trivialisiert, indem sie es fälschlicherweise mit dem derzeitigen israelisch-palästinensischen Konflikt gleichgesetzt habe.

«Genug ist genug», schrieben die US-Abgeordneten. Albaneses Statements seien Teil «eines Musters an antisemitischem Verhalten und entsprechenden Aussagen bei den Vereinten Nationen.»

Die Briefautoren aus Washington D.C. übten auch generelle Kritik an der Israel-Politik der UNO. In deren Vollversammlungen seien im vergangenen Jahr mehr Resolutionen gegen Israel verabschiedet worden, als gegen jeden anderen Staat. Auch sei Israel das einzige Land, gegen das gleich zwei UNO-Untersuchungen geführt würden. Diese würden von Offiziellen der Weltorganisation geleitet, die Israel gegenüber eine feindselige Stellung eingenommen hätten und für antisemitische Aussagen bekannt seien.

Glaubwürdigkeit «Sie haben erklärt, es gebe bei den Vereinten Nationen keinen Raum für Antisemitismus», heißt es in dem Brief an António Guterres. «Es sieht aber so aus, als hätten Sie Platz für die Sonderberichterstatterin Albanese und andere Beamte», die mehrfach antisemitische Äußerungen getätigt hätten. Dies schade der Glaubwürdigkeit der UNO.

«Wir bitten Sie, zu demonstrieren, dass die Vereinten Nationen in der Lage sind, dem Antisemitismus wirklich etwas entgegenzusetzen, indem Sie Frau Albanese von ihrem Posten entfernen.» So schließen Brad Sherman und die anderen Abgeordneten ihr Schreiben.

Im März des vergangenen Jahres, kurz vor der Ernennung von Francesca Albanese zur Sonderermittlerin, hatte die Genfer NGO UN Watch einen Bericht veröffentlicht, der sie ebenfalls heftig kritisiert.

Gespräch

»Ich fühle mich alleingelassen«

Sonja Bohl-Dencker über die Ermordung ihrer Tochter durch die Hamas, den Umgang Deutschlands mit dem 7. Oktober und ihren Wunsch, dass Carolin nicht vergessen wird

von Mirko Freitag  15.01.2026

Selin Gören

Solidarität mit Israel ist links

Das Bekenntnis zum jüdischen Staat ist die Voraussetzung glaubwürdiger progressiver Politik. Doch in der Linkspartei werden Genossen für diese Haltung immer öfter angefeindet

von Selin Gören  15.01.2026

Debatte

Dobrindt will keinen Abschiebestopp für Iran verhängen

Menschenrechtler und Flüchtlingsorganisationen fordern einen Abschiebestopp für den Iran. Der Bundesinnenminister will einen solchen nicht bundesweit verhängen

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Washington D.C.

Trump will »schnellen und entschlossenen Schlag« gegen Iran

Der amerikanische Präsident will offenbar verhindern, dass die USA in einen langwierigen Krieg verwickelt werden, der sich über Wochen oder Monate hinziehen könnte

 15.01.2026

Sicherheitslage

USA und Großbritannien raten Bürgern vor Reisen nach Israel ab

Amerikanische Bürger werden zu erhöhter Aufmerksamkeit und einer »Vorbereitung auf mögliche Entwicklungen« aufgerufen

 15.01.2026

Kommentar

Ein freier Iran wäre kein Risiko für Israel, sondern ein Partner  

Die Zeit für moralische Distanz oder falsche Neutralität ist längst vorbei. Jetzt ist die Zeit, hinzusehen, zuzuhören - und Partei zu ergreifen

von Vida Funke  15.01.2026

Washington D.C./Teheran

US-Angriff auf Iran könnte noch heute erfolgen

In Israel heißt es, Präsident Donald Trump habe sich offenbar grundsätzlich für eine Intervention entschieden. Auch europäische Diplomaten halten einen Angriff für möglich

 15.01.2026

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-Jähriger setzte vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand und zeigte den Hitlergruß. Er wurde von der Haftrichterin in die Psychiatrie eingewiesen

von Michael Thaidigsmann  15.01.2026