Bagdad

Kommandeur iranischer Eliteeinheit bei US-Angriff getötet

Kommandeur der Al-Quds-Einheit: Qassem Soleimani Foto: dpa

Das US-Militär hat am frühen Freitagmorgen einen der ranghöchsten iranischen Militärs getötet. Qassem Soleimani starb bei einem Drohnenangriff auf seine Wagenkolonne am Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad, wie das US-Verteidigungsministerium in Washington offiziell bestätigte.

Insgesamt fünf Menschen kamen Medienberichten zufolge bei dem Angriff ums Leben, darunter auch Abu Mahdi al-Muhandis, der Chef einer von Teheran unterstützten Miliz im Irak.

ISRAEL »Der amerikanische und israelische Feind ist verantwortlich für die Tötung der Mudschaheddin Abu Mahdi al-Muhandis und Qassem Soleimani,« teilte ein Sprecher der Miliz mit.

Der 62-jährige Generalmajor Soleimani war seit 1998 Kommandeur der terroristischen Al-Quds-Brigade.

Erst am Dienstag hatte Präsident Donald Trump auf Twitter harte Maßnahmen gegen den Iran angekündigt und Teheran für den Angriff auf die US-Botschaft in Bagdad Anfang der Woche verantwortlich gemacht. Iran werde einen »sehr großen Preis« bezahlen, so Trump. Das sei keine Warnung, sondern eine Drohung, so der Präsident in seiner Botschaft. Am Freitagmorgen postete Trump dann eine amerikanische Flagge auf seinem Twitter-Account – ohne jeglichen Kommentar.

Der 62-jährige Generalmajor Soleimani war seit 1998 Kommandeur der Al-Quds-Brigade, einer Eliteeinheit der Revolutionsgarde, die für weltweite Spezialoperationen zuständig und direkt Irans Oberstem Führer, Ajatollah Ali Chamenei, unterstellt ist.

HISBOLLAH Soleimanis Truppe war jüngst vor allem für Einsätze in Syrien und im Irak verantwortlich. Ihr Chef fungierte zudem als wichtiger militärischer Berater des syrischen Diktators Assad sowie der Hisbollah im Libanon. Soleimani nahm selbst gelegentlich an Einsätzen teil, darunter auch an dem Hisbollah-Angriff auf Israel im Jahr 2006. Er galt als »Irans gefährlichster General« und war graue Eminenz bei der Bildung einer irakischen Regierung.

Die Al-Quds-Brigade ist für den Terroranschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires im Juli 1994 verantwortlich.

Seit 2013 trat er verstärkt in der Öffentlichkeit auf und war in TV-Dokumentationen zu sehen. Soleimani unterhielt einen sehr populären Instagram-Account und wurde sogar als möglicher Kandidat für das Präsidentenamt gehandelt. Im September verbreitete Chamenei ein Foto von sich mit Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und Soleimani.

Im Jahr 2017 stand der iranische General sogar auf der TIME-Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten in der Welt. »Für Schiiten im Nahen Osten ist er James Bond, Erwin Rommel und Lady Gaga im einem«, schrieb der ehemalige CIA-Experte Kenneth Pollack damals über Soleimani.

Im Oktober vereitelten die Revolutionsgarden einen Sprengstoffanschlag auf Soleimani.

AMIA Die Al-Quds-Brigade wurde Anfang der 1990er-Jahre gegründet. Argentiniens Justiz sieht es als erwiesen an, dass der erste Kommandeur der Einheit, Ahmed Vahidi, den Terroranschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires im Juli 1994 angeordnet und geplant hatte, bei dem 85 Menschen ums Leben kamen und Hunderte weitere verletzt wurden. Vahidi wurde später zum iranischen Verteidigungsminister ernannt.

Die Einheit sowie die gesamte iranische Revolutionsgarde, welcher Soleimani seit 1979 angehörte, wird von den USA als terroristische Organisation eingestuft. In einer Stellungnahme sagte das US-Verteidigungsministerium, Soleimani habe Angriffe auf amerikanische Diplomaten und Soldaten im Irak und der gesamten Region geplant und sei für den Tod Hunderter Amerikaner verantwortlich. Soleimani persönlich habe die Attacken auf die US-Botschaft in Bagdad angeordnet.  mth

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026

Wahlkampf der AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Magdeburg

Wie sich die AfD auf eine mögliche Regierung vorbereitet

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte der rechtsextremistischen AfD erstmals den Weg in eine Landesregierung öffnen. Mit Schulungen, einem Personalpool und Hilfe aus Österreich bereitet sie sich seit langem darauf vor

von Jörg Ratzsch  21.08.2026

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026