Judenhass

Kölner Juden entsetzt und wütend über Attacke auf 18-Jährigen Kippa-Träger

Foto: imago images/U. J. Alexander

Die nordrhein-westfälische Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sowie Vertreter des Judentums und der evangelischen Kirche haben sich bestürzt über die Attacke auf einen jungen jüdischen Mann in Köln geäußert.

Mitglieder der Synagogen-Gemeinde fühlten sich nicht mehr sicher in ihrer Stadt, erklärte die Kölner Synagogengemeinde am Montag. Leutheusser-Schnarrenberger sagte in Düsseldorf, der feige Angriff habe »offensichtlich wieder einmal die hässliche Fratze des Antisemitismus in Deutschland sichtbar gemacht«. Der rheinische Präses Thorsten Latzel appellierte an die Zivilgesellschaft, Antisemitismus deutlich entgegenzutreten.

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Der junge Mann war nach Polizeiangaben am späten Freitagabend in einem Kölner Park von Mitgliedern einer Gruppe geschlagen und getreten worden. Einer aus der Gruppe habe dem Opfer zudem die Kippa vom Kopf geraubt. Laut Polizei ging dem Angriff nach ersten Ermittlungen eine antisemitische Beleidigung gegen den jungen Kölner voraus.

Rettungskräfte hätten das schwerverletzte Opfer unter anderem mit einem Joch- und Nasenbeinbruch in eine Klinik gebracht. Die Polizei nahm noch am Samstag kurz nach dem Vorfall zwei mutmaßliche Angreifer im Alter von 18 und 19 Jahren vorübergehend fest. Wegen eines anzunehmenden antisemitischen Hintergrunds der Tat übernahm der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen.

Die Synagogen-Gemeinde Köln äußerte sich in höchstem Maße entsetzt über den Vorfall. Immer wieder würden Menschen angegriffen, »nur weil sie als jüdisch identifizierbar sind«, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung von Abraham Lehrer sowie weiteren Mitgliedern des Vorstands. Der junge Mann sei mitten in einem Kölner Park fürchterlich zugerichtet worden, weil er eine Kippa trug.

»Wir erwarten von der Polizei, den Staatsanwaltschaften und den Richtern in diesem Land, dass mit der nötigen Härte des Gesetzes gegen antisemitische Exzesse vorgegangen wird«, erklärte Felix Schotland vom Vorstand der Synagogen-Gemeinde. »Mitglieder der Synagogengemeinde fühlen sich nicht mehr sicher in ihrer Stadt.«

»Wir erwarten von der Polizei, den Staatsanwaltschaften und den Richtern in diesem Land, dass mit der nötigen Härte des Gesetzes gegen antisemitische Exzesse vorgegangen wird.«

Leutheusser-Schnarrenberger sagte, Angriffe auf Leib und Leben von Jüdinnen und Juden seien widerwärtige Attacken, »die konsequent verfolgt und mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden müssen«. »Eine Kippa zu tragen, muss in Köln, in Nordrhein-Westfalen und überall in Deutschland ohne Angst möglich sein«, unterstrich die Antisemitismusbeauftragte.

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland warb für mehr Aufklärung unter jungen Menschen über das Judentum. Die Tat von Köln sei auch ein Zeichen dafür, dass vor allem jungen Menschen in Schulen, Bildungseinrichtungen oder anderen öffentlichen Einrichtungen mehr über jüdisches Leben vermittelt werden müsse, erklärte Vorstand Avichai Apel in Frankfurt am Main.

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland wirbt für mehr Aufklärung unter jungen Menschen über das Judentum.

Präses Latzel sagte in Düsseldorf: »Jüdinnen und Juden müssen in unserem Land sicher leben können.« Durch schnelle und konsequente Strafverfolgung müsse den Tätern deutlich gezeigt werden: »Wir dulden keinen Antisemitismus.«

Zugleich sehe er die Zivilgesellschaft, »auch uns Kirchen« in der Pflicht, »solchen antisemitischen Auswüchsen deutlich entgegenzutreten und das gesellschaftliche Klima entsprechend zu verändern«, sagte Latzel. Der Kölner Stadtsuperintendent Bernhard Seiger erklärte, Angriffe auf Menschen aus antisemitischen oder anderen religiösen Motiven dürften weder in der eigenen Stadt noch an einem anderen Ort geschehen.

Als »beschämend« bezeichnete der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki auf Facebook, »dass antisemitisches Gedankengut und Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger noch immer an der Tagesordnung sind«. Kirche und Gesellschaft hätten eine besondere Verantwortung dafür, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen könnten. epd/ja

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