Israel-Boykott

Keren Hayesod kündigt Konto

Filiale der Bank für Sozialwirtschaft in Köln Foto: dpa

Die pro-israelische Spendenorganisation Keren Hayesod – Israel Aktion e.V. kündigt ihr Konto bei der Bank für Sozialwirtschaft. Das teilte die Organisation am Donnerstag mit.

Als Grund nannte Keren Hayesod, die Bank führe ein Konto des Vereins »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« (JS), der offen die Ziele der BDS-Bewegung unterstützt.

Studie BDS steht für »Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen« und ruft zu einem Boykott Israels auf allen Gebieten auf. Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, nannte die BDS-Bewegung als »in ihren Handlungen und Zielen antisemitisch«. Eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung von 2015 kommt zu dem Schluss, dass die BDS-Bewegung »antiisraelisch« und »totalitär« sei und keine friedlichen Ziele verfolge.

Über diesen Sachverhalt hätten sich Keren Hayesod und die Bank für Sozialwirtschaft in den vergangenen Monaten ausführlich ausgetauscht, teilte Keren Hayesod weiter mit. Zwar verurteile die Bank die BDS-Bewegung, halte aber an der Geschäftsbeziehung zum Verein JS fest und habe dies »nicht überzeugend begründen« können, hieß es weiter. Keren Hayesod bedauere, dass man sich »nach jahrzehntelanger guter, vertrauensvoller Zusammenarbeit gezwungen sieht, sein Konto bei der Bank für Sozialwirtschaft zu kündigen«.

Geschäftsbeziehung
»Wir können und wollen nicht schweigend zusehen«, sagte Sammy Endzweig, Vorsitzender von Keren Hayesod Deutschland. »Wir als pro-israelische Organisation, die in Deutschland Spenden für soziale Projekte in Israel sammelt, haben uns nach einem intensiven Austausch mit der Bank entschlossen, unser Konto bei der Bank für Sozialwirtschaft zu kündigen. Wir bedauern sehr, dass dieser Schritt unausweichlich geworden ist, nachdem die Bank das Konto des Vereins JS wieder aufgenommen hat und an der Geschäftsbeziehung festhält.«

Laut Angaben von Keren Hayesod hatte die Bank für Sozialwirtschaft Ende 2016 zunächst bekannt gegeben, dass sie das Konto des Vereins geschlossen habe. Dies habe die Bank mit Verweis auf die Untersuchung der Friedrich-Naumann-Stiftung zu BDS begründet.

ZWST Die Bank habe sich auch darauf berufen, dass die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) 1923 einer der Gründungsgesellschafter war und bis heute an der Bank beteiligt sei, so Keren Heyesod. Dennoch habe die Bank die Geschäftsbeziehungen zur JS vier Monate später wieder aufgenommen.

Für Keren Hayesod stehe fest: »Es darf keinen Freibrief für Antisemitismus und Israelhass in Deutschland geben. Und nur, weil eine Organisation ihren Namen mit dem Etikett ›jüdisch‹ versieht und zum Teil von jüdischen Menschen gegründet wurde, heißt dies noch lange nicht, dass sie die Meinung der jüdischen Gemeinde in Deutschland wiedergibt und sich von den Zielen der BDS-Bewegung distanziert.« ag

Meinung

Notbremse gegen Antisemitismus

Die Hochschulleitungen müssen den Judenhass ihrer Mitarbeiter und Studierenden als das ernst nehmen, was er ist: eine Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland

von Debora Eller  22.07.2026

Meinung

Herr Kretschmer, es gibt nichts mit der AfD zu bereden!

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellt einmal mehr die Brandmauer in Frage und will »mit jedem reden, der reden will«. Doch reden muss man allenfalls mit den Wählern der AfD

von Michael Thaidigsmann  22.07.2026

Österreich

Hitlers Geburtshaus ist nun eine Polizeistation

1889 kam der spätere Diktator Adolf Hitler im österreichischen Braunau am Inn zur Welt. Das Gebäude wurde in der Vergangenheit immer wieder von Neonazis aufgesucht. Damit soll Schluss sein

von Matthias Röder  22.07.2026

Washington D.C.

Berichte: Trump genehmigt Atom-Deal mit Saudi-Arabien

Die Nachricht fällt mit der Eskalation des Iran-Krieges zusammen. Kritiker warnen vor einem atomaren Wettrüsten in der instabilen Region

 22.07.2026

Meinung

Es reicht!

Im Angesicht der brutalen und mutmaßlich antisemitisch motivierten Gewalttat bei Würzburg muss endlich über Verantwortlichkeiten geredet werden

von Volker Beck  22.07.2026

Berlin

Bericht des Jüdischen Forums: 329 antisemitische Vorfälle bei Demonstrationen

Als durchgängiges Motiv nennt der Bericht den Ruf nach einer »Globalisierung der Intifada«

 22.07.2026

Berlin

Dobrindt kündigt baldige Nachfolge für Antisemitismusbeauftragten Felix Klein an

Klein selbst spricht sich für eine nahtlose Übergabe aus

 22.07.2026

Würzburg

Schuster sorgt sich um Brandmauer gegen die AfD

Im September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. In Umfragen ist die AfD mit Abstand stärkste Kraft. Der Präsident des Zentralrats der Juden blickt mit Sorge auf die CDU

 22.07.2026

Augsburg

Acht Monate Haft für antisemitischen TikTok-Kommentar

»Adi warum hast du nicht alles ein Ende gebracht« soll der Verurteilte unter einen Beitrag der »Tagesschau« geschrieben haben

 22.07.2026