Bad Arolsen

Kanzlei untersucht Vorwürfe gegen Führung von Arolsen Archives

Aktenschränke im Archiv des auch als Arolsen Archives bekannten International Tracing Service (ITS) für NS-Opfer in Bad Arolsen (Hessen) Foto: picture alliance / Swen Pförtner/dpa

Nach anonym erhobenen Vorwürfen gegen die Führung des internationalen Zentrums zur NS-Verfolgung Arolsen Archives soll eine Rechtsanwaltskanzlei den Sachverhalt aufklären. Der Internationale Ausschuss als Leitungsgremium der Arolsen Archives mit Vertreterinnen und Vertretern aus elf Mitgliedsstaaten habe die Kanzlei mit der Untersuchung beauftragt, teilte eine Sprecherin des Zentrums am Mittwochabend auf Anfrage mit. »Bis zum 5. Juni 2023 können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Rahmen äußern.« Die Direktion sei gehalten, nicht zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, bis die laufende Untersuchung abgeschlossen sei.

Medienberichten zufolge werfen 25 ehemalige und aktuelle Mitarbeitende der Führung der Arolsen Archives Mobbing, Machtmissbrauch und Sexismus vor. Man nehme die Vorwürfe sehr ernst, erklärte die Sprecherin. Am 7. März habe man von einem Brief erfahren, den sowohl der Internationale Ausschuss als auch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien erhalten hätten.

Umgehende Aufklärung Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, forderte eine umgehende Aufklärung. Die Vorwürfe wögen schwer, sagte Klein dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es gelte, Schaden von einer hochangesehenen Institution abzuwenden, die auf nationaler und internationaler Ebene wichtige Arbeit in der Erinnerungskultur und im Kampf gegen Antisemitismus leiste.

Die Organisation mit Sitz im nordhessischen Bad Arolsen bewahrt persönliche Gegenstände von in Konzentrationslager verschleppten Menschen auf. Mit Freiwilligen sucht das Zentrum nach den Familien der Opfer, um die gestohlenen Erinnerungsstücke zurückzugeben. Zudem haben die Arolsen Archives das weltweit umfassendste Archiv mit Hinweisen zu 17,5 Millionen Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. dpa

Shelly Meyer

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