USA

Judenhass-Skandal: Drei Dekane verlassen Columbia University

Ein israelfeindliches Protestcamp vor der Columbia University im April 2024 Foto: picture alliance / abaca

Drei Dekane der Columbia University in New York haben die Bildungseinrichtung verlassen. Sie waren zuvor wegen eines antisemitischen Chat-Austauschs beurlaubt worden. Einige amerikanische Medien berichteten, sie seien gefeuert worden, laut anderen kündigten sie.

Es handelt sich um Susan Chang-Kim, die bisherige Vize-Dekanin des Columbia College, Cristen Kromm, eine für Studentenbelange zuständige Dekanin, und Matthew Patashnick, dessen Aufgabe es war, Studenten und ihre Familien bei Bedarf zu unterstützen. Im Gegensatz zu einem vierten an dem Skandal beteiligten Dekan entschuldigten sie sich nicht für ihr Verhalten.

Vor zwei Monaten hatten die Dekane als Zuhörer an einer Podiumsdiskussion an der Ivy League-Universität teilgenommen, bei der es um jüdisches Leben auf dem Campus ging. Da zuvor Juden- und Israelhasser bei einem »Protestcamp« Antisemitismus und Verschwörungstheorien über Israel verbreitet und Terrorverherrlichung betrieben hatten, wurde die Veranstaltung als besonders wichtig angesehen.

Uni-Chefin in der Kritik

Während das »Protestcamp« auf dem Columbia-Gelände stattfand, war die Chefin der Uni, Nemat Shafik, in die Kritik geraten. Sie unternahm nach Ansicht der Kritiker zu wenig gegen die Teilnehmer, obwohl sie dazu aufriefen, Tel Aviv niederzubrennen und schrien, »Zionisten« verdienten es nicht zu leben.

Als die vier Dekane später die Podiumsdiskussion verfolgten, wurden die Bildschirme ihrer Smartphones fotografiert. So wurde bekannt, dass sie während des Events teils antisemitische Textnachrichten austauschten. Darin hieß es unter anderem, »jüdische Personen« würden »die Situation ausnutzen, um Spenden zu sammeln.« Gemeint waren der 7. Oktober und generell der palästinensische Terror gegen Israel, den der jüdische Staat derzeit auch in Gaza bekämpft.

Als sie im Chat über einen Zeitungskommentar des Universitäts-Rabbiners diskutierten, nutzten die Dekane auch »Kotz-Emojis«.

Lesen Sie auch

»Verstörender Vorfall«

Dies ging selbst der als untätig kritisierten Columbia-Präsidentin zu weit. In einem Brief bezeichnete sie den Textnachrichten-Skandal als »verstörenden Vorfall«. »Antisemitische Klischees« seien in den Messages berührt worden. Die inakzeptablen Aussagen widersprächen den Werten und Standards der Columbia University.

In dem Schreiben, das an alle Studenten, Professoren und anderen Bediensteten verschickt wurde, hatte Nemat Shafik bereits angekündigt, sie werde die Dekane zur Verantwortung zu ziehen. Denn ihre Äußerungen seien »inakzeptabel und zutiefst beunruhigend« gewesen. Einen »Mangel an Ernsthaftigkeit gegenüber den Sorgen und Erfahrungen der Mitglieder unserer jüdischen Gemeinschaft« hätten sie vermittelt.

Josef Sorett, der Dekan des Columbia College, bleibt aufgrund seiner öffentlichen Entschuldigung im Amt.

Verharmloster Hass

In den Vereinigten Staaten wird seit dem vergangenen Jahr immer wieder Israel- und Judenhass an Universitäten verbreitet. Jüdische Studenten und Israel-Unterstützer werden nicht selten schikaniert und am Betreten des jeweiligen Campus gehindert.

Zu einem weiteren Skandal kam es im Dezember bei der Anhörung von Universitätsdirektorinnen im Washingtoner Kongress. Die inzwischen zurückgetretene Präsidentin der Harvard-Uni, Claudine Gay, war gefragt worden, ob der Aufruf zum Genozid an Juden gegen den Verhaltenskodex ihrer Universität verstoße. Die Antwort: »Es kommt auf den Kontext an.«

Weitere Uni-Präsidentinnen machten bei derselben Anhörung ebenso wenig eine gute Figur. Den Antisemitismus an ihren Institutionen schienen sie zu verharmlosen.

Die Judenhass-Welle schwappte später auch nach Deutschland über. An der Berliner Humboldt-Universität und anderen Hochschulen sprachen Teilnehmer von »Protestcamps« Israel das Existenzrecht ab und riefen zu mehr Terror gegen den einzigen jüdischen Staat sowie zu dessen Auslöschung auf.

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  10.10.2026

Das eingeschaltete Blaulicht ist auf dem Dach von einem Einsatzfahrzeug der Polizei am 28.02.2026 bei einem Polizeieinsatz zu sehen.

Deutschland

Berlin-Kreuzberg: Aushänge gegen Judenhass - Jugendliche greifen Geschäftsinhaber an

Der Staatsschutz ermittelt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026