Fachtagung

Judenhass ins Abseits

Teilnehmer der Fachtagung: Carsten Cramer, Ansgar Schwenken, Mahmut Özdemir, Maram Stern, Felix Klein und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.) Foto: Alexandre Simoes/BVB

Der BVB Dortmund ist am heutigen Mittwoch Gastgeber der Fachtagung »Antisemitismus und Profifußball: Herausforderungen, Chancen, Netzwerk«. Dabei diskutieren Repräsentanten des Zentralrats der Juden in Deutschland, des World Jewish Congress (WJC) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) darüber, was die großen Klubs mit ihren Millionen Fans zur Bekämpfung von Antisemitismus beitragen können. Auch Vertreter zahlreicher jüdischer Gemeinden und weiterer Profivereine sind mit dabei.

Carsten Cramer, der als Mitgeschäftsführer des BVB den verhinderten Geschäftsführer, Hans-Joachim Watzke, vertrat, sagte in seinem Grußwort, mit dem Wissen um die Bedeutung, Strahlkraft und Wirkung sei der Kampf gegen Antisemitismus beim BVB gelebte Überzeugung. »Wir sind mehr als ein Fußballverein. Antisemitismus ist mehr als je eine Gefahr im Hier und Heute.« Der Verein engagiere sich seit Jahren bei diesem Thema und habe als erster Klub in Deutschland auch die Arbeitsdefinition Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) übernommen.

BEDROHUNG Für DFL-Vorstand Ansgar Schwenken ist die Fachtag ein wichtiger Schritt für den DFL und den Fußball in Deutschland, denn es gelte: »Antisemitismus ist und bleibt eine wachsende Bedrohung – für die Jüdinnen und Juden in Deutschland und für unser demokratisches Gemeinwesen.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Maram Stern, der geschäftsführende Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses, hält die Fachtagung für ein wichtiges Signal. Der Kampf gegen Antisemitismus werde nicht nur durch Worte entschieden. Es brauche mehr Taten, auch rund um den Fußball: »Das enge Verhältnis der Fans zu den Vereinen ist eine Riesenchance im Kampf gegen den Antisemitismus.«

Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bekannte sich gleich zu Anfang seines Grußwortes als Borussia-Fan: »Mein Herz gehört dem BVB.« Er hätte sich gefreut, wenn der Termin der Fachtagung mit einem Spiel zusammengefallen wäre.

»Wenn wir stärkere Verbindungen schaffen zwischen dem Profi-Fußball und seinen Fans mit jüdischen Gemeinden und Organisationen, ist das eine Win-win-Situation.«

Zentralratspräsident Josef Schuster

Dann kam er zu dem ernsteren Thema der Fachtagung: Viele täten sich schwer damit, das Phänomen Antisemitismus richtig einzuordnen. Die Vereine der Bundesliga hätten das erkannt und seien aktiv geworden. »Es gibt eine Fülle von Initiativen, vor allem für die Erinnerung an Sportler, die in der Nazi-Zeit ausgeschlossen wurden oder in der Schoa ermordet wurden. Mit unserem heutigen Fachtag schlagen wir eine weitere Richtung ein: stärker in die Gegenwart.«

Von solchen Initiativen sowie von der Fachtagung erhoffe er sich langfristige Effekte, die für alle Beteiligten Vorteile bringen: »Wenn wir also stärkere Verbindungen schaffen zwischen dem Profi-Fußball und seinen Fans mit jüdischen Gemeinden und Organisationen, ist das eine Win-win-Situation.«

VERBÜNDETE Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, sagte zu Beginn der Tagung, man könne sich im Kampf gegen Antisemitismus keine besseren Verbündeten als Borussia Dortmund, den Zentralrat, den WJC und die DFL wünschen. Bewegt erinnerte er an Boris Romantschenko, der am 18. März in Charkiw getötet wurde: »Er hat Buchenwald und Peenemünde überlebt. Dass er jetzt den Raketen eines neuen Angriffskrieges zum Opfer gefallen ist, macht mich sprachlos.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Mahmut Özdemir (SPD), aus Duisburg stammender Staatssekretär im Bundesinnenministerium, hieß die Teilnehmer der Fachtagung im Ruhrgebiet willkommen: »Für uns als Ruhris ist es ein Privileg, eine Veranstaltung des WJC empfangen zu dürfen.« Özdemir versicherte, dass der Kampf gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus im Zentrum der Arbeit des Innenministeriums stehe. Man setze dabei auf eine Mischung aus Repression und Prävention.

Den Grußworten schlossen sich Seminare und Vorträge an. Die Veranstaltung im Stadion des BVB wird bis zum frühen Abend gehen.

Lesen Sie mehr in der Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

Teheran

Modschtaba Chamenei bleibt unsichtbar

Der neue »Oberste Führer« des Iran zeigt sich weiter nicht in der Öffentlichkeit. Eine verlesene Botschaft ersetzt seine Neujahrsrede

 20.03.2026

Bern

Schweiz stoppt Waffenexporte an die USA

Wegen ihres strikten Neutralitätsprinzips liefert die Schweiz vorerst keine Waffen mehr an die USA, weil diese am Krieg gegen den Iran beteiligt sind

 20.03.2026

Berlin

DIG kritisiert Deutschlands Rückzug im Verfahren zum angeblichen Genozid gegen Israel

»Deutschland opfert Israel seinen Ambitionen auf einen Sitz im Weltsicherheitsrat«, sagt DIG-Präsident Volker Beck. Und nennt es »schändlich«

 20.03.2026

Bildung

Stille im Vieh-Waggon - Jugendliche fühlen die Geschichte des ehemaligen KZ Bergen-Belsen

Jugendliche aus ganz Europa hören in Bergen-Belsen von Hunger, Enge und Angst - und stehen plötzlich selbst an den Orten des Grauens. Für viele ist der Besuch im früheren Konzentrationslager die erste intensive Begegnung mit der NS-Zeit

von Charlotte Morgenthal  20.03.2026

Argentinien

Argentinien übernimmt IHRA-Vorsitz

Das südamerikanische Land übernimmt die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Als erstes auf dem Kontinent

 20.03.2026

Oslo

Mette-Marit: Epstein hat mich manipuliert

Vertraute Mails und Liebes-Tipps: Ihre Freundschaft mit dem Sexualstraftäter hat Norwegens Kronprinzessin in Bedrängnis gebracht. Jetzt gab Mette-Marit ein Fernsehinterview

 20.03.2026

Meinung

Warum die Stellungnahme der USA beim IGH eine Enttäuschung ist

Die Intervention Washingtons vor dem Internationalen Gerichtshof nimmt zwar Israel gegen den Vorwurf des Genozids in Schutz. Sie liefert den Richtern aber kaum Argumente

von Menachem Z. Rosensaft  20.03.2026

Berlin

Berliner Spitzen-Linke kritisiert Zionismus-Beschluss

Ein Entscheid der niedersächsischen Linken gegen den »real existierenden Zionismus« sorgt auch in der eigenen Partei für Aufregung. Die Spitzenkandidatin für die Berlin-Wahl geht auf Distanz

 20.03.2026

Teheran

Iran meldet Tod von Revolutionsgarde-Sprecher bei Angriffen

Staatliche iranische Medien vermelden den Tod von Ali Mohammad Naini, der seit 2024 die Revolutionsgarde repräsentierte

 20.03.2026