Berlin

»Judenhass im Wahlkampf muss gestoppt werden«

Teilnehmer einer Kundgebung der Partei »Die Rechte« am 1. Mai in Duisburg Foto: dpa

Die Antisemitismusbeauftragten aller Bundesländer haben die judenfeindliche Wahlplakate der rechtsextremen Partei »Die Rechte« verurteilt – und die Kommunen dazu aufgerufen, gegen die Plakataktion vorzugehen. Dort heißt es unter anderem: »Israel ist unser Unglück. Schluss damit!« oder »Wir hängen nicht nur Plakate«.

Die Antisemitismusbeauftragten aller Bundesländer – sowie die mit der Wahrnehmung dieser Aufgaben betrauten Personen in Ländern, die bisher keinen Beauftragten berufen haben – sagten der Jüdischen Allgemeinen auf Anfrage: »Das Plakatieren von Wahlwerbung mit antisemitischen Inhalten im Rahmen des Europawahlkampfs überschreitet eine rote Linie. Eine solche bewusste Anknüpfung an die Propaganda der Nationalsozialisten ist in Deutschland nicht hinnehmbar. Judenhass im Europawahlkampf muss gestoppt werden!«

Die Verurteilung der Wahlplakate ist die erste gemeinsame Aktion der Beauftragten gegen Antisemitismus.

STRAFANZEIGE Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Hannover stellte unterdessen Strafanzeige wegen den Wahlplakaten der rechtsextremen Partei. Die Organisation sieht die Plakate als volksverhetzend an, wie sie am Samstag mitteilte. Unter anderem geht es um die Parole: »Israel ist unser Unglück! Schluss damit!«

Außerdem werde die mehrfach wegen Leugnung des Holocausts verurteilte Ursula Haverbeck als Opfer der deutschen Justiz dargestellt, hieß es weiter. Die rechtliche Prüfung der Anzeigen laufe, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge, am Sonntag. Dies könne sich noch ein paar Tage hinziehen.

Zuvor hatten bereits der baden-württembergische Beauftragte Michael Blume und der Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, die Plakataktion als antisemitisch verurteilt. Blume sagte dazu vergangene Woche, die Plakataktion gefährde die öffentliche Sicherheit und Ordnung. »Ich rufe die Kommunen in ganz Baden-Württemberg auf, dieser widerlichen Form des Antisemitismus durch Entfernen der Plakate mutig entgegenzutreten«, erklärte Blume.

»Die Polizei- und Ordnungsgesetze der Bundesländer bieten hinreichende Möglichkeiten dafür, dass die Kommunen gegen die Plakate vorgehen können.«

GESETZE Der Bundesbeauftragte Felix Klein sagte: »Hier wird bewusst an die Propaganda der Nationalsozialisten angeknüpft. Eine solche Hetze gegen Juden und Israel darf in unserem Land nicht geduldet werden. Nach meiner ‎Einschätzung bieten die Polizei- und Ordnungsgesetze der Bundesländer hinreichende Möglichkeiten dafür, dass die Kommunen dagegen vorgehen können.«

Wegen der Plakate waren bei Blume mehrere Beschwerden eingegangen. Die rechtsextreme Partei nutze gezielt und niederträchtig die Kombination aus Plakaten und digitalen Medien, um Angst zu verbreiten und Aufmerksamkeit zu erzeugen, erklärte er.

»Sie hofft, dadurch ausreichend Stimmen für eine Wahlkampfkostenerstattung zu ergattern – also mit Antisemitismus Geld zu verdienen und Menschen digital zu radikalisieren«, so Blume.

Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe erstattete ebenfalls Anzeige.

Am 26. Mai ist Europawahl, außerdem finden in Baden-Württemberg wie in neun weiteren Ländern Kommunalwahlen statt.

DORTMUND Auch die Staatsanwaltschaft Dortmund prüft nach einer ähnlichen Strafanzeige des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe, ob sie Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufnimmt.

»Da wir der Auffassung sind, dass die gezielte Provokation durch die Plakataktion den Straftatbestand der Volksverhetzung nach §130 StGB erfüllt, haben wir Strafanzeige gestellt«, begründete der Landesverband. »Die Inhalte dieser Plakate sind nach unserer Auffassung aufgrund folgender Aspekte volksverhetzend: Der Satz ›Israel ist unser Unglück!‹ ist eine Formulierung gleichen Gehalts, aber veränderten Wortlauts des Treitschke-Zitats ›Die Juden sind unser Unglück!‹. Dieser Satz wurde samt Ausrufezeichen als ständiger Untertitel auf der ersten Seite des nationalsozialistischen Hetzblattes ›Der Stürmer‹ genutzt. Die Verwendung dieses Zitats samt Satzzeichen beinhaltet eine bewusste Verherrlichung des Nationalsozialismus.«

Kommentar

»Wir sind keine Juden«: Die hässliche Fratze der französischen Krawalle

Es zeigt sich eine Querfront der Aggression, bei der sozialer Frust, postkolonialer Opfermythos und tiefsitzender Judenhass verschmelzen

von Ute Cohen  19.10.2026

Analyse

Hält Israels Brandmauer zur AfD?

Die deutsche Rechtsaußen-Partei wird von der israelischen Regierung boykottiert. Ein prominenter AfD-Politiker versucht nun, das zu ändern

von Joshua Schultheis  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Brandmauer nach links: Union attackiert Rot-Grün-Rot

Die Vorbereitung eines Linksbündnisses in Berlin wird von CDU und CSU scharf kritisiert. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union werden konkrete Konsequenzen gefordert - auch die nach einer neuen Brandmauer

 18.10.2026

Grüne

Banaszak: Rot-Grün-Rot braucht klare Absprachen vor Start

Grünen-Chef Felix Banaszak sieht Risiken für das geplante Bündnis aus Linken, Grünen und SPD in Berlin. Er warnt vor ungelösten Problemen

 18.10.2026

Meinung

Flugabwehr bei VW? Aber ja!

Volkswagen, Rafael und die deutsch-israelische Rüstungskooperation

von Jan-Philipp Hein  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Söder fordert Brandmauer nach links

Der Begriff Brandmauer wurde in der Union bisher vor allem für die Abgrenzung nach rechts verwendet. CSU-Chef meint, sie sollte jetzt eher an anderer Stelle eingezogen werden

 18.10.2026

IWF-Tagung

KfW-Chef: »Demokratie ist ein harter Standortfaktor«

Auch aus der Finanzwelt kommen nach den Wahlerfolgen der AfD für Deutschland ungewohnte Fragen: Ist der Standort noch so verlässlich wie bekannt? Für Investitionsentscheidungen kann das wichtig sein

 18.10.2026

Iran-Krieg

Irans Parlament stimmt für neuen Verteidigungsminister

Das Verteidigungsministerium im Iran wurde mehr als ein halbes Jahr kommissarisch geleitet. Nun übernimmt ein erfahrener Funktionär aus der Rüstungsbranche das Amt

 18.10.2026

Leitantrag für Parteitag

CSU-Parteitag: Klare Kante gegen AfD und Linkspartei

Kommende Woche steht bei der CSU ein großer Parteitag an. Als Gast wird Kanzler Merz erwartet. Inhaltlich setzt die Partei auf neue Geschlossenheit durch die Benennung klarer Feindbilder

 18.10.2026