Oberbayern

Judenhass am Urlaubsort

Nun weht sie wieder, die Reichskriegsflagge im Garten des »Gästehauses am Hochfelln« im oberbayerischen Bergen. Zwischendurch war sie gestohlen worden. Der Sachschaden soll zehn Euro betragen haben, schreibt das »Traunsteiner Tageblatt«. Zudem wurde am Bretterzaun des Gästehauses ein Graffiti gesichtet, auf dem »Nazi-Schwein« gestanden habe; es wurde entfernt.

judenschmierer Nach dem Diebstahl der Flagge, deren Zeigen in Deutschland juristisch erlaubt ist, die aber als eindeutiges Erkennungszeichen rechtsextremer Gesinnung gilt, waren Plakate im Ort aufgetaucht. »Dieser Juden-Schmierer ab in die Irrenanstalt oder ...« stand auf einem.

»Die Schilder wechseln immer wieder«, sagt Stefan Schneider, Bürgermeister des 4900-Einwohner-Dorfs. »Gegen die Reichskriegsflagge haben wir schon häufiger versucht, etwas zu unternehmen, aber die ist ja leider erlaubt.« Auf das erste Schild wurde Schneider Mitte Juni aufmerksam gemacht. Er fuhr hin, fotografierte es und übergab die Sache via Ordnungsamt der Polizei.

Viel ist dann nicht passiert, bis ein jüdischer Urlauber im Juli in Bergen Urlaub machte. »Ich war 1970 als Kind schon einmal dort und wollte wieder hin«, sagt O. (sein Name ist der Redaktion bekannt). Auch er hat eines der antisemitischen Schilder gesehen und die Polizei darauf aufmerksam gemacht. »Man sagte mir, dass ich keine Strafanzeige stellen müsse, weil es ja ein Offizialdelikt sei.« Gehört hat O. seither nichts mehr davon.

volksverhetzung Nun teilt die zuständige Staatsanwaltschaft Traunstein der Jüdischen Allgemeinen mit, dass sie im Fall des antisemitischen Plakates »den Anfangsverdacht der Volksverhetzung« bejaht. Es ist Strafanzeige gegen den 78-jährigen Betreiber des Gästehauses gestellt worden; noch ist das Verfahren nicht abgeschlossen.

»Er ist ein schwieriger Mann«, sagt Bürgermeister Schneider über den Betreiber. Und er glaubt, dass dieser sehr bewusst handelt: »Er weiß genau, was er juristisch darf, und genau so weit geht er.«

O. stellt sich andere Fragen. »Zeigt der Fall nicht, dass sich solange niemand an dem Schild stört, bis jemand kommt, den es betrifft?« Bürgermeister Schneider spricht von der Reichskriegsflagge als »Ärgernis für Bürger und Urlauber«. Der jüdische Tourist hingegen sagt über den Betreiber: »Welche Gäste hat der denn? Ganz offensichtlich stören sie sich nicht an der Flagge.«

Teheran

Iran prüft US-Vorschlag

In den Streitigkeiten um die Straße von Hormus und die fragile Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA gehen diplomatische Bemühungen weiter. Jetzt meldet sich Irans Außenamtssprecher

 06.05.2026

Berlin

Berliner Holocaust-Mahnmal beschmiert

Wieder ist ein antisemitischer Schriftzug in Berlin aufgetaucht. Dieses Mal traf es das Holocaust-Mahnmal

 06.05.2026

Analyse

»Kill all Jews« - Neue und alte Bedrohungen für Juden - Terrorexperte erwartet härtere Anschläge

Fast täglich konnte man zuletzt Nachrichten über Attacken und Hass gegen Juden in Europa lesen - nicht nur, aber auch im Zusammenhang mit Gruppen, die in Verbindung zum Iran stehen. Was das mit Betroffenen macht

von Leticia Witte und Christoph Schmidt  06.05.2026

München

Bayern: Zahl antisemitischer Vorfälle bleibt auf Rekordhoch

»Antisemitische Ausdrucksformen wurden enthemmter, bedrohlicher und direkter«, sagt Annette Seidel-Arpacı, die Leiterin von RIAS Bayern

 06.05.2026

Washington/Teheran

Bericht: USA und Iran nähern sich Vereinbarung zur Beendigung des Krieges

Kern der laufenden Gespräche ist ein auf einer einzigen Seite untergebrachtes, knappes Memorandum, das auf wenigen Punkten basieren soll

 06.05.2026

Berlin

Hubig besorgt über Zulauf zu militanten Rechtsextremisten

In mehreren Bundesländern laufen Durchsuchungen gegen Rechtsextremisten. Was die Bundesjustizministerin dazu sagt

 06.05.2026

New York

USA unterstützen UN-Resolution zu möglichen Iran-Sanktionen

Dem Regime in Teheran werden in einem von den USA unterstützten Entwurf »wirksame Maßnahmen entsprechend der Schwere der Lage, einschließlich Sanktionen« angedroht

 06.05.2026

Washington D.C.

Trump stoppt Marineeinsatz in der Straße von Hormus

Der Präsident begründet dies mit angeblichen Fortschritten in Gesprächen mit Teheran über ein Abkommen. Außenminister Rubio hatte zuvor dagegen erklärt, das »Project Freedom« stelle nun den Schwerpunkt dar

 06.05.2026

Berlin/Tel Aviv

Israel: Liefern Deutschland Kerosin

Trotz hoher Kerosinpreise hieß es zuletzt, dass die Vorräte in Deutschland reichen. Experten warnen derweil vor Engpässen. Nun helfen die Israelis eigenen Angaben zufolge aus

 06.05.2026