Amsterdam

Juden überproportional von Hassvergehen betroffen

Eine Demonstrantin in Amsterdam hält am 16. Mai ein antisemitisches Plakat in die Kamera. Foto: picture alliance / Anadolu

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in den Niederlanden ist weiterhin hoch. Nach Angaben des Zentrums für Information und Dokumentation Israel (CIDI) wurden im vergangenen Jahr insgesamt 281 Vorfälle registriert. Das sind zwar weniger als 2024 (421 Fälle) und 2023 (379 Fälle), liegt aber weiterhin klar über dem Niveau der Jahre vor 2023.

Der CIDI-Bericht für 2025 belegt: Gut ein Viertel (26 Prozent) der registrierten Diskriminierungsfälle waren antisemitisch motiviert. Der Anteil der Juden in der niederländischen Bevölkerung beträgt aber nur 0,2 Prozent. Dies bedeutet, dass jüdische Niederländer (und ggf. jüdische Ausländer) überproportional von Hassvergehen betroffen sind.

Die Organisation betont, die Entwicklung sei nicht automatisch als Entwarnung zu verstehen. Vielmehr zeige sich seit einiger Zeit ein strukturelles Problem bei der Erfassung: Immer weniger Betroffene melden Vorfälle überhaupt.

Israel mit Nazi-Deutschland gleichgesetzt

Das CIDI spricht in diesem Zusammenhang von einer wachsenden »Meldungsmüdigkeit«. Viele Betroffene hätten den Eindruck, dass Anzeigen oder Meldungen kaum Konsequenzen hätten oder keine Veränderung bewirkten. Dadurch könne die Statistik sinken, ohne dass die tatsächliche Zahl der Vorfälle im Alltag zwangsläufig zurückgehe.

Auffällig ist laut Bericht insbesondere ein Anstieg antisemitischer Vorfälle im Zusammenhang mit Demonstrationen. Während 2024 nur ein solcher Fall registriert wurde, waren es 2025 bereits acht. Diese ereigneten sich demnach vor allem im Kontext von Protesten gegen Migration sowie im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg.

Dabei handelte es sich sowohl um klassische antisemitische Verschwörungsmythen als auch um Situationen, in denen Kritik an Israel in antisemitische Aussagen überging. Bei einer Demonstration in Den Haag im Mai 2025 sei etwa der Krieg im Gazastreifen mit dem Holocaust verglichen und Israel mit Nazi-Deutschland gleichgesetzt worden.

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Beschimpfungen und Alltagserfahrungen

Auch im Bereich direkter persönlicher Anfeindungen verzeichnet CIDI weiterhin zahlreiche Vorfälle, obwohl die Zahl im Vergleich zum Vorjahr zurückging. Viele Beschimpfungen stünden in direktem Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten. Dabei werde häufig Israelkritik als Vorwand genutzt, um antisemitische Aussagen zu äußern.

In einem dokumentierten Fall seien etwa Rabbiner in Eindhoven während eines Spaziergangs massiv beleidigt worden. Dabei seien unter anderem Rufe wie »Hamas, Hamas, alle Juden ins Gas!« und anschließend »Free Palestine!« gerufen worden.

CIDI weist darauf hin, dass solche Vorfälle häufig mit einer zunehmenden Unsichtbarkeit jüdischen Lebens einhergehen. Viele Betroffene würden aus Angst religiöse Symbole wie Kippa oder Davidstern nicht mehr offen tragen.

Vandalismus und Einschüchterung

Auch Sachbeschädigungen und Schmierereien bleiben ein relevanter Bestandteil der Statistik. 2025 wurden 45 entsprechende Fälle registriert. Laut CIDI gehe es dabei nicht nur um materielle Schäden, sondern um eine gezielte Verunsicherung im Alltag jüdischer Gemeinden.

Solche Vorfälle führten dazu, dass Betroffene ihre Routinen anpassen oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen müssten. Der öffentliche Raum werde dadurch zunehmend als potenziell feindlich wahrgenommen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts liegt auf der Entwicklung im digitalen Raum. Klassische antisemitische Stereotype würden zunehmend in umkodierter Form auftreten, etwa durch den Begriff »Zionisten« statt »Juden«. Dadurch entstehe häufig eine schwerer erkennbare Form von Judenfeindlichkeit. im

Der komplette CIDI-Bericht ist hier einsehbar.

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