Debatte

»Suum cuique« bleibt das Motto der Feldjäger

Feldjäger-Stern mit der Aufschrift »Suum cuique« Foto: picture alliance/dpa

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat entschieden: Der Feldjäger-Leitspruch »Suum cuique« (»Jedem das Seine«) soll bleiben. »Frau Bundesministerin Lambrecht sieht keine Veranlassung, dieses wertegebundene Identitätssymbol vom Truppengattungsabzeichen der Feldjägertruppe entfernen zu lassen«, teilte ein Sprecher des Bundesministeriums für Verteidigung der Tageszeitung »Die Welt« mit.

Angeregt hatte die Änderung des Mottos der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. In einem Brief an Lambrecht im Juni gab Klein zur Begründung den Missbrauch des lateinischen Satzes während der NS-Zeit an.

KONZENTRATIONSLAGER So hätten die Nationalsozialisten das Motto an den Eingangstoren von Konzentrationslagern angebracht, um die Lagerinsassen zu demütigen. »In Buchenwald wurden 56.000 Menschen ermordet. Daher finde ich die Aufschrift auf der Kleidung der Feldjäger nicht länger haltbar – auch wenn sie in Latein geschrieben ist und sich gar nicht auf die Tradition der Nazis bezieht«, begründete Klein seinen Vorstoß damals.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die in den 50er-Jahren gegründete Bundeswehr stehe in einer neuen, demokratischen Tradition. Sie müsse sich deshalb klar und deutlich von der Zeit des Nationalsozialismus abgrenzen und kritisch damit auseinandersetzen, so der Antisemitismusbeauftragte in seinem Schreiben an Lambrecht. Das gelte auch für die Sprache. Die Umbenennung war auch deswegen umstritten, weil der Leitspruch vor der NS-Zeit eine andere, positive Bedeutung hatte. Das Motto geht auf den römischen Staatsmann Cato den Älteren zurück und prangt seit 1955 auf den Abzeichen der Feldjäger.

KONTEXTUALISIERUNG Unterstützung für seinen Vorstoß hatte Klein vom Zentralrat der Juden in Deutschland sowie von Politikern im Bundestag bekommen. Zentralratspräsident Josef Schuster sagte, es gebe »Redewendungen, die unauslöschlich mit dem nationalsozialistischen Massenmord verbunden sind, auch wenn sie nicht von den Nationalsozialisten erfunden wurden«. Der Historiker Michael Wolffsohn, langjähriger Professor an der Universität der Bundeswehr in München, hatte die Änderung des Leitspruchs ebenfalls angemahnt.

Der Jüdischen Allgemeinen sagte Klein nun, Lambrecht habe ihn in der vergangenen Woche angerufen und ihre Entscheidung mitgeteilt, den Feldjäger-Wahlspruch nicht zu ändern. »Wir besprachen, dass das Motto aber künftig beim öffentlichen Internetauftritt der Feldjäger kontextualisiert werden soll. Ferner werden die Angehörigen der Feldjäger bei Schulungen sowie in internen und öffentlichen Veranstaltungen im Hinblick auf die Verwendung der deutschen Übersetzung des Mottos durch die Nationalsozialisten in Zukunft sensibilisiert.«

Er begrüße das ausdrücklich, sagte Klein, verhehlte aber nicht, dass er sich »eine noch weitgehendere Entscheidung« gewünscht hätte.

Terror

Berlin am Tag zwei nach dem CSD-Anschlag

Nach dem CSD-Anschlag: Kanzler Merz kündigt Konsequenzen an, Herkunft des Todesopfers bekannt, verletzten Opfern geht es besser

 27.07.2026

Berlin

Neuköllns Integrationsbeauftragte: Härter gegen Islamismus vorgehen

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag am Rande des CSD in Berlin erklärt Güner Yasemin Balci, dass es in ihrem Bezirk sowohl mit Homophobie als auch mit Islamismus ein massives Problem gebe

 27.07.2026

New York

Angehörige von Opfern des 11. September wollen Mamdani von Gedenkfeier ausschließen

Die Betroffenen werfen dem Politiker vor, sich in der Vergangenheit nicht ausreichend von Terrorismus distanziert zu haben

 27.07.2026

Teheran

Chamenei bekräftigt Unterstützung für Hisbollah

Es gebe »keinen anderen Weg als Dschihad und Widerstand« gegen Israel, sagt der Oberste Führer

 27.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Berlin

Felix Klein: »Brandmauer muss aufrechterhalten werden«

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung wendet sich gegen eine Öffnung der CDU zur AfD. Zur Begründung nennt er das AfD-Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt

 27.07.2026

Seattle

Drei Tote und mehrere Verletzte bei Schießerei auf Foodfestival

Unter den Verletzten ist ein zweijähriges Kind. Bürgermeisterin Katie Wilson: »Betroffene Familien erleben den schlimmsten Moment ihres Lebens.«

 27.07.2026

Nahost

USA setzen Angriffe auf Iran vorerst aus – Raum für neue Verhandlungen

Der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz sagt, Washington schließe eine erneute militärische Eskalation keineswegs aus

 27.07.2026