Meinung

Jagdszenen in Kreuzberg

Hemmungslose Nazis, die gezielt auf den Köpfen einiger Gegendemonstranten herumtrampeln. Hilflose Polizisten, die von Rechtsextremisten schlicht über den Haufen gerannt werden. Unbeteiligte Fahrgäste, die in panischer Angst aus dem U-Bahnhof Mehringdamm flüchten: Der Neonazi-Aufmarsch am vergangenen Samstag in Berlin war von schockierender Brutalität und Aggressivität geprägt. In Berlins ach so beschaulichem Multikulti-Bezirk Kreuzberg haben sich regelrechte Jagdszenen abgespielt. Hätte es noch eines Beweises für die im wörtlichen Sinne »Schlagkraft« der Szene bedurft, an diesem Tag wäre er vom rechten Mob erbracht worden.

Internetforen Aber konnte der Exzess die sich nun selbstkritisch zeigenden Behörden wirklich überraschen? Unvorstellbar! Nur wer mit einer rosaroten Brille durch die Gegend läuft, dem wird die Gewaltbereitschaft gerade der »Autonomen Nationalisten« und anderer »freier Kameradschaften« entgehen. Die Polizei hätte sich im Klaren darüber sein müssen, wozu die Nazis bereit und mittlerweile auch in der Lage sind. Das war sie aber offenkundig nicht. Da kann es kaum überraschen, dass in einschlägigen Internetforen die Schläger gefeiert werden.

Der Staat hat einen herben Autoritätsverlust erlitten. Sein Gewaltmonopol ist aus Sicht der Rechten obsolet. Eine schlimme Niederlage für die sich gerne wehrhaft gebende Demokratie. Und nun? Am besten den weisen Ratschlag von Bert Brecht »Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren« beherzigen. Prügelnde Rassisten und Menschen-Verachter haben auf unseren Straßen nichts zu suchen. Dem Nazi-Mob muss Einhalt geboten werden. Mit allen rechtsstaatlichen Mitteln.

Washington D.C.

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