Interview

»Israel war weltweit Vorreiter«

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz Foto: Daniel Shaked

Interview

»Israel war weltweit Vorreiter«

Bundeskanzler Sebastian Kurz über Österreichs Corona-Exit-Strategie, Krisenmanagement und seinen Austausch mit Premier Netanjahu

von Philipp Peyman Engel  30.04.2020 08:41 Uhr

Herr Bundeskanzler, Sie haben jüngst davon gesprochen, dass Gespräche mit Israels Premier Benjamin Netanjahu Sie in der Corona-Krise wachgerüttelt haben. Was genau konnte und kann Österreich von Israel in der Bekämpfung der Pandemie lernen?
Israel hat zweifellos sehr früh rasch und effizient gehandelt und das Virus auf diese Weise schnell eingedämmt. Auch im Containment ist Israel weltweit ein Vorreiter. Premier Netanjahu hat mich früh gewarnt, dass wir in Europa das Virus unterschätzen. Ich bin Netanjahu und Israel sehr dankbar für den Austausch, den wir hatten und der am Ende dazu geführt hat, dass wir in Österreich unter den Ersten waren, die in Europa reagiert haben.

Bei der nun schrittweisen Rücknahme des Lockdown orientiert sich Israel wiederum stark an Österreich. Wie genau sieht Österreichs Modell für eine Exit-Strategie aus?
Wir haben am 14. April mit schrittweisen – behutsamen – Öffnungen begonnen. Unser Zugang in den nächsten Monaten wird ganz klar sein: so viel Freiheit wie möglich, so viel Einschränkung wie notwendig. Und entlang dieser Leitlinie werden wir in den nächsten Wochen versuchen, dem Fahrplan zu folgen, den wir als Bundesregierung ausgearbeitet haben. Ich sage aber dazu, sollten sich die Zahlen in die falsche Richtung entwickeln, dann werden wir selbstverständlich die Notbremse ziehen, die wir vorgesehen haben für den Fall, dass es notwendig wird.

Welche Rolle spielte die Frage nach Schutzmasken und Smartphone-Apps bei Ihren Gesprächen mit Premier Benjamin Netanjahu?
Wir sprechen über unterschiedlichste Bereiche. Natürlich sind Forschung und Entwicklung sowie Containment-Strategien Thema der Gespräche. Es geht um einen Austausch und darum, voneinander zu lernen. Wie Sie wissen, haben wir es mit einem Virus zu tun, das wir erst seit Kurzem kennen und das dadurch verhältnismäßig unerforscht ist.

In einer Videokonferenz haben Sie nun am Freitag mit Netanjahu und Regierungschefs anderer, wie Sie sagen, »smarter Staaten« über das weitere Vorgehen in der Krise beraten. Die Bundesrepublik hat nicht teilgenommen. Zu welchen Ergebnissen sind Sie bei den Beratungen gekommen?
Unser Ziel war, dass wir uns mit den Ländern austauschen, die besonders gut durch die Krise gekommen sind und jetzt bereits damit beginnen können, schrittweise wieder das öffentliche Leben hochzufahren. Wir haben über Erfahrungen gesprochen, wie die Länder hier vorgehen, welche Erfahrungen damit bisher gemacht wurden. Ein wesentlicher Punkt der Konferenz war auch, dass sich die Forscher der jeweiligen Länder verstärkt austauschen werden und sich Wissenschaftsvertreter auch in Wien treffen sollen. Teilgenommen haben neben Israel auch Australien, Neuseeland, Tschechien, Dänemark und Griechenland. Ich sehe es als sinnvolle Ergänzung zu den laufenden Beratungen auf europäischer Ebene. Mit den Nachbarstaaten stehen wir ohnehin in einem laufenden engen Austausch.

Sie waren der erste Regierungschef in Europa, der drastische Maßnahmen im Kampf gegen Corona durchgesetzt hat. Nun sind Sie der Erste, der die Kontaktbeschränkungen wieder gelockert hat. Führende Virologen weisen indes nach wie vor auf die große Gefahr einer zweiten oder gar dritten Welle hin, die das Gesundheitssystem wie in Italien überfordern könnte. Wie kann die Wirtschaft wieder hochgefahren werden, ohne die Gesundheit der Bevölkerung aufs Spiel zu setzen?
Wir haben in Österreich schneller und res­triktiver reagiert als andere Länder und konnten daher bisher Schlimmeres verhindern. Die schnelle und restriktive Reaktion gibt uns jetzt aber auch die Möglichkeit, schneller wieder aus dieser Krise herauszukommen. Allerdings nur dann, wenn wir weiter alle konsequent die Maßnahmen einhalten und so gut zusammenstehen, wie wir das bisher getan haben. Auch wenn wir nun eine erste Erleichterung und großen Dank verspüren dürfen, wäre es falsch zu glauben, dass das Virus besiegt ist. Denn es wird uns noch über Monate begleiten – mit Erfolgen und Rückschlägen –, bis ein wirksames Medikament oder eine Schutzimpfung gefunden ist. Bis dahin werden wir alles tun, um uns schrittweise einer neuen Normalität zu nähern.

Die Fragen an den Bundeskanzler der Republik Österreich stellte Philipp Peyman Engel.

Berlin

Mutmaßlicher Hamas-Waffenschmuggler festgenommen

Bei seiner Ankunft aus Beirut ist ein Mann am Flughafen BER verhaftet worden. Er soll der Hamas angehören und Munition für Anschläge beschafft haben

 24.01.2026

Leipzig

Extremismusverdacht gegen sächsische Beamtin und BSW-Mitarbeiterin

Die Landesdirektion will die Vorwürfe im Fall ihrer hochrangigen Mitarbeiterin prüfen. »Gegebenenfalls werden weitere Schritte eingeleitet«, sagt ein Sprecher

 23.01.2026

Stuttgart

Holocaust-Überlebende kritisiert ARD-Spitze

Eva Umlauf bezeichnet den Umgang mit dem Film »Führer und Verführer« als »Skandal und Schande«. Programmdirektorin Christine Strobl reagiert

 23.01.2026 Aktualisiert

Saarland

Religiöses Bündnis will Gottesbezug in Saar-Verfassung

Beteiligt ist auch die Synagogengemeinde Saar

 23.01.2026

Teheran

Aktivisten verifizieren 5000 Tote bei Irans Massenprotesten

Aktivisten arbeiten weiter daran, die zahlreichen Angaben zu Todesopfern der Proteste zu überprüfen. Derweil dementiert das Regime Statements von US-Präsdident Trump, wonach Irans Justiz Hinrichtungen von Demonstranten stoppte

 23.01.2026

Justiz

Ehemaliger Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin verurteilt

Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte den Angeklagten wegen eines sexuellen Übergriffs und sexueller Nötigung zu 10 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung

 23.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die ebenso umstrittene wie vielfach kritisierte ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an

von Jana Ballweber  23.01.2026 Aktualisiert

Vetschau/Spreewald

Sellner-Vortrag in Brandenburg trotz Ärger in AfD

Ein Autohaus an der Autobahn mit Medienauflauf: Der österreichische Rechtsextremist hält einen Vortrag über Remigration. Nach Knatsch in der AfD ist die Landtagsabgeordnete Kotré nur Gast statt Gastgeberin

von Marc-Oliver von Riegen  23.01.2026

Davos/Washington D.C.

Trump: Marine-Armada nähert sich dem Iran

»Wir haben viele Schiffe, die in diese Richtung fahren, nur für den Fall«, sagt der Präsident

 23.01.2026