Energiepolitik

Israel kriegt keine Kohle aus Kolumbien mehr

Kolumbiens Präsident Gustavo Petro Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Kolumbiens linksgerichteter Präsident Gustavo Petro hat seine Ankündigung vom Juni wahrgemacht und per Dekret die Ausfuhr von Steinkohle nach Israel verboten.

Anfang Juni hatte Petro diesen Schritt bereits angekündigt und im Hinblick auf Israel gesagt: »Mit kolumbianischer Kohle stellen sie Bomben her, um die Kinder Palästinas zu töten.« Man werde, so der Staatspräsident, die Exporte »nach Israel aussetzen, bis es den Völkermord beendet.«

Das am 14. August von Petro und einigen seiner Minister unterschriebene Dekret besteht aus vier Artikeln und soll diese Woche in Kraft treten. Bereits abgeschlossene Geschäfte dürfen allerdings noch abgewickelt werden.

Rund fünf Prozent der kolumbianischen Kohleproduktion wurden bislang nach Israel exportiert. Das Handelsvolumen war aber 2023 stark rückläufig und betrug nur noch rund 447 Millionen Dollar (im Jahr zuvor waren es noch 750 Millionen Dollar). Für die ersten vier Monate des laufenden Jahres wurde ein weiterer Rückgang konstatiert: Zwischen Januar und April 2024 beliefen sich die kolumbianischen Kohleverkäufe nach Israel auf 88 Millionen Dollar, fast zwei Drittel weniger als im gleichen Zeitraum des Jahres 2023.

Immer noch hängt rund ein Fünftel der israelischen Energieversorgung von importierter Steinkohle ab. Die Transaktionen wurden bislang im Wesentlichen von den Rohstoffhandelsunternehmen Glencore (Schweiz) und Drummond (USA) abgewickelt. Es wird erwartet, dass diese nun Steinkohle für Israel von anderen Bezugsquellen ordern.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Bogotá war bis zu Petros Amtsantritt vor zwei Jahren auch politisch einer der engsten Partner Jerusalems in Südamerika. Doch die amtierende Regierung unterhält seit einigen Monaten keine diplomatischen Beziehungen mehr zu Israel. Die Entscheidung zum Abbruch derselben wurde von Petro bereits am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, bekannt gegeben.

Der Präsident hat sich seit dem 7. Oktober 2023 als glühender Verfechter der palästinensischen Sache profiliert. Die kolumbianische Regierung ist zudem der Klage Südafrikas gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag beigetreten. Das jetzt von Petro unterzeichnete Dekret erwähnt diese Klage ausdrücklich und soll solange in Kraft bleiben, bis Israel die vom Internationalen Gerichtshof angeordneten vorläufigen Maßnahmen erfülle, so der Artikel 4 der Verordnung.

Israel hat in der Vergangenheit militärisches Gerät und Waffen an die kolumbianische Armee geliefert, zudem auch Medizingeräte, Maschinen, Sicherheitssysteme und Chemikalien. Kolumbien exportiert neben Kohle auch Kaffee, Blumen und Süßwaren nach Israel.

Ob das Petros Exportstopp für Kohle einen großen Effekt hat, bezweifeln viele Beobachter. Der Analyst Juan Camilo Restrepo schrieb auf X: »Ein Ausdruck von Petros tiefgreifender Ignoranz der Realität. Glencore beliefert Israel auf der Grundlage mehrerer Quellen aus seinen Minen, sei es in Indonesien, Australien und einigen anderen. Für Israel gibt es keine Nachteile, abgesehen von geringfügigen Unterschieden im Heizwert, die über den Preis aufgefangen werden.«

Kolumbien hingegen verliere rund 500 Millionen US-Dollar an Exporteinnahmen - »und das einzige, was wir gewinnen, sind die Glückwünsche von Hamas«, so Restrepo. mth

Nahost

IDF reagieren auf Angriffe mit Gegenschlägen in Gaza

Kommandeure der Terrororganisationen Hamas und Palästinensischer Islamischer Dschihad wurden nach den Angriffen ins Visier genommen

 16.01.2026

New York

AJC: Demonstranten im Iran nicht im Stich lassen

Die internationale Gemeinschaft trage die Verantwortung, »in Solidarität mit dem iranischen Volk zu handeln«, so die jüdische Organisation

 16.01.2026

Kunstakademie Düsseldorf

Jüdische Organisationen verlangen Absage von Veranstaltung mit Terror-Unterstützerin

Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender und die WerteInitiative schließen sich der Forderung der CDU in NRW an

 16.01.2026

Moskau/Jerusalem

Putin spricht mit Netanjahu: Vermittlung zu Iran?

Russland will mitmischen: In Gesprächen mit dem Ministerpräsidenten Israels und dem iranischen Präsidenten bietet sich Putin als Vermittler an. Was steckt hinter dem diplomatischen Vorstoß?

 16.01.2026

Berlin

Bündnis fordert von Bundesregierung: Protestierer im Iran unterstützen, Regime isolieren

Zu den Unterzeichnern einer entsprechenden Petition gehören auch Prominente wie die Schauspielerin Uschi Glas

von Imanuel Marcus  16.01.2026

Gastbeitrag

Wie Europas Parlamentarier über Israel denken

Der Blick europäischer Politiker auf Israel hat sich gewandelt, wie die jüngste ELNET-Befragung von europäischen Politikern zeigt

von Carsten Ovens  16.01.2026

Tel Aviv

Israelische Experten rechnen mit neuer Protestwelle im Iran

Tausende Tote, brutale Repression – doch israelische Experten sehen den Protestgeist im Iran nicht als gebrochen. Droht der Führung in Teheran ein neuer Schub zivilen Ungehorsams?

 16.01.2026

USA

Fall Mahmoud Khalil: Abschiebung wieder möglich

Die Trump-Administration erzielt in einem aufsehenerregenden Einwanderungsverfahren einen juristischen Erfolg

 16.01.2026

Berlin

Jungpolitiker fordern entschlossenes Handeln gegen iranisches Regime

Mehrere Parteijugenden schließen sich der Forderung des Jungen Forum der DIG nach einem entschlossenen politischen Handeln der Bundesregierung und der EU an – mit dem Ziel eines Regimewechsels in Teheran

 16.01.2026