Nahost

»Israel kann nicht alles ignorieren«

Ruprecht Polenz (CDU) Foto: cdu

Nahost

»Israel kann nicht alles ignorieren«

Ruprecht Polenz über den Streit zwischen Berlin, Jerusalem und der UN

von Detlef David Kauschke  07.03.2011 17:18 Uhr

Herr Polenz, zwischen Angela Merkel und Benjamin Netanjahu hat es gekracht, nachdem Deutschland im UN-Sicherheitsrat gegen die Siedlungspolitik gestimmt hat. Haben Sie Verständnis für den Unmut des israelischen Regierungschefs?
Nein. Deutschland hat wie die anderen EU-Staaten abgestimmt und im Einklang mit dem, was in den Regierungskonsultationen stets von unserer Seite betont wird: Die Siedlungstätigkeit dient keinesfalls dem Frieden und sollte gestoppt werden. Insofern kann das Abstimmungsverhalten für Israel nicht überraschend gewesen sein. Die Frage, was im Augenblick schiefläuft, sollte deshalb wohl eher an Jerusalem gerichtet werden.

Ist Merkels Kritik berechtigt, Netanjahu habe nicht einen einzigen Schritt in Richtung Frieden unternommen?
Leider ja. Die paar Erleichterungen, die es im Westjordanland gegeben hat, werden durch die Siedlungstätigkeit konterkariert. Die Kanzlerin hat einer Enttäuschung Ausdruck verliehen, die tief empfundener Solidarität mit Israel entspringt. Sie treibt die Sorge um, dass sich Israel die Chancen für Frieden und Sicherheit buchstäblich verbaut.

Zeigt nicht die arabische Revolution, dass der israelisch-palästinensische Konflikt und seine Lösung überbewertet werden?
Niemand behauptet, dass mit einem Ende dieser Auseinandersetzung alle Probleme der Region verschwänden. Trotzdem gilt: Eine Reihe von Konflikten würde durch einen Frieden wesentlich entschärft.

Zurück zur UN. Israel steht der Organisation skeptisch gegenüber. Vielleicht ja zu Recht, wenn man etwa daran denkt, dass ein Staat wie Libyen noch vor Kurzem dem Menschenrechtsrat vorstand.
Ich weiß, dass gerade die Gremien der UN vielfach unfair über Israel urteilen. Aber Jerusalem kann nicht alles ignorieren, was dort passiert. Letztlich muss sich die israelische Regierung fragen, was sie dafür tut, dass eine Zwei-Staaten-Lösung Wirklichkeit wird.

Netanjahu hat eine Friedensinitiative in Aussicht gestellt. Was erwarten Sie davon?
Ich weiß es nicht. Es hat in der Vergangenheit häufiger derartige Ankündigungen gegeben, denen nicht allzu viel Substanzielles folgte. Aber wie heißt es im Nahen Osten so schön? Man muss an Wunder glauben.

Mit dem Chef des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag sprach Detlef David Kauschke.

Debatte

Nach Rede zu Iran-Krieg: Spahn kritisiert Bundespräsidenten

Bundespräsident Steinmeier hatte den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als völkerrechtswidrig bezeichnet. Der Unionsfraktionschef hält das für anmaßend

 24.03.2026

Krieg

Iran lässt wenige Schiffe durch Straße von Hormus

Die iranischen Behörden lassen nur wenige Schiffe durch die für den Energiehandel wichtige Wasserstraße. Viele Reedereien meiden die Route angesichts von Angriffen und fehlender Versicherungen

 24.03.2026

Berlin

Urteil gegen mutmaßliche Hamas-Mitglieder erwartet

Die Terrororganisation Hamas soll in Europa Waffenlager haben, um Anschläge verüben zu können. Vom Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder erhoffte man sich auch weitere Erkenntnisse. Ist das gelungen?

 24.03.2026

Interview

»Geschichten, die Kindern guttun«

Die Jiddisch-Professorin Miriam Udel über Kinderliteratur, Ethik und Menschlichkeit

 24.03.2026

Meinung

Wie lange müssen wir noch so leben?

Seit Beginn des Iran-Kriegs werden jüdische Einrichtungen noch häufiger Ziel von Terrorattacken. Das Absurde ist: Dieser Zustand ist für Jüdinnen und Juden längst zur Norm geworden

von Laura Cazés  24.03.2026

Erinnerungskultur

Felix Klein verteidigt Wolfram Weimer gegen Buchenwald-Verbände

Zwei Angehörigen-Verbände wollen verhindern, dass der Kulturstaatsminister eine Rede in der Gedenkstätte Buchenwald hält. Mit ihrer Kritik würden sie sich selbst schaden, sagt der Antisemitismusbeauftrage

 24.03.2026

Kommentar

Bedingt lernfähig

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übt harte Kritik am Vorgehen der USA gegen den Iran. Über den Terror der Mullahs verliert er dagegen kein Wort – wieder einmal

von Ralf Balke  24.03.2026

Teheran

Bericht: Neuer Generalsekretär in Irans Sicherheitsrat

Nach der Tötung von Ali Laridschani ist im Iran ein neuer Generalsekretär für den mächtigen Nationalen Sicherheitsrat benannt worden. Das Amt bekleidet nun ein bisher eher Unbekannter

 24.03.2026

Nahost

Libanon weist iranischen Botschafter aus

Die Lage zwischen der Hisbollah und Israel spitzt sich immer weiter zu. Die Regierung in Beirut trifft nun weitere Maßnahmen, um den iranischen Einfluss einzudämmen

 24.03.2026