Meinung

Integration: Wir haben das geschafft

Günter Jek Foto: Rolf Walter

Die aktuelle Zuwanderungsbilanz gibt Anlass, darüber nachzudenken, welche Schlüsse Deutschland aus den Erfahrungen der letzten großen humanitären Aufnahmeaktion gezogen hat. Zwischen 1991 und 2006 fanden rund 227.000 jüdische Zuwanderer und ihre Familienangehörigen aus der ehemaligen Sowjetunion Aufnahme in Deutschland als sogenannte Kontingentflüchtlinge.

Durch die teilweise Nichtanerkennung der im Herkunftsland erworbenen Abschlüsse, die trotz stets wiederholt behauptetem Fachkräftemangel fehlende Akzeptanz am Arbeitsmarkt und den dadurch bedingten Bruch der Erwerbsbiografien fehlen diesen Menschen bis heute die für eine Rente notwendigen Jahre der Zugehörigkeit zum deutschen Rentenversicherungssystem. Selbst diejenigen, die eine Integration in den Arbeitsmarkt erreicht haben, erzielen kein ausreichendes Versorgungsniveau, um ohne Grundsicherung im Alter auszukommen. Im Herkunftsland erworbene Altersrenten werden meist auf die Grundsicherung angerechnet. Die älteren Zuwanderer bleiben bis zu ihrem Lebensende von Sozialleistungen abhängig.

leistungsträger Trost finden sie in der gelungenen Integration ihrer Kinder. Diese haben sich als bildungsaffin und aufstiegsorientiert erwiesen und sind als Leistungsträger in der Mitte der deutschen Gesellschaft, der Arbeitswelt und den jüdischen Gemeinden angekommen. Die jüdische Community hat einen Großteil zu dieser, wenn auch zum Teil erst in der zweiten Generation, erfolgreichen Geschichte beigetragen und die Zuwanderung als Chance begriffen.

Aktuell sehen wir die nächste große Einwanderung. Deutschland hat aus den Erfahrungen gelernt und günstigere Rahmenbedingen geschaffen. Die heutigen Zuwanderer treffen auf eine verbesserte Rechtslage bei der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, dem Anspruch auf Sprachkurse und der Begleitung der Integration. Wieder redet man von Fachkräftemangel. Günstige Voraussetzungen für eine gelungene Integration, sollte man meinen. Den Slogan der Kanzlerin – »Wir schaffen das« – wahr zu machen, liegt jetzt nicht nur in den Händen der »Aufnahmegesellschaft«, sondern auch in der Verantwortung der Zuwanderer und ihrer ethnischen Communities. Wir hoffen auf eine gemeinsame, vielfältige, tolerante und demokratische Zukunft.

Der Autor leitet das Berliner Büro der Zentralwohlfahrtsstelle.

Sachsen

Videos werfen möglicherweise Fragen zum geschilderten Hergang auf

Der Fall schlug hohe Wellen: Der Sänger Gil Ofarim hatte erklärt, wegen seiner Magen-David-Halskette in einem Leipziger Hotel antisemitisch beleidigt worden zu sein. Videoaufnahmen sollen bei der Aufklärung nun helfen

 17.10.2021

Debatte

Antisemitismus-Vorwürfe: Videos von Gil Ofarim werden ausgewertet

Laut Staatsanwaltschaft kann zum Inhalt der Videos noch keine Angabe gemacht werden

 17.10.2021

Debatte

Projekt zu Muezzinruf in Köln steht weiter in der Kritik

Ein Modellprojekt zum Muezzinruf in Köln stößt weiter auf Ablehnung. Kritiker sprechen von einer unzulässigen Bevorzugung einer Minderheit. Der islamische Gebetsruf beinhalte problematische Botschaften - und werde von vielen Muslimen nicht als notwendig erachtet

von Anita Hirschbeck  15.10.2021

Vereinte Nationen

USA zurück im UN-Menschenrechtsrat

Trotz der überwiegend gegen Israel gerichteten Hetze des UN-Gremiums will sich Washington dort wieder engagieren

 15.10.2021

»Wiedergutmachung«

428.000 Juden erhielten bislang Entschädigung vom Bund

Deutschland hat seit 1992 rund 1,1 Milliarden Euro für Härtefallzahlungen aufgewendet

 15.10.2021

Sachsen-Anhalt

AfD scheitert bei Wahl zum Landtagsvizepräsident

Die Fraktion ist zwei Mal damit gescheitert, einen Vizepräsidenten-Posten im Landtag zu besetzen

 15.10.2021

Internet

Studie: Antisemitismus auf allen Social-Media-Plattformen weit verbreitet

Junge Menschen kommen früh über Netzwerke wie Tiktok und Instagram in Kontakt mit Verschwörungsideologien und Antisemitismus

 14.10.2021

Einspruch

Update für die Freundschaft

Konstantin von Notz fordert, die Pläne für ein Deutsch-Israelisches Jugendwerk endlich entschlossen umzusetzen

von Konstantin von Notz  14.10.2021

Israelhass

Vor Gericht gescheitert

Warum die Klage der Boykott-Bewegung abgewiesen wurde

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  14.10.2021