Atomkraftwerke

Im Strom der Zeit

»Ich war begeistert von der Idee, zivile Atomreaktoren in Israel zu errichten, aber nach den Ereignissen in Japan muss das noch einmal überdacht werden.« Das sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu während der wöchentlichen Kabinettssitzung am Sonntag angesichts der drohenden Kernschmelze im japanischen Atomreaktor Fukushima. Israel sei ein kleines Land, jede Umweltkatastrophe könnte da mehr Schaden anrichten als in einem großen Land wie Japan, fügte er hinzu.

Zugleich bot der Premierminister der japanischen Regierung jede gewünschte Hilfe an, um mit den Folgen von Erdbeben und Tsunami fertig zu werden. Netanjahu forderte Minister Benny Begin, den Vorsitzenden des Ministerausschusses für Erdbeben, auf, noch in dieser Woche eine Sitzung einzuberufen, um zu beraten, wie sich Israel auf mögliche Desaster vorbereiten kann.

In Israel gibt es derzeit zwei Atomreaktoren: einen reinen Forschungsreaktor in Nachal Sorek zwischen Tel Aviv und Aschdod sowie einen weiteren bei Dimona im Negev, der offiziell auch ein Forschungsreaktor ist. In Dimona wird angeblich aber auch Plutonium für den Bau von Atombomben produziert. Israel soll über 200 oder 300 davon verfügen. Der Staat hat offiziell nie eingestanden, Nuklearwaffen zu besitzen, dieses aber auch nicht dementiert.

energiekrise Die Tageszeitung Yedioth Ahronoth berichtet, dass in Israel in jüngster Zeit die Pläne für den Bau von Atomreaktoren zur Stromerzeugung wieder intensiver vorangetrieben wurden. Schon in den 60er-Jahren sei die Gegend von Schivta in der Negevwüste als möglicher Standort festgelegt worden. Seinen Strom, bis zu 14.600 Megawatt, bezieht Israel derzeit aus mehreren Kraftwerken entlang der Küste. Die Hälfte davon wird aus importierter Kohle gewonnen. Weitere Energiequellen sind aus Ägypten geliefertes Erdgas und Schweröl. Alternative Energien wie Wind und Sonne werden bisher kaum eingesetzt.

Mit zunehmendem Umweltbewusstsein wächst der Widerstand gegen die mit Kohle oder Schweröl betriebenen Kraftwerke. Überdurchschnittlich viele Kinder leiden in deren Einzugsgebiet an Asthma. Daher wird immer wieder vorgeschlagen, Atomkraftwerke zu errichten, weil sie am saubersten arbeiten. Gleichzeitig gibt es Bedenken wegen akuter Erdbebengefahr. Die Jor- dansenke und das Tote Meer sind Teil des syrisch-afrikanischen Grabens, an dem zwei Erdplatten aufeinanderstoßen.

Experten weisen darauf hin, dass im Heiligen Land etwa alle 80 Jahre mit einem schweren Erdbeben zu rechnen sei. Dennoch wünscht sich Uzi Elam, Leiter der Abteilung für die Erforschung und Entwicklung von Waffen im israelischen Verteidigungsministerium, viele Atomkraftwerke, um das Land mit billigem und sauberem Strom zu versorgen. Am Sonntag erklärte er im Rundfunk, dass es im winzigen Israel durchaus Gegenden geäbe, in denen nicht mit Erdbeben zu rechnen sei. Erneut erwähnte er Schivta in der Negevwüste.

Doch die byzantinische Stadt wurde im 6. Jahrhundert u. Z. durch ein Erdbeben zerstört. Befragt, ob vom Atomreaktor in Dimona im Falle eines Erdbebens Gefahr ausgehen könnte, winkt Elam ab. Im Vergleich zu den Kraftwerken in Japan, in denen Hunderte Tonnen Uran als Treibstoff verwendet würden, um Tausende Megawatt Strom zu produzieren, könne der Reaktor von Dimona »nach ausländischen Quellen«, so Elam, bestenfalls 24 Megawatt erzeugen.

reaktorsicherheit Dennoch hat das Erdbeben in Japan israelische Wissenschaftler aufgeschreckt. Ron Avni, Geologe an der Ben-Gurion-Universität, forderte auf Ynet, der Online-Ausgabe von Yedioth Ahronoth, eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen in Dimona. Heute wisse man mehr über Geologie und Erdbeben als in den 50er-Jahren, als der Reaktor errichtet wurde, so Avni.

Er sei zu nah am Großen Afrikanischen Grabenbruch erbaut worden. Mittlerweile ist bekannt, dass sich dort die tektonischen Platten pro Jahr zwischen fünf und sieben Millimetern bewegen. Durchschnittlich einmal alle hundert Jahre komme es zu einem schweren Erdbeben, und niemand wisse, wie widerstandsfähig der Reaktor in Dimona sei. Das letzte große Beben fand 1927 statt.

Israel sei heute weit besser auf ein Erdbeben vorbereitet als noch vor einem Jahrzehnt, fügte Avni hinzu. Letztlich habe das Land jedoch nicht die finanziellen Res- sourcen, um für ein größeres Beben präpariert zu sein. Dies hält der Nuklearexperte Eli Stern auch gar nicht für nötig. »Nach meinem besten Wissen sind unsere Anlagen darauf ausgelegt, Erdbeben der in Israel üblichen Intensität standzuhalten«, sagte Stern der Tageszeitung Haaretz. »Wir sollten auch nicht vergessen, dass Beben von einer Stärke wie gerade in Japan hier nicht zu erwarten sind«, ergänzte er.

Selbst Japans AKWs stünden in punkto Erdbebensicherheit gar nicht so schlecht da, meint Uri Friedlander vom Geophysischen Institut Israels auf Ynet: »Die meisten Schäden richtete der Tsunami an.«

Jerusalem/Washington D.C.

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