Interview

»Ich favorisiere Armin Laschet«

Karin Prien Foto: Uwe Steinert

Interview

»Ich favorisiere Armin Laschet«

Karin Prien über die CDU-Vorstandswahl und die Zeit nach der Kanzlerschaft von Angela Merkel

von Michael Thaidigsmann  14.01.2021 09:23 Uhr

Frau Prien, die CDU wählt einen neuen Parteichef. Wer soll es werden?
Ich favorisiere Armin Laschet. Er ist regierungserfahren, kann Wahlen gewinnen, vertritt den Kurs einer bürgerlich-progressiven Mitte, hat große interkulturelle und europapolitische Kompetenz und steht für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, den wir in und nach der Krise so dringend brauchen.

Steht Deutschland nach der Kanzlerschaft Angela Merkels vor einem politischen Umbruch oder eher vor dem »Weiter so«?
Weder noch. Unser Land befindet sich in einem Veränderungsprozess. Europa und die ganze Welt sortieren sich neu. Ein neuer CDU-Vorsitzender wird neue Impulse setzen müssen. Wir stehen vor großen Herausforderungen, aber es war immer die Stärke der Union, nicht die harten Umbrüche zu propagieren, sondern die große Mehrheit der Menschen bei gesellschaftlichem Wandel mitzunehmen.

Wie bewerten Sie Merkels Arbeit in Bezug auf jüdisches Leben in Deutschland?
Sie ist eine außergewöhnliche Politikerin. Die besondere Bedeutung jüdischen Lebens in Deutschland war ihr immer bewusst, und sie war Teil ihres Regierungshandelns. Im Großen, aber auch in vielen kleinen Dingen hat Angela Merkel einen wirklichen Beitrag zu christlich-jüdischer Solidarität in Deutschland geleistet. Das merkt man auch daran, dass sie das Jüdische Forum in der CDU ins Leben gerufen hat.

Dessen Vorsitzende sind nun Sie. Warum gibt es neben Ihnen in Deutschland so wenige jüdische Spitzenpolitiker?
Ich kenne schon einige, die sich politisch in der CDU engagieren. Aber viele scheuen sich wahrscheinlich davor, offensiv ihren Glauben oder ihre Herkunft zu kommunizieren. Da kann es ja durchaus negative Reaktionen geben. Und es gibt in Deutschland kaum noch politisch tief in der Gesellschaft verwurzelte jüdische Familien. Die kommen aber nach und nach wieder.

Ist der Anstieg des Antisemitismus in den letzten Jahren nicht auch ein Indiz für politisches Versagen, gerade in Deutschland?
Wissen Sie, viele Leute meinen, Patentrezepte gegen Antisemitismus zu haben. Aber leider funktionieren einfache Lösungen nicht. Nicht alle politischen Entscheidungen sind richtig, manche sind sogar grotesk falsch – übrigens von Politikern aller Parteien. Das gehört zur politischen Realität. Positiv fällt mir auf, dass der Kampf gegen den Antisemitismus eine immer wichtigere Rolle im gesellschaftlichen Diskurs spielt und engagierte Befürworter hat.

Außenpolitisch hat Angela Merkel immer die Sicherheit Israels als »deutsche Staatsräson« hervorgehoben. Aber wie manifestiert sich das jenseits der hehren Worte in der Praxis?
Das fängt damit an, dass Deutschland sehr klare Grenzen auch im Gespräch mit Dritten zieht. Israels Sicherheit ist nicht verhandelbar. Wir arbeiten an vielen Stellen eng mit den Israelis zusammen. Nicht immer laut und mit viel Presse, aber effektiv. Denken Sie nur an die vielen Kooperationen zwischen der Bundeswehr und der IDF.

Durch die Corona-Pandemie und das Aufkommen von Populisten in vielen Ländern sind selbst starke Demokratien wie die USA ins Wanken geraten. Glauben Sie, dass sich nach Trumps Abgang die Lage dort wieder beruhigen wird?
Trump ist ein Symptom des Problems und hat wie ein Brandbeschleuniger gewirkt. Aber wer denkt, mit Trump werde das Problem verschwinden, der irrt. Überall in der westlichen Welt sind Demagogen und Populisten unterwegs und bauen ihren Erfolg auf Hass, Hetze und Zwietracht auf. Dem müssen wir uns entgegenstellen. Es ist wichtig, dass wir eine Polarisierung der politischen Lager in Deutschland nicht zulassen.

Trumps Twitter- und Facebook-Konten wurden jetzt gesperrt, die von Diktatoren bleiben dagegen unangetastet. Wird da nicht mit zweierlei Maß gemessen?
Die Sperrung von Trumps Zugängen war sicherlich eine öffentlichkeitswirksame Reaktion der Betreiber der sozialen Netzwerke. Die haben ja bislang enorm von Trump und Co. profitiert. Und jetzt will man wohl noch schnell ein Zeichen setzen… Grundsätzlich erwarte ich von Twitter und Facebook, dass sie Mindeststandards durchsetzen und aktiv gegen Hetze und Hass im Netz vorgehen. Diese sozialen Netzwerke sind ja keine kleine Eckkneipe, wo allein Wirt entscheidet, wer bei ihm am Tresen sitzen darf. Sie besitzen vielmehr eine Kommunikationsmacht, die auch Verantwortung erfordert.

Apropos Diskurs: Einige Kulturschaffende sehen in der BDS-Debatte die Meinungsfreiheit in Gefahr. Was meinen Sie?
Ich frage mich manchmal, ob die BDS-Kampagne nicht viel zu viel Aufmerksamkeit bekommt. Jeder hat das Recht, Unfug zu erzählen und sich selbst zu blamieren.

Mit der CDU-Politikerin und Bildungsministerin von Schleswig-Holstein sprach Michael Thaidigsmann.

Teheran

Erneut Hinrichtung nach Massenprotesten im Iran

Die iranische Führung schlug die Proteste im Januar brutal nieder. Seitdem werden immer wieder Menschen exekutiert. Die Hinrichtungen sind auf einem Rekordniveau

 23.08.2026

Sachsen-Anhalt

Magdeburger CDU-Abgeordneter offen für Gespräche mit Linken

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt drohen komplizierte Mehrheiten: Dabei wird auch immer wieder eine Zusammenarbeit von CDU und Linken gegen die AfD diskutiert

 23.08.2026

Landtagswahlen

Umfrage: Jeder Zweite hält die AfD für rechtsextrem

Brandmauer? Parteiverbot? Über den richtigen Umgang mit der AfD sind sich die Menschen uneins. Das Insa-Institut hat gefragt, was sie über die Partei denken

 23.08.2026

Debatte

Schramm unterstützt Knobloch in AfD-NSDAP-Vergleich

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen warnt vor einer Normalisierung rechtsextremer Positionen. Der wachsende zeitliche Abstand zur NS-Zeit dürfe nicht dazu führen, dass die Lehren aus der Geschichte verblassen, betont er

 23.08.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragter befürwortet schärferes Strafrecht

Felix Klein fordert unter anderem härtere Strafen für die Unterstützung der Hamas auf Demonstrationen. Und auch an den Schulen müsse sich etwas ändern

 23.08.2026

Deutschland

Weil er sich israelsolidarisch äußerte: Mann wird mit Cuttermesser an Berliner U-Bahnhof angegriffen

Die Hintergründe

 22.08.2026

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026