Libanon

Hinter den Barrikaden

Touristenattraktion im Südlibanon: Luftabwehrstellung der Hisbollah Foto: getty

Die libanesischen Soldaten am Checkpoint in Kasmiyeh schauen jedem Autofahrer bei der Durchfahrt fest in die Augen. Kasmiyeh, direkt am Litani-Fluss, markiert den Eingang ins Operationsgebiet der UNIFIL-Friedenstruppe im Südlibanon. Dahinter befindet sich eine Stellung des südkoreanischen Kontingents. In ihren weißen, gepanzerten Fahrzeugen haben sich die Koreaner hinter Betonbarrikaden und Stacheldraht verschanzt.

Ruhephase Die Aufgabe der rund 12.000 Blauhelme ist die Überwachung der Waffenruhe an der Grenze. Die Entwaffnung der Hisbollah gehört aber nicht zu ihrem Mandat. Eine Lösung dafür, so betont es auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, müsse innerhalb des nationalen Dialogs im Libanon erreicht werden. Doch derzeit gibt es in Beirut wenig Interesse, dieses heiße Eisen anzufassen. Die Formel, die Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah beschwört, lautet: »Die Armee schützt den Widerstand ebenso wie der Widerstand die Armee beschützt, und das Volk schützt beide.« Die Präsenz von UNIFIL und der Armee im Süden, die einen Puffer zwischen der Hisbollah-Miliz und Israel bilden, hat für die bisher längste Ruhephase an dieser Grenze gesorgt. Bis es Anfang August zu einem Schusswechsel zwischen der israelischen und der libanesischen Armee kam.

Israelischen Angaben zufolge hat die von Syrien und Iran unterstützte Hisbollah massiv aufgerüstet und verfügt über mindestens 40.000 Raketen, einige davon mit einer Reichweite von rund 250 Kilometern. Die Schiitenmiliz hat diese Angaben weder dementiert noch bestätigt. Nasrallah räumte den Besitz von Langstreckenwaffen allerdings indirekt ein: »Wenn Israel den internationalen Flughafen in Beirut bombardiert, beschießen wir den internationalen Flughafen in Tel Aviv.«

Arsenal Nach der Aufstockung der UNIFIL-Truppen und der Verlegung der Armee in den südlichen Grenzbereich 2006 haben sich die Hisbollah-Kämpfer weitgehend in die Bekaa-Ebene zurückgezogen. Israel beklagt, dass die Miliz trotz allem Stellungen und Waffenlager im Südlibanon unterhalte. Auch soll die Hisbollah über eine moderne Luftabwehr verfügen. Doch nicht nur die technischen Verbesserungen des Hisbollah-Arsenals dürften dazu führen, dass ein neuer Krieg für beide Seiten zerstörerisch werden dürfte. Israel hat klargemacht, dass in Zukunft nicht nur die Hisbollah als Feind zu betrachten sei, sondern auch die Regierung, die die Islamisten gewähren lässt.

Laut Hisbollah-Expertin Amal Saad-Ghorayeb hat die Schiitenmiliz das Training und die Zahl ihrer Elitekämpfer ausgeweitet. Ziel Nasrallahs ist ein Sieg gegen Israel. Auch Israel strebt an, das Hisbollah-Problem ein für alle Mal zu erledigen. Bisher hat diese gegenseitige Abschreckung funktioniert. Beobachter gehen davon aus, dass sich die Wahrscheinlichkeit eines Krieges langfristig erhöht. Auch wenn niemand bislang eine militärische Auseinandersetzung riskiert.

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Gedenken

Zwei Buchenwald-Verbände gegen Auftritt von Wolfram Weimer

In der Gedenkstätte Buchenwald wird am 12. April an die Befreiung des Konzentrationslagers erinnert. Geplant ist ein Grußwort von Kulturstaatsminister Weimer. Zwei Verbände haben damit ein Problem

 23.03.2026

Krieg

Merz begrüßt vorläufigen Verzicht auf US-Kraftwerksangriffe im Iran

US-Präsident Donald Trump nimmt scharfe Drohungen gegen den Iran vorerst vom Tisch. Die Bundesregierung begrüßt das und bietet Mithilfe bei anderen Bemühungen an

 23.03.2026

Nahost

G7 verurteilen iranische Angriffe scharf und warnen vor Eskalation

In einer gemeinsamen Erklärung der G7-Außenminister ist von »nicht zu rechtfertigenden Angriffen« und einer Gefahr für die Stabilität die Rede

 23.03.2026

Schutz jüdischer Studenten

Klage von Lahav Shapira gegen FU Berlin abgewiesen

Der Gaza-Krieg sorgt auch an Berliner Hochschulen regelmäßig zu Protesten. Ein jüdischer Student fühlt sich nicht mehr sicher und zieht vor Gericht. Was sagen die Richter?

 23.03.2026

Berlin

Außenministerium stellt sich hinter Botschafter Seibert

Israels Außenminister kritisiert den deutschen Botschafter wegen Aussagen zur Siedlergewalt. Außenminister Wadephul telefoniert mit seinem Kollegen - und wiederholt die Kritik

 23.03.2026

Teheran

Können iranische Raketen nun Europa erreichen?

Nach dem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia rückt auch Europa in den potenziellen Zielkorridor iranischer Raketen. Muss man sich in Berlin nun Sorgen machen?

von Arne Bänsch  23.03.2026

Griechenland

US-Flugzeugträger legt für Reparaturen auf Kreta an

Brand in der Bordwäscherei, Probleme mit Toiletten: Die »USS Gerald R. Ford« macht auf Kreta Halt. Ermittler der US-Marine gehen der Ursache des Feuers nach

 23.03.2026

Nahost

Iran dementiert Verhandlungen mit den USA

US-Präsident Donald verschiebt ein Ultimatum und verweist auf »produktive Gespräche« mit dem Iran. Aus Teheran kommt ein Dementi

 23.03.2026