Meinung

Hass liegt im Trend

Eines ist gut: Der Antisemitismus geht zurück. Dies ist ein Ergebnis der Langzeitstudie »Deutsche Zustände«, die gerade von einem Team um den Bielefelder Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer präsentiert wurde. Behauptungen, Juden hätten zu viel Einfluss oder sie seien an ihrer Verfolgung selbst schuld, gingen im Lauf der vergangenen zehn Jahre um mehr als ein Drittel zurück.

kumulation Doch ist es wirklich gut? Die Gesamtheit dessen, was die Forscher »gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit« nennen, ist weiter enorm groß: Mal geht’s mehr gegen die eine Gruppe, mal mehr gegen die andere, und sicher fühlen kann sich niemand. Ereignisse wie der 11. September 2001, die Wirtschaftskrise seit 2008, aber auch die Ängste vieler Menschen, die mit der Einführung von Hartz IV verbunden sind, lassen Hass wachsen und immer wieder zu Gewalt werden. Die Soziologen müssen konstatieren, dass es noch »keine Kumulation der Effekte« gegeben hat. Anders formuliert: Die Schwulenhasser, die Frauenfeinde, die Islamgegner und die Antisemiten verteilen sich auf verschiedene Milieus. Noch.

Doch es sind äußere Umstände, die begünstigen, dass die Hasser sich verbünden. Ihre Befunde haben die Forscher mit dem Begriff des »entsicherten Jahrzehnts« zusammengefasst: Sozialstaatliche Sicherheiten sind genauso zur Abschaffung freigegeben wie zivilisatorische Errungenschaften, die bislang so manche Eruption unterbunden haben. Gerade die Fähigkeit der politischen Parteien, diese Gruppen zu binden, hat dramatisch nachgelassen. Und ob die Bereitschaft der Parteien, auf jene Menschen einzuwirken, die aus der gesellschaftlichen Mitte heraus ihren Hass säen, jemals besonders ausgeprägt war, muss bezweifelt werden.

Dass sie zehn Jahre lang genau hingeschaut haben, was sich in Deutschland entwickelt, wo Hass wächst, gegen wen er sich richtet und wie er sich verändert, ist das große Verdienst der Soziologen. Mit dem Befund, dass die deutschen Zustände zu Anfang dieses Jahrhunderts nicht gut sind, muss die Gesellschaft nun etwas anfangen.

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026