Meinung

Gysi, wir haben ein Problem

Zum ersten Mal geben führende Linkspartei-Politiker zu: Ja, wir haben bei uns ein Problem mit Antisemitismus, und dem müssen wir uns stellen. Als vor wenigen Wochen die Diskussion darum gerade wieder entbrannt war, versuchte der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi, diese durch einen Beschluss auch gleich wieder zu beenden, indem er einem Boykott israelischer Produkte ebenso wie der Forderung nach einer Ein-Staaten-Lösung eine klare Absage erteilte. Auch die erneute Beteiligung an der geplanten Gaza-Flottille wurde von der Partei ausgeschlossen.

Parteibeschluss Gleichwohl wird die innerparteiliche Kritik an Gysi immer lauter. Auf der einen Seite. Auf der anderen unterstützen Professoren wie Mario Keßler und Theodor Bergmann, die der Linkspartei politisch nahestehen, das umstrittene Fraktionsvotum. Dies freilich heißt: Der Streit ist in vollem Gange. Gysi hat sich verkalkuliert. Der Riss innerhalb der Linkspartei hinsichtlich der Frage nach dem Zusammenhang von Antizionismus und Antisemitismus geht viel tiefer und könnte letztlich dazu führen, dass die grundlegenden Differenzen nicht mehr zu kitten sind. Mittlerweile hat sich auch Dieter Graumann geäußert, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er bemängelte die halbherzigen Versuche der Linken, sich von antisemitischen Positionen klar abzugrenzen. Zu Recht. Gut an all dem ist zumindest, dass die Debatte über linken Antisemitismus nicht einfach per Parteibeschluss beendet werden kann. Sie geht weiter. Mit ungewissem Ausgang.

Der Autor ist Gründungsmitglied des BAK Shalom in der Linkspartei und Co-Autor der Studie »Antisemiten als Koalitionspartner?«

Sicherheit

Der NATO-Gipfel darf nicht zum Kniefall vor dem nationalislamistischen Autokraten Erdoğan werden

Ein Kommentar von Ali Ertan Toprak

von Ali Ertan Toprak  08.07.2026

Nahost

US-Militär meldet Angriffe auf Ziele im Iran

USA reagieren auf Beschuss von Schiffen in der Straße von Hormus

 08.07.2026 Aktualisiert

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der umstrittene Podcaster Ben Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Beitrag für Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Die Bundesrepublik will sich künftig verstärkt an der Finanzierung beteiligen

 07.07.2026

Nahost

Schon wieder Tanker in der Straße von Hormus beschossen

Viele Details gibt es zunächst nicht. Klar ist: Normal befahrbar ist die Straße von Hormus noch immer nicht

 07.07.2026

Berlin

Antisemitischer Pöbler soll radikaler Palästina-Aktivist sein

Am Samstag beschimpfte ein Mann ein Pärchen mit Kind mit den Worten »Fuck Jews«. Jetzt stellt sich heraus: Der Täter hat eine politisch bewegte Vergangenheit

 07.07.2026

Frankreich

Präsidentschaftskandidatin mit Fußfessel?

Ein Gericht hat die Gründerin des Rassemblement National wegen massiver Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt. Sich für die Nachfolge von Emmanuel Macron bewerben darf Marine Le Pen dennoch - mit einer wichtigen Einschränkung

 07.07.2026

Schweiz

Ein Jahr Gefängnis für jugendlichen Täter

Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 auf der Straße einen orthodoxen Juden niedergestochen. Am Dienstag wurde der 17-Jährige verurteilt

von Nicole Dreyfus  07.07.2026

Straßburg

Parteienfamilie der AfD auf EU-Ebene kommt auf den Prüfstand

Die rechte Parteienfamilie Europa der souveränen Nationen (ESN) steht im Visier der Aufsichtsbehörde. Es geht um mögliche Verstöße gegen Kernwerte der EU. Auf dem Spiel stehen Fördermittel

von Valeria Nickel  07.07.2026