Berlin

Gutachten missverstanden: Bundestagsdienst bewertet Iran-Angriffe nicht abschließend

Einfahrt zur Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz Foto: picture alliance / AP Images

Eine verbreitete Darstellung über ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags zum Krieg gegen Iran ist offenbar verkürzt. Zu diesem Schluss kommt die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (FAZ). Anders als zunächst berichtet, treffen die Autoren keine eigene eindeutige Bewertung, ob die Angriffe der USA und Israels gegen das Völkerrecht verstoßen.

Auslöser der Debatte war eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die den Eindruck erweckte, die Bundestagsjuristen hätten die Militäraktionen als rechtswidrig eingestuft. Tatsächlich basiert das Gutachten auf einer Anfrage des Linken-Abgeordneten Ulrich Thoden und verfolgt einen anderen Schwerpunkt.

Im Zentrum der Ausarbeitung stehen rechtliche Fragen zur möglichen Verantwortung Deutschlands im Zusammenhang mit dem militärischen Vorgehen der USA gegen das Teheraner Regime, insbesondere durch den Einsatz der US-Luftwaffenbasis Ramstein. Die Autoren untersuchen dabei, welche Konsequenzen sich ergeben könnten, wenn die Angriffe gegen Iran völkerrechtswidrig wären.

Folgen für Deutschland

Dieses Vorgehen entspricht einem juristischen Gedankenexperiment: Es wird unterstellt, dass ein Verstoß vorliegt, um daraus mögliche Folgen für Drittstaaten wie Deutschland abzuleiten. Eine eigene Festlegung, ob die militärischen Aktionen tatsächlich rechtswidrig sind, vermeiden die Gutachter laut FAZ bewusst.

Lesen Sie auch

Zwar wird erwähnt, dass »nach herrschender Ansicht« in der Rechtswissenschaft eine solche Einschätzung verbreitet sei, doch bleibt dies dem Blatt zufolge eine Wiedergabe des Diskussionsstands – keine eigene Position der Verfasser.

Auch hinsichtlich möglicher Folgen für Deutschland bleiben die Ausführungen vorsichtig. So wird lediglich darauf hingewiesen, dass eine völkerrechtliche Verantwortung theoretisch entstehen könnte, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt wären. Dazu zählt etwa, dass überhaupt ein völkerrechtswidriger Angriff vorliegt.

»Völkerrechtswidrigkeit der Angriffe«

Zudem müsste Deutschland in relevanter Weise dazu beigetragen haben und über entsprechende Kenntnisse verfügt haben. Wie genau diese Voraussetzungen im konkreten Fall zu bewerten sind, lassen die Autoren des Gutachtens offen.

Entsprechend vorsichtig formulieren sie ihr Ergebnis: Es sei »nicht ausgeschlossen«, dass Deutschland durch die Nutzung von Ramstein Beihilfe leisten »könnte« – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen und abhängig von den konkreten Umständen.

Der Auftraggeber des Gutachtens, der Linken-Abgeordnete Thoden, zog dennoch weitreichende politische Schlussfolgerungen. Die FAZ zitierte ihn mit den Worten, die Bundesregierung stehe »vor dem Scherbenhaufen ihrer Iranpolitik«. Er sprach der Analyse des Blattes nach von einer Bestätigung der Völkerrechtswidrigkeit der Angriffe. Zugleich forderte er, die Nutzung amerikanischer Militärstützpunkte in Deutschland für den Krieg zu untersagen. im

Mittelmeer

Gaza-Flottille legt ungeplant auf Kreta an

Außenministerium in Jerusalem: Terrorverdacht gegen einen der Teilnehmer – zwei Aktivisten werden nach Israel gebracht

 01.05.2026

Bundesrats-Vorstoß

Zentralrat: Aufruf zur Vernichtung Israels soll strafbar sein

Bericht: Die Bundesländer Berlin und Brandenburg haben noch keine abschließende Position festgelegt

 01.05.2026 Aktualisiert

Jüdische Gemeinden

Das neue angstvolle »Normal«

Wie haben sich der 7. Oktober 2023 und die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten ausgewirkt? Der neue Lagebericht des Zentralrats der Juden in Deutschland

von Katrin Richter  01.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  01.05.2026

Berlin

CDU-Präsidium tagt in Chabad-Synagoge

Die Parteispitze will damit ein Zeichen setzen

 01.05.2026

Urteil

Buchhandlungspreis: Gericht untersagt Weimer Extremismus-Äußerung

Die Buchhandlungspreis-Affäre lässt Kulturstaatsminister Weimer nicht los. Die unter Extremismusverdacht geratenen Buchhandlungen wehren sich

 30.04.2026

Washington D.C.

Größter US-Flugzeugträger soll Nahen Osten verlassen

Erstmals seit Jahrzehnten sind wieder drei US-Flugzeugträger im Nahen Osten - das verkündete das US-Militär vergangene Woche. US-Medien zufolge dürfte sich das aber schon bald wieder ändern

 30.04.2026

Washington D.C.

Trump drängt erneut auf Begnadigung Netanjahus

»Bibi ist ein Premierminister im Krieg. Mit so etwas im Nacken kann er nicht arbeiten«, sagt der amerikanische Präsident

 30.04.2026

Ralf Fischer

Kollegah: Judenhass in Reimform

Warum schweigen alle zu dem offenen Antisemitismus von Felix Blume aka Kollegah?

 30.04.2026