Meinung

Großbritannien: Was tun gegen Judenhass?

Daniel Zylbersztajn Foto: privat

In der vergangenen Woche hat der Community Security Trust (CST) die britische Öffentlichkeit schockiert: Nie zuvor gab es so viele antisemitische Vorfälle wie 2016. Der CST ist zuständig für die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaften im Königreich, doch einen ähnlichen Befund hatte schon die regierungsamtliche Statistik im Juni 2016 vermerkt.

Dort wird etwa ein 34-prozentiger Anstieg der Hasskriminalität gegen Menschen aufgrund ihrer Religion konstatiert. Diese richtet sich nicht nur gegen Juden, sondern vermehrt auch gegen Muslime. Nach dem Brexit-Referendum wurden auch Osteuropäer Zielscheibe englischen Hasses.

rechtsextreme Bei den von CST erfassten antisemitischen Angriffen fällt auf, dass sie hauptsächlich von »weißen Männern« begangen wurden; nur ein kleiner Teil von anderen Tätern, und davon wiederum nur eine Minderheit von Menschen arabischer oder nordafrikanischer Herkunft. Dies verweist deutlich darauf, dass der Großteil des antijüdischen Hasses aus den Reihen des extrem rechten, vielleicht auch extrem linken Milieus kommt – von den »weißen Männern« eben.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wollte bei seinem jüngsten Besuch in London das Anwachsen des Antisemitismus bei Premierministerin Theresa May ansprechen. Das ist richtig, denn der Antisemitismus gedeiht in einem bestimmten politischen Umfeld: etwa antijüdischen und antiisraelischen Beschlüssen, erinnert sei an die UNESCO-Resolution, die eine jüdische Verbundenheit zu Jerusalem bestreitet.

unterhaus Doch ist das alles? Darf, wer über Antisemitismus spricht, Donald Trump ignorieren? Zu seinen europäischen Unterstützern gehören Personen wie Le Pen oder Wilders. Nicht nur deshalb ist ein großer Teil der Juden in der Diaspora besorgt über den neuen US-Präsidenten. So untersagte John Bercow, Jude und von den Konservativen kommender Sprecher des Unterhauses, Donald Trump, bei seinem Staatsbesuch im Sommer vor dem Unterhaus zu sprechen: Rassismus habe im Parlament nichts zu suchen.

Bezüglich Netanjahu stellen sich viele britische Juden drängende Fragen: Würde Israels Premier nicht nur Donald Trump, sondern auch Marine Le Pen loben, wenn es ihm strategisch gerade in den Kram passt? Die Antwort, so ist zu befürchten, gibt es schon. Funktionäre des Likud haben den Generalsekretär von Le Pens Front National bei einem Israelbesuch im Januar sehr herzlich begrüßt.

Der Autor ist freier Journalist in London.

Erinnerung

Gemeinsam gegen das Vergessen

Es ist das erste Mal, dass Juden, Protestanten und Sinti und Roma zusammen in Auschwitz gedenken

von Franziska Hein  03.08.2020

Halle

Gericht bereitet Verlängerung des Prozesses vor

Am fünften Prozesstag bestätigt ein Gutachten zudem die Gefährlichkeit der Waffen des Attentäters

 03.08.2020

Berlin

Samuel Salzborn ist neuer Beauftragter gegen Antisemitismus

Der Politikwissenschaftler ist heute von Justizsenator Dirk Behrendt in das Amt berufen worden

 03.08.2020 Aktualisiert

Jesiden

Hilfe und Schutz gefordert

»Dieser Genozid darf nicht einfach vergessen werden«

 03.08.2020

Meinung

Nie wieder Opfer!

Aus der Geschichte gibt es für uns Juden nur eine Konsequenz: stark, selbstbewusst und souverän sein

von Arye Sharuz Shalicar  02.08.2020

Polen

Juden, Protestanten und Sinti und Roma gedenken gemeinsam in Auschwitz

Am Roma-Holocaust-Gedenktag haben hochrangige Religionsvertreter an das Schicksal von Sinti und Roma erinnert

 02.08.2020

Geschichte

Zentralrat der Juden und EKD werben für mehr Wissen über Judentum

Zugleich müsse Tendenzen entgegengetreten werden, die Antisemitismus wieder hoffähig machen

 02.08.2020

Debatte

»Hannah Arendt war das Gegenteil einer Rassistin«

Ministerpräsident Winfried Kretschmann wettert gegen »Sprachpolizisten« - und verteidigt seine Lieblingsphilosophin

 02.08.2020

Parteien

Die SPD ist Sarrazin los - aber das Drama geht wohl weiter

Die SPD-Spitze triumphiert, Thilo Sarrazin schaut grimmig. Nachdem das höchste Parteigericht seinen Rauswurf abgesegnet hat, ist der umstrittene Autor kein Mitglied mehr. Kehrt jetzt Ruhe ein? Es sieht nicht danach aus

von Teresa Dapp  31.07.2020