Meinung

Ghettorente: Immer noch kein Ende

Rabbiner Raphael Evers Foto: Alexandra Roth

Meinung

Ghettorente: Immer noch kein Ende

In den Niederlanden wird das knappe Altersgeld versteuert. Die Proteste dagegen müssen noch stärker werden

von Rabbiner Raphael Evers  07.05.2018 12:22 Uhr

Wären wir in Deutschland geblieben, hätte ich keine Steuern zahlen müssen», sagt Inge Prenzlau. Die 86-Jährige, die als Kind im Ghetto arbeiten musste, erhält seit 2014 ein kleines zusätzliches Altersgeld von monatlich 130 Euro. Bei anderen Empfängern sind es teils nur 25 Euro. Sie ist einer von nur noch etwa 150 Menschen, die es in den Niederlanden betrifft. In Deutschland ging der Streit um die Ghettorente bis 2017. Viel zu lange.

Doch im Nachbarland ist er noch nicht ausgestanden. Wenn es nach den niederländischen Steuerbehörden geht, ist die Zahlung selbst zwar steuerfrei, aber sie wird bei der Ermittlung des Steuersatzes als Einkommen berücksichtigt; das gilt auch noch für die Höhe der Sozial- und der Krankenversicherung und anderes. Wer in den Niederlanden also die kleine Ghettorente erhält, läuft Gefahr, dass ihm dadurch finanzieller Schaden entsteht.

unmoralisch Dagegen gab es Proteste – nicht nur von der kleinen Gruppe der Empfänger, die sich gezwungen sah, einen Schutzverband zu gründen, sondern auch international, etwa vom Simon Wiesenthal Center. «Es ist eine unmoralische Steuer», schrieb das Wiesenthal-Zentrum in einem Brief an die niederländische Innenministerin Kajsa Ollongren.

Doch die Behörden blieben zunächst stur. Man könne doch für diese Gruppe keine Ausnahme machen. So etwas sei technisch doch gar nicht möglich, ja, es könnte unter Umständen ein Präzedenzfall für andere Gruppen geschaffen werden – mit weitreichenden haushaltspolitischen Auswirkungen. Man kennt diese Ausflüchte.

lösung Langsam – nicht nur wegen des hohen Lebensalters der Betroffenen muss man sagen: viel zu langsam – bewegt sich etwas in den Niederlanden. Ein Staatssekretär sagte, er verstehe die besondere Situation der Ghettorenten-Bezieher, und versprach eine baldige Lösung.

Das heißt: Die Proteste müssen weitergehen, damit auch in den Niederlanden die Schoa-Überlebenden, die eine kleine Zusatzrente erhalten, in Würde leben können.

Der Autor ist Gemeinderabbiner in Düsseldorf und niederländischer Staatsbürger.

Babyn Jar

Sie alle hatten einen Namen

In der Schlucht bei Kyjiw ermordeten deutsche Täter am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen rund 34.000 Jüdinnen und Juden

von Andreas Albrecht  29.09.2026

Deutschland

Elif Eralp war Mitglied der linksextremistischen Roten Hilfe

Der Landesverfassungsschutz erwähnt die Rote Hilfe in seinem jüngsten Jahresbericht als mit Abstand größte linksextremistische Organisation in Berlin

 29.09.2026

Sachsen-Anhalt

AfD-Wahlsieger Siegmund: Stelle mich im Dezember zur Wahl

Ob es dann tatsächlich für eine Mehrheit reicht, ist offen. Die Debatte über ein AfD-Verbotsverfahren nimmt derweil wieder Fahrt auf

 29.09.2026 Aktualisiert

Österreich

Israelische Familie wegen Herkunft nicht bedient?

An einem Imbissstand im Salzburger Land wurden Touristen mutmaßliche Opfer antisemitischer Diskriminierung

 29.09.2026

Jahrestag

Terrorunterstützer planen für den 7. Oktober israelfeindliche Demos

In Duisburg, Frankfurt, Hannover und Köln sind Kundgebungen vorgesehen. Aufrufe zur Teilnahme enthalten unverblümte Terroraufrufe

von Imanuel Marcus  29.09.2026 Aktualisiert

UNO

Francesca Albanese korrigiert umstrittene Holocaust-Aussage

In einem Interview hatte die Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete behauptet, Juden seien in Konzentrationslagern auf dem Weg in die Gaskammern als »Muslime« bezeichnet worden

 29.09.2026

Washington D.C.

Sanktionserleichterungen für Iran? Trump dementiert Bericht

Wie geht es weiter im US-Krieg gegen den Iran? Im Gespräch sollen Sanktionserleichterungen für Teheran sein. Der US-Präsident bestreitet das

 29.09.2026

Berlin

Berliner Linke gerät wegen weiterer Clan-Kontakte unter Druck

Welche Großfamilie war noch auf der Wahlparty der linken Wahlgewinner vertreten?

 29.09.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD sprechen ab Donnerstag

Nach dem Willen von Grünen und SPD soll es sich um ein »gemeinsames Vorgespräch« zur Verständigung bei dem zuletzt heftig diskutierten Thema Antisemitismus handeln

 29.09.2026