Anti-Corona-Proteste

Geschichtsvergessen und gewaltbereit

Anti-Corona-Maßnahmen-Demonstration in Düsseldorf im Oktober 2020 Foto: imago images/Ralph Peters

Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, Meron Mendel, sieht im Milieu der Corona-Leugner eine wachsende Gewaltbereitschaft und eine mangelnde Kenntnis der Geschichte der Judenverfolgung.

»82 Jahre, nachdem in Deutschland die Synagogen brannten, bereitet uns die Szene militanter Corona-Leugner besonders große Sorge«, sagte Mendel am Montag anlässlich der Novemberpogrome von 1938.

IDEOLOGIEN »Wer sich einen Judenstern mit der Aufschrift ‚ungeimpft‘ ans Revers heftet, stellt sich völlig geschichtsvergessen mit den Opfern des Nationalsozialismus auf eine Stufe.«

Es kursierten Verschwörungsideologien mit antisemitischem Unterton und krassen Freund-Feind-Bildern, so der Pädagoge.

»Wir brauchen einen Masterplan zum Umgang mit Verschwörungsmythen.«

Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank

Im Zuge der »Querdenker«-Demo am Wochenende in Leipzig habe sich gezeigt, wie leicht solche Bilder in Gewalt umschlagen könnten, etwa gegen Journalisten. Die Staatsmacht habe dem »erschreckend wenig« entgegenzusetzen gewusst.

MASTERPLAN Dass einzelne Städte wie München oder Wiesbaden das Zeigen von »Judensternen« mit der Aufschrift »ungeimpft« auf Demonstrationen von Corona-Leugner verboten hätten, sei erfreulich, aber nicht genug: »Wir brauchen einen Masterplan zum Umgang mit Verschwörungsmythen als Teil der Pandemiebekämpfung durch den Bund und die Länder«, forderte Mendel.

Kindern und Jugendlichen müsse in den Schulen die Kompetenz vermittelt werden, korrekte Informationen von »Fake News« zu unterscheiden.

SYMBOLE »Wir müssen konsequenter gegen Falschbehauptungen und verfassungswidrige Äußerungen von QAnon und anderen Corona-Leugnern vorgehen, etwa in den Sozialen Netzwerken, und auch Verbote ihrer Symbole prüfen.« kna

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