Einspruch

Geschasst, weil sie Juden sind

Martin Krauß Foto: Chris Hartung

Einspruch

Geschasst, weil sie Juden sind

Martin Krauß wundert sich über die dreiste Scheinheiligkeit, mit der Sportler suspendiert werden

von Martin Krauß  17.01.2024 13:44 Uhr

Der Eishockey-Weltverband IIHF hat Israel »bis auf Weiteres« suspendiert. Zur eigenen Sicherheit der Spieler, wie es in der Begründung heißt. Es ist die dumpfeste Lüge, die man sich in diesem Zusammenhang ausdenken kann.

Auch dem südafrikanischen Cricketverband gefällt diese dreiste Lüge. Er will nicht, dass der jüdische Spieler David Teeger weiterhin Kapitän seiner U19-Auswahl ist. Der hatte nämlich kurz nach dem 7. Oktober einen Preis erhalten, den er »dem Staat Israel und jedem einzelnen Soldaten« gewidmet hat, und wurde dafür abgesetzt. Um ihn vor möglichen Protesten oder der eskalierenden Gewalt zu schützen. Natürlich.

Die türkischen Behörden lassen wenigstens die an die Logik der Schutzhaft erinnernde Lüge weg, wenn es darum geht, den israelischen Fußballprofi Sagiv Jehezkel zu jagen. Der hatte nach einem Treffer für seinen Verein »Antalyaspor« öffentlich auf den 7. Oktober hingewiesen und einen Davidstern gezeigt. Jehezkel wurde kurzfristig verhaftet.

»Nach sorgfältiger Abwägung und auf der Grundlage von Risikobewertung«

Der Eishockeyverband hatte noch mitgeteilt, Israel sei so lange etwa von WM-Qualifikationen ausgeschlossen, »bis die Sicherheit und das Wohlergehen aller Teilnehmer (einschließlich der Israelis) gewährleistet werden kann«. Das geschehe, behauptet die IIHF, »nach sorgfältiger Abwägung und auf der Grundlage von Risikobewertung«.

Schaut man genau hin, sieht man, dass hinter den Suspendierungen natürlich keine Fürsorge oder Abwägung steht, sondern blanker Antisemitismus. Es ist kein Zufall, dass der Sport, von dem immer noch einige glauben, seine Machtgeflechte hätten nichts mit Politik zu tun (Womit denn sonst? Mit Love, Peace and Happiness?), Vorreiter ist, um antisemitischen Ausschluss zu legitimieren.

Schon die Reihenfolge der Skandale und ihre jeweiligen Begründungen zeigen an, wie schnell das gehen kann: Eishockey? Weil es Konflikte geben könnte. Südafrikanisches Cricket? Weil er für Israel ist. Türkischer Fußball? Weil er Jude ist.

Der Autor ist freier Sportjournalist.

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Berlin

SPD-Vorstand beschließt Mitgliedervotum zu Koalitionsvertrag

Noch haben die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht begonnen. Klar ist aber schon, dass die Basis der drei potenziellen Regierungspartner eng eingebunden werden soll

 30.10.2026

Friedens-Mission

Woidke lobt Pferdetreck nach Jerusalem als Friedenszeichen

Sechs Monate und mehr als 3.500 Kilometer Reise durch acht Länder: Der Friedenstreck nach Jerusalem im vergangenen Jahr musste viele Hindernisse überwinden

 30.10.2026

Meinung

Elif Eralp und der »Spiegel«: Alles nur eine böse rechte Kampagne!

Die Spitzenkandidatin der Linken in Berlin offenbart aus Versehen ihre Angst vor dem Umfeld der eigenen Partei – und entlarvt den Vorwurf, Opfer einer Kampagne zu sein

von Wiebke Hollersen  30.10.2026

Iran-Krieg

Katarische Unterhändler in Teheran zu Gesprächen

Inmitten von Spannungen und Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus mehren sich diese Woche diplomatische Besuche im Iran. Jetzt sind Vertreter aus Katar eingetroffen

 30.10.2026

Wahl in Israel

Josef Schuster: Regierungswechsel in Israel könnte förderlich sein

Äußerungen rechtsradikaler Minister in Israel sind nicht akzeptabel, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden. Was ein möglicher Regierungswechsel im Land für die deutsch-israelischen Beziehungen bedeuten könnte

von Leticia Witte  30.10.2026

SPIEGEL-Affäre

Eralp zu Angst-Eingeständnis: Nehme Rat von Behörden ernst

Mit schriftlichen Anmerkungen zu einem Interview sorgt die Berliner Linken-Frontfrau für Aufsehen. Nun bezieht sie selbst Stellung - und führt ihr Handeln auf den Rat der Sicherheitsbehörden zurück

 30.10.2026

Berlin

Thorsten Frei fordert Abbruch der Koalitionsverhandlungen mit Linken

»Wer in den eigenen Reihen die Zusammenarbeit mit Hamas-Sympathisanten duldet, kann nicht glaubwürdig Verantwortung für die Sicherheit von Millionen Berlinern übernehmen«, so der Fraktionschef der Bundestagsunion

 30.10.2026

Debatte

Nach Eralp-Veröffentlichung: Jetzt meldet sich der »Spiegel« zu Wort

 30.10.2026

Rheinland-Pfalz

CDU, SPD und Grüne fordern Schulterschluss gegen Antisemitismus

Nachdem in einem Brief an die Jüdische Gemeinde Speyer gedroht wurde, die Synagoge in die Luft zu sprengen, wollten die Fraktionen ein Zeichen setzen

 30.10.2026