Israel

Gefechte an Grenze zum Libanon

Eine israelische Artillerieeinheit unweit der Grenze zum Libanon Foto: copyright (c) Flash90 2023

Während Israels Armee im Gazastreifen weiter die Hamas bekämpft, gibt es auch an der Nordgrenze zum Libanon erhöhte Spannungen. Israels Militär gab am späten Sonntagabend bekannt, Kampfflugzeuge hätten erneut eine Kommandozentrale der mit der Hamas verbündeten Hisbollah im Süden Libanons attackiert. Beide Terrorgruppen werden vom Iran finanziert.

Ein Beobachtungsposten der Hisbollah sei angegriffen worden, hieß es bei den israelischen Streitkräften (IDF). Am Abend beriet Israels Verteidigungsminister Yoav Galant in Tel Aviv mit Amos Hochstein, einem Berater von US-Präsident Biden, über die gefährliche Lage in dem Grenzgebiet. Man sei zu einer diplomatischen Lösung der Krise bereit, aber zugleich auf »jedes andere Szenario« vorbereitet, sagte Galant nach Angaben seines Ministeriums bei dem Treffen.

Nach Auskunft des Armee-Sprechers Daniel Hagari wurden drei Truppendivisionen an die nördliche Grenze verlegt. Er sprach am Wochenende eine deutliche Warnung an die Hisbollah aus: Ein Krieg sei nicht Israels erste Priorität, »aber wir sind auf jeden Fall vorbereitet«.

Raketenstellung bombardiert

Seitdem die Hamas den aktuellen Krieg am 7. Oktober mit ihren Massakern in Israel begann, kommt es in der israelisch-libanesischen Grenzregion fast täglich zu gegenseitigen Angriffen. Auch am Sonntag gab es dort Gefechte.

Israel will durch militärischen und diplomatischen Druck erreichen, dass sich die Hisbollah im Süden Libanons wieder hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurückzieht - so wie es die UN-Resolution 1701 vorsieht.

Die Hisbollah feuert derzeit immer wieder aus der Pufferzone heraus, die nach dem Ende des zweiten Libanon-Kriegs 2006 im Grenzgebiet eingerichtet worden war. Israels Armee antwortet mit Gegenangriffen. Laut Armeesprecher Hagari haben die Streitkräfte seit Beginn des Gaza-Krieges mehr als 3400 Hisbollah-Stellungen ins Visier genommen. Dabei seien mehr als 200 Terroristen eliminiert worden.

Gaza: Bisher keine Einigung

Die Hisbollah gilt als deutlich schlagkräftiger als die Hamas im Gazastreifen. Zehntausende Anwohner im Norden Israels sowie auf libanesischer Seite haben inzwischen wegen der wiederholten militärischen Konfrontationen ihre Heimatorte verlassen. Israel warnte bereits mehrmals, dass es auch zu einem größeren Militäreinsatz bereit sei, falls die diplomatischen Bemühungen ins Leere laufen sollten.

Verteidigungsminister Galant erneute diese Warnung am Sonntag, wie die Zeitung »Times of Israel« berichtete: »Die klare Anweisung, die ich der Luftwaffe gegeben habe, lautet, die Nasen unserer Flugzeuge nach Norden zu richten«, wurde Galant zitiert. Israels Armee sei für alle Fälle bereit, hieß es.

Unterdessen gibt es bei den Verhandlungen im Gaza-Krieg über eine erneute Feuerpause und Freilassung weiterer Geiseln weiterhin keine Einigung. Der Hamas liegt ein von den Vermittlern USA, Ägypten und Katar kürzlich in Paris ausgehandelter Vorschlag vor, der die stufenweise Freilassung der Geiseln im Gegenzug für eine längere Feuerpause sowie für die Freilassung palästinensischer Strafgefangener vorsieht.

Diskutierende Terroristen

Ein Vertreter der Terroristen, deren erklärtes Ziel es ist, Israel auszulöschen, kündigte am Sonntag an, man werde bald dazu Stellung nehmen, es werde aber intern noch diskutiert. Israels Verhandlungsführer sollen den Rahmenentwurf dagegen bereits akzeptiert haben.

Derzeit werden in dem Küstengebiet laut Israel noch 136 Geiseln festgehalten. Israel geht davon aus, dass knapp 30 von ihnen nicht mehr am Leben sind.

US-Außenminister Antony Blinken will im Nahen Osten erneut Krisengespräche führen. Dabei soll es auch um eine erneute Feuerpause und die Freilassung von Geiseln gehen. Es ist Blinkens fünfte Nahostreise seit Beginn des Krieges.

In New York kommt unterdessen der Weltsicherheitsrat auf Betreiben Russlands zusammen, um über die US-Angriffe in Syrien und dem Irak zu beraten. Moskau, das einen Angriffskrieg gegen seine Nachbarin Ukraine führt, wirft Washington vor, gezielt eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten herbeiführen zu wollen. dpa/ja

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