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Gedenkstätten, Brandanschlag, UN-Sicherheitsrat

Die KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau Foto: imago/sepp spiegl

KZ-Gedenkstättenbesuche
Die CDU-Spitze will jedem Schüler ermöglichen, vor Abschluss der Schulzeit eine KZ-Gedenkstätte zu besuchen. »Wer mit eigenen Augen gesehen hat, wozu Menschen fähig sind, wer vor Ort das Leid der Millionen Menschen spürt, begreift, wohin Antisemitismus führt«, heißt es in einem einstimmigen Beschluss des CDU-Vorstandes vom Montag. Mit der Intensivierung von Gedenkstättenfahrten solle die historisch-politische Bildung gestärkt und gegen Rassismus und Antisemitismus vorgegangen werden. Der Zentralrat der Juden in Deutschland befürwortet den Vorstoß der CDU. »Angesichts des wachsenden Antisemitismus und wachsender Tendenzen, die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zu beenden, begrüßen wir den Beschluss der CDU-Spitze ganz ausdrücklich«, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster. »Es wäre wünschenswert, wenn die Länder noch darüber hinausgehen und Gedenkstättenfahrten in den Lehrplänen verankern. Unerlässlich ist es, diese Besuche pädagogisch gut vor- und nachzubereiten«, so Schuster weiter. »In der Lehrerausbildung sollte die Befassung mit dem Nationalsozialismus und der Schoa daher auch verpflichtender Bestandteil werden.« Bund und Länder sollen nach dem Beschluss entsprechend ihrer föderalen Zuständigkeit die Reise-, Übernachtungs- und Eintrittskosten übernehmen. Die Förderung solle sowohl direkt über die Schulen als auch über freie Träger möglich sein. Mit dem Beschluss wolle man einen Impuls für eine aktive Erinnerung und gegen das Vergessen setzen. dpa/ja

Brandanschlag auf Berliner Kneipe
Im Berliner Bezirk Lichtenberg ist eine Kiezkneipe fast vollständig ausgebrannt. Am vergangenen Freitag alarmierten Anwohner die Feuerwehr. Die Polizei bestätigte auf Nachfrage, dass das Landeskriminalamt wegen schwerer Brandstiftung ermittelt und der Staatsschutz ein politisches Tatmotiv prüft. Es ist bereits der vierte Anschlag auf die Bar innerhalb weniger Jahre. Die Kneipe mit dem jüdischen Besitzer steht seit Jahren im Visier von Neonazis. Immer wieder habe er in den vergangenen Monaten und Jahren Drohanrufe erhalten, sagte er. Seine Bar sei zudem mit antisemitischen Sprüchen und Motiven besprüht worden. ja

Kritik an UN-Sicherheitsrat
Israels Außenminister kritisiert das Nein des UN-Sicherheitsrats zum US-Vorschlag, das Waffenembargo gegen das iranische Regime zu verlängern. Dies werde zu einer Verschlechterung der Lage im Nahen Osten führen, sagte Gabi Ashkenazi am vergangenen Samstag. Der UN-Sicherheitsrat sei »für den genauen Zweck eingerichtet worden, Regimes wie das der iranischen Ajatollahs daran zu hindern, ihre militärischen Möglichkeiten massiv auszubauen«, sagte Ashkenazi. Der Iran werde dies dazu nutzen, »in der Region militärisch und ideologisch Kontrolle zu ergreifen«. Er warf dem Iran vor, Terrorismus international aktiv als politische Waffe einzusetzen. »Dieses Verhalten gefährdet die regionale und internationale Stabilität.« Israel und die USA werfen Teheran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung weiter an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Der Iran droht dem jüdischen Staat immer wieder mit der Auslöschung. Zuletzt hatte Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei Israel als »Geschwulst« in der Nahost-Region bezeichnet, das mit einem Dschihad der Palästinenser entwurzelt und entfernt werden müsse. dpa/ja

Halle-Prozess
Im Prozess gegen den Synagogen-Attentäter von Halle sind sechs weitere Verhandlungstermine bis zum 18. November festgelegt worden. Das teilte das Oberlandesgericht Naumburg am Montag mit. Bis Ende September sind zahlreiche Zeugen geladen. Für den 13. Oktober wird nach aktueller Planung das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen erwartet. Wann mit einem Urteil zu rechnen ist, könne jedoch noch nicht abgesehen werden, sagte ein Gerichtssprecher. Stephan B. droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zudem kommt eine anschließende Sicherungsverwahrung in Betracht. In den ersten drei Verhandlungstagen im September soll es um das Geschehen rund um die Synagoge gehen. Mehrere Zeugen, die sich zum Tatzeitpunkt in der Synagoge befanden, sollen dazu befragt werden. epd

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

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Josef Schuster für Bestrafung der Leugnung von Israels Existenzrecht

Der Zentralratspräsident stellt sich hinter das Vorhaben aus Hessen. Derweil sind einige Strafrechtler skeptisch

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Interview

»Sonntagsreden reichen nicht«

Hessens Justizminister Christian Heinz will, dass Aufrufe zur Vernichtung Israels künftig unter Strafe stehen. Wie lässt sich ein solcher Eingriff in die Meinungsfreiheit begründen? Ein Gespräch über Staatsräson, den Schutz jüdischen Lebens und Mehrheiten im Bundesrat

von Joshua Schultheis  18.05.2026

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Provokantes »Hitler mit Kufiya«-Mural bei israelfeindlicher Demonstration aufgetaucht

Nach Angaben des Künstlers versteht sich die Aktion als Warnung vor wachsender gesellschaftlicher Radikalisierung und der zunehmenden Normalisierung antisemitischer Sprache

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Mutmaßlicher Drahtzieher von Angriffen auf jüdische Einrichtungen vor Gericht

Auch für einen Brandanschlag auf ein jüdisches Restaurant in München soll Mohammad Baqer Saad Dawood Al-Saadi verantwortlich sein

 18.05.2026

Initiative

Offener Brief jüdischer Organisationen an Berliner Senatorin

Nachdem eine Klage des jüdischen Studenten Lahav Shapira gegen die Freie Universität Berlin für unzulässig erklärt worden ist, fordern jüdische Organisationen eine Gesetzesänderung

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Forscher: Offenheit für AfD wächst trotz mehr Radikalität

Der Extremismusforscher Botsch erklärt, warum die Bereitschaft wächst, die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei zu wählen - ungeachtet ihrer Entwicklung

von Marc-Oliver von Riegen  18.05.2026

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Abbas will blockierte Gelder als Terror-Renten verwenden

In Zusammenhang mit Israels Entscheidung, Teile der Steuereinnahmen für die PSA einzubehalten, spricht der Palästinenserpräsident von einem Rechtsbruch, will aber weiterhin illegale Terror-Renten bezahlen

 18.05.2026

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Wie es mit Marla Svenja Liebich weitergehen könnte

Nach monatelanger Fahndung wurde die Rechtsextremistin gefasst. Seit einigen Wochen sitzt sie in Tschechien in Haft. Ein Gericht dort will nun über eine Auslieferung entscheiden

 18.05.2026