Baden-Baden

Gedenksäule für Holocaust-Opfer schwer beschädigt

Baden-Baden Foto: picture alliance / dpa

In der Nacht zum Montag wurde in Baden-Baden die Gedenksäule für Holocaust-Opfer am Willy-Brandt-Platz schwer beschädigt. Ein städtischer Mitarbeiter stellte am Morgen fest, dass das Denkmal offenbar mutwillig umgestoßen wurde.

Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, ein politischer Hintergrund gilt als wahrscheinlich. Die Stadt Baden-Baden und die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) reagierten mit scharfen Worten auf die Tat – und riefen zur Solidarität auf.

Wie die Stadtverwaltung mitteilte, wurde das beschädigte Mahnmal inzwischen durch einen Steinmetz begutachtet. Der Schaden sei erheblich, eine umfassende Instandsetzung notwendig. Die Stadt kündigte an, sich ungeachtet finanzieller Fragen für eine zeitnahe Wiederherstellung einsetzen zu wollen.

Symbol für neue Realität

In einer öffentlichen Stellungnahme erklärte die Verwaltung: »Das Mahnmal erinnert an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte und steht für das Bekenntnis zu Toleranz, Respekt und einer lebendigen Erinnerungskultur. Ein Angriff auf dieses Zeichen ist zugleich ein Angriff auf die Grundwerte der Stadtgesellschaft.«

Lesen Sie auch

Besonders betroffen zeigt sich die Israelitische Kultusgemeinde Baden-Baden (IKG). In ihrer Stellungnahme machte sie deutlich, der Vorfall sei mehr als eine bloße Sachbeschädigung. Es handle sich um einen gezielten antisemitischer Angriff, begangen in einer Nacht von besonderer Symbolik: »In der Nacht nach Tischa beAw – dem jüdischen Trauertag über die Zerstörung Jerusalems und zahlloser anderer Tragödien – wurde im Herzen von Baden-Baden ein weiterer Schmerz zugefügt.«

Die Gemeinde spricht von einem »abscheulichen Akt«, der sie »im Innersten« getroffen habe. Dieser Vorfall sei ein Symbol für eine neue Realität: Antisemitismus in Deutschland äußere sich nicht mehr nur in Worten, sondern zunehmend in Taten. Der Angriff sei eine bewusste Provokation mit politischer Botschaft.

Unmissverständliche Solidarität

Die IKG forderte eine »sofortige und umfassende Aufklärung« durch die Polizei. Sie erwarte eine »klare, sichtbare und unmissverständliche Solidarität« von allen demokratischen Kräften, sowohl in der Stadt als auch auf Landes- und Bundesebene. Antizionistischer Antisemitismus, so die Gemeinde, habe inzwischen die Grenze von Parolen zur physischen Gewalt überschritten.

Die Gemeinde machte deutlich, sie werde die Tat nicht vergessen, sich nicht einschüchtern lassen und forderte Konsequenzen. In ihrer Erklärung heißt es abschließend: »Am Israel Chai – das Volk Israel lebt.«

Als Zeichen der Solidarität findet am Donnerstag, 7. August, um 18 Uhr eine Mahnwache am Willy-Brandt-Platz statt. Die Initiative geht von der Jüdischen Gemeinde aus und wird von zahlreichen Vereinen, Gruppen aus der Zivilgesellschaft sowie der Stadt Baden-Baden unterstützt. »Ein stilles, aber sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus – und für das Erinnern«, heißt es von Seiten der Veranstalter. im

Extremismus

AfD: Björn Höcke zitiert abermals Nazi-Parole

Der AfD-Politiker Höcke ist wegen einer verbotenen Nazi-Parole bereits verurteilt worden. Jetzt prüft die Polizei einen neuen Vorfall. Doch Abgeordnete stehen unter besonderem Schutz

 06.02.2026

München

Jüdische Gemeinde erhält Drohbrief mit Patrone

Der Staatsschutz der bayerischen Polizei ermittelt

von Imanuel Marcus  06.02.2026

Berlin/Gießen

Nach Rede im Hitler-Stil: AfD will Mitglied rauswerfen

Mit seiner Rede, die an Adolf Hitler erinnerte, sorgte Alexander Eichwald beim AfD-Jugendkongress für Aufregung. Jetzt droht ihm der Parteiausschluss

 06.02.2026

Berlin

Julia Klöckner reist nach Israel

Die Bundestagspräsidentin will sich mit Regierungs- und Oppositionsvertretern austauschen, nach Yad Vashem und zum Nova-Festival-Memorial fahren

 06.02.2026

Kommentar

Strafanzeige als PR-Gag?

Laut und verwegen ist der Genozid-Vorwurf einer Schweizer Gruppierung gegen den Schweizer Bundesrat Ignazio Cassis. Mit einer Rechtsdebatte hat es aber nichts zu tun

von Nicole Dreyfus  06.02.2026

Bundesrat Ignazio Cassis muss sich in Den Haag verantworten.

Den Haag

Schweizer Bundesrat wegen Völkermord angezeigt

Eine Gruppe Schweizer Anwälte wirft Außenminister Ignazio Cassis Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord vor

von Nicole Dreyfus  06.02.2026

New York

Epstein-Dokumente befeuern antisemitische Verschwörungsmythen in sozialen Medien

Einer JTA-Recherche zufolge nutzen Rechtsextreme, aber auch Akteure aus anderen politischen Lagern, einzelne Passagen, um altbekannte Narrative über angebliche jüdische Machtstrukturen neu zu befeuern

 06.02.2026

Frankfurt am Main

Nach Antisemitismusvorwurf gegen RTL: Experte fordert Schulungen in Medien

Der Experte Samuel Stern fordert mehr Schulungen und Workshops gegen Antisemitismus in Medienhäusern und Fernsehsendern

 06.02.2026

London

Keir Starmer entschuldigt sich bei Epstein-Opfern

Der Premierminister: »Es tut mir leid, was Ihnen angetan wurde.«

 06.02.2026